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Schrecken aller Autofahrer: Blitzer im Straßenverkehr | BR24

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Blitzer in kommunaler Hand

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Schrecken aller Autofahrer: Blitzer im Straßenverkehr

Im vergangenen Jahr wurden über eine Million Geschwindigkeitsverstöße in Bayern geahndet. Zwar nimmt deren Zahl weiter ab, aber der Freistaat will verstärkt gegen Temposünder vorgehen. Der neue Bußgeldkatalog tut sein übriges dazu.

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In Bayern wurden 2019 laut der Jahresstatistik des Bayerischen Polizeiverwaltungsamtes rund 1,1 Millionen Geschwindigkeitsverstöße (-5,6 Prozent gegenüber 2018) und 72.406 Fahrverbote, meist wegen zu schnellen Fahrens, ausgesprochen. Zu viel, meinen die Abgeordneten des Bayerischen Landtags und wollen die Geschwindigkeitsverstöße auf Dauer senken.

Welche Blitzer gibt es?

Zur Feststellung der Übertretungen setzt die Bayerische Polizei auf eine neue Gerätegeneration mit verbesserter Kameratechnik. Ein Großteil der bisherigen Geschwindigkeitsmessanlagen wurde 2019 bereits durch modernere ersetzt. Vor allem liefern sie neue Fotos in verbesserter Bildqualität.

Red-and-Speed-Anlagen:

Besser bekannt bei Autofahrern ist diese Anlage unter dem Namen "Superblitzer". Eine graue Säule, die mit zwei Digitalkameras und neuester Lasertechnik ausgestattet ist. Der Superblitzer misst in alle vier Fahrtrichtungen das Tempo der Fahrer. Gleichzeitig registriert er, wenn jemand bei Rot über die Ampel fährt. Wird die volle Leistungsbreite der Anlage genutzt, so kann zum Beispiel auch ein Durchfahrtsverbot einprogrammiert werden. Das Gerät ist durchgehend im Einsatz. 24 davon gibt es mittlerweile in Bayern, nicht alle sind dauerhaft bestückt. Die meisten davon stehen in München, Ingolstadt, Nürnberg und Augsburg. Die Anschaffung ist nicht billig und liegt um die 100.000 bis 150.000 Euro.

Effektiver Einsatz

In Nürnberg stehen drei dieser Red-and-Speed-Anlagen. Durchschnittlich werden wöchentlich dadurch 20 Fahrverbote erlassen. 11.500 Mal hat die Anlage im letzen Jahr ausgelöst.

© BR/Claudia Grimmer

Red-and-Speed-Blitzer in Nürnberg

Rotlichtblitzer: Zu alte Technik

Die stationären Ampelblitzer oder umgangssprachlich "Starenkästen" genannt, stehen unmittelbar bei Ampelanlagen. Dabei sind Induktionsschleifen im Straßenbelag eingelassen. Überfährt ein Autofahrer diesen Schutzbereich bei Rot, dann werden zwei Blitzer ausgelöst, um festzustellen, ob er nur zu weit auf den weißen Streifen gerollt ist oder ihn komplett überfahren hat. Bei einem Rotlichtverstoß drohen dem Verkehrssünder strenge Sanktionen. War die Ampel bereits länger als eine Sekunde rot, sind 200 Euro, zwei Punkte in Flensburg und ein Monat Fahrverbot die Folge.

Nürnberg hat Anlagen abgebaut

Viele Anlagen sind bereits veraltet. Die Starenkästen sind beispielsweise in Nürnberg ohne Funktion. "Die gibt es schon länger nicht mehr bei uns", bestätigt Werner Meier von der Verkehrspolizei-Inspektion Nürnberg.

© BR/Claudia Grimmer

Rotlichtmessanlage in Nürnberg

Radar-Mess-System

Diese Messtechnik ist in Nürnberg die älteste Technik, die derzeit im Einsatz ist. Auffällig ist die Radarsonde dabei. Eingebaut ist die Anlage in Autos, sie kann aber auch am Straßenrad aufgebaut werden. Zur genauen Messung wird eine digitale Fotographie des Fahrers erstellt. Die Technik ist so alt, dass oft bereits Ersatzteile fehlen. Für die Polizei in Bayern ist das Gerät zum Ausmustern freigegeben, denn mittlerweile steht bessere Technik zur Verfügung.

Poliscan Speed Blitzer

Hier handelt es sich um ein "mehrzielfähiges" Geschwindigkeitsmessgerät mit einem Laserscanner. Dadurch kann es mehrere Fahrspuren gleichzeitig überwachen. Auch diese Anlage kann sowohl als fester Blitzer, dem Tower, wie auch als mobile Anlage in Autos eingesetzt werden. In Nürnberg gibt es beispielsweise zwei dieser Geräte. Die Besonderheit bei dieser Anlage ist, dass sie bereits bei einem Messbereich von 50 Metern Entfernung Geschwindigkeitsüberschreitungen feststellen kann.

© BR

Die alten Radarblitzer werden ausgemustert. Neue, digitale Messanlagen überwachen die Geschwindigkeit. Sie können auch im Kurvenbereich blitzen und liefern gestochen scharfe Bilder vom Verkehrssünder.

