BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Blitzer oder Maut? Auffahrunfälle an blauen Säulen | BR24

Per Mail sharen

    Blitzer oder Maut? Auffahrunfälle an blauen Säulen

    Weil Autofahrer die neuen Maut-Stationen für Lastwagen irrtümlich für Radarfallen halten, hat es in Nordbayern Auffahrunfälle gegeben. Das Bundesamt für Güterverkehr zeigt sich überrascht: Gebetsmühlenartig habe man über die blauen Säulen aufgeklärt.

    Per Mail sharen

    Sie sehen aus wie Blitzer, überprüfen aber nur, ob Lastwagen ihre Maut bezahlen: Die blauen Säulen an den Bundesstraßen.

    Wegen der Ähnlichkeit hat es in den vergangenen Tagen mehrfach gekracht, jedenfalls in Unterfranken, wie Polizeisprecher Philipp Hümmer von der Direktion in Würzburg berichtet.

    "Die Autofahrer sehen das Ding, denken, es wird geblitzt, gehen unerwartet in die Eisen, und die anderen Autos dahinter fahren drauf." Polizeidirektion Unterfranken

    Mautsäule mit "Hammer bearbeitet"

    Immer wieder komme es vor den Mautsäulen zu brenzligen Situationen. "Es ist verdammt gefährlich, wenn abrupt abgebremst wird", so Hümmer. Eine der Gefahrenstellen: Die B286 bei Wiesentheid im Kreis Kitzingen, wo es schon mehrere Auffahrunfälle gegeben habe.

    Die Mautsäule sei einer Zeugenaussage zufolge von einem zornigen Lkw-Fahrer bereits mit einem "Hammer bearbeitet" worden, berichtet Hümmer. Womöglich, weil er die Station für einen Blitzer gehalten habe. In der Sache laufe ein Strafverfahren gegen Unbekannt.

    Polizei in Unterfranken will aufklären

    Auch in anderen Regionen in Bayern berichtet die Polizei, dass einige Autofahrer zumindest irritiert von den Säulen sind. "Unfälle oder Beschwerden gab es bei uns jedoch nicht", betont ein Sprecher der Polizeidirektion Oberbayern Süd mit Blick auf eine Mautsäule, die jetzt bei Rosenheim steht. Ein Sprecher der Polizeidirektion Schwaben Süd/West sagt: "Wir haben da keine Erkenntnisse".

    In Unterfranken dagegen sieht man jetzt Handlungsbedarf. "Uns geht es jetzt um Aufklärung", sagt Polizeisprecher Hümmer. Auf Twitter warnte die Polizeidirektion vor den auffälligen blauen Säulen. Und sie hat für die Autofahrer auch gleich den passenden Tipp parat: "Haltet euch einfach an die vorgeschriebene Geschwindigkeit, dann müsst ihr auch nicht plötzlich und unerwartet abbremsen!"

    Bundesamt für Güterverkehr überrascht

    Auf BR-Anfrage zeigte sich das Bundesamt für Güterverkehr überrascht von den Unfällen. Man habe mit dem Betreiber Toll Collect "gebetsmühlenartig" darauf hingewiesen, dass es sich bei den blauen Säulen um reine Mautstationen handelt, sagt Sprecher Horst Roitsch. Sie seien viel größer und farblich anders gestaltet als die Radarfallen.

    "Aber offenbar ist das noch nicht bei allen angekommen", so Roitsch. Er schloss nicht aus, dass es eine weitere Aufklärungskampagne geben wird, wenn die Säulen weiter Probleme bereiten. Bislang habe es 16 sogenannte Roadshows gegeben, von Hamburg bis München.

    Etwa 100 Mautsäulen in Bayern

    Seit Sonntag wird auch auf allen Bundesstraßen die Lkw-Maut verlangt. Die Kontrollsäulen fotografieren die vorbeifahrenden Lastwagen, messen aber nicht die Geschwindigkeit. Die Fotos werden wieder gelöscht, wenn korrekt bezahlt wurde.

    Laut dem Bundesverkehrsministerium sind nun alle 52.000 Bundesstraßen-Kilometer in Deutschland mautpflichtig. Bisher erhob der Bund die Lkw-Maut auf rund 12.800 Kilometern Autobahn und auf rund 2.300 Kilometern "autobahnähnlichen" Bundesstraßen. In Bayern wurden rund 100 Mautsäulen an Bundesstraßen aufgestellt. In Unterfranken sind es 15.