Stationäre Blitzer - Traffiphot S

Festinstallierte Blitzer wie der Traffiphot S messen mit speziellen Induktionssensoren bzw. mit sogenannten Piezosensoren, die in die Fahrbahn eingelassen sind, die Geschwindigkeit der vorbeifahrenden Autos. Überfährt ein Fahrzeug die Fahrbahn, kommt es mit diesen Piezosensorkabeln in Berührung und verändert die elektrische Spannung der Sensoren. Die dadurch gewonnenen Informationen werden an den entsprechenden Rechner zur Auswertung weitergeleitet. Der wiederum errechnet die Geschwindigkeit vom gefahrenen Fahrzeug anhand der Informationen aus allen Koaxialkabeln im Rahmen der Weg-Zeit-Analyse.

Übrigens: Auch auf Autobahnen sind feste Blitzer eingerichtet. So zum Beispiel auf der A99 im Aubinger Tunnel.

© dpa/pa, Christophe Gateau

Festinstallierte Geschwindigkeitsmessanlage, Traffipax

Die Lichtschrankenmessung

Das Gerät für die Lichtschrankenmessung ist klein: Auf einem Gestell steht ein Kasten mit fünf schwarzen Löchern - Helligkeitssensoren. Wer zu schnell ist und durch die Lichtschranke fährt, sieht gleich danach ein rotes Licht aufblitzen. Das Gerät kann bis zu vier Fahrspuren gleichzeitig überwachen. Das Messprinzip eignet sich auch für eine beweissichere Front- und Heckdokumentation von Motorradfahrern, die wegen des fehlenden vorderen Kennzeichens oft nicht möglich war. Noch ein Vorteil: Es können auch Geschwindigkeiten über 300 km/h gemessen werden.

© dpa/pa, Karl-Josef Hildenbrand

Geschwindigkeitsmessanlage

Teilstationäre Geschwindigkeitsmesser

Vor allem in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen sorgten und sorgen sie für Unmut in der Bevölkerung und sind regelmäßig von Sachbeschädigungen betroffen. Die teilstationären Blitzer, sogenannte Hightech-Blitzer oder Enforcement Trailer, verstecken sich meist in grauen, klobigen Anhängern, die am Straßenrand abgestellt werden. Sie können bis zu fünf Tage am Stück blitzen und werden auch gerne im Baustellenbereich auf Autobahnen abgestellt.

Durch die neuste Lasermesstechnik messen sie sicherer als herkömmliche Radargeräte die Geschwindigkeit. Durch ein integriertes Modem werden die Daten drahtlos über GSM (Global System for Mobile Communications) übertragen. Durch diese Verbindung ist auch ein Fernzugriff auf das Messsystem möglich. Immer wieder führt das im Innenstadtbereich dazu, dass nach ihrer Entdeckung die Linsen mit Farbe beschmiert werden. Für solche Vorfälle sind sie sogar mit einer Alarmanlage ausgestattet. Dafür kostet das Gerät 120.000 Euro. Vor allem die Franzosen sind von diesem Gerät begeistert. 250 Stück sind dort im Einsatz, denn bis zu 2.500 Verstöße am Tag soll der Anhänger blitzen können.

© dpa/pa, Daniel Reinhardt

Teilstationäres Geschwindigkeitsmessgerät.

Das Laserfernglas und Laserhandmessgerät

Umgangssprachlich nennt sie der Autofahrer Laserpistole. Hier werden kurz hintereinander zwei oder mehr Lichtpulse ausgesendet, die vom Fahrzeug reflektiert werden. Es ist eine Zeit-Streckenmessung. Meist stehen dabei die Polizisten auf Landstraßen gut versteckt. In den meisten Fällen werden Kfz-Kennzeichen und gemessene Geschwindigkeit per Funk an einen Polizeibeamten übermittelt, der das Fahrzeug hinter der Messstelle zur Feststellung der Personalien anhält.

© BR/Claudia Grimmer

Lasermessung der Verkehrspolizei-Inspektion Nürnberg

Wo dürfen Blitzer blitzen?

Blitzer dürfen im Grunde überall aufgestellt werden, solange sie die Verkehrssicherheit nicht beeinflussen. Jedes Land regelt selbst, ab wann nach einer Geschwindigkeitsbegrenzung oder einem Ortseingangsschild oder vor einem Ortsausgangsschild gemessen werden darf.

Die allgemeinen Richtlinien sehen in Bayern vor, dass ein Auto nicht direkt hinter einem Schild geblitzt werden darf, sondern erst nach 200 Metern. Der Fahrer erhält also etwas Raum, um die Geschwindigkeit anzupassen. Der Mindestabstand einer Geschwindigkeitskontrolle zum Ende einer Tempobegrenzung beträgt 150 Meter.

Wer zahlt bei Geschwindigkeitsübertretungen?

In Deutschland ist es so geregelt, dass ausschließlich der Fahrzeugführer für Geschwindigkeitsverstöße haftet und zahlt. Deshalb sind gute Foto- oder Videoaufnahmen entscheidend, um nachzuweisen, wer das Auto gefahren hat. Bis jetzt werden diese Aufnahmen noch mit dem typischen Rotlicht durchgeführt, die ein Schwarz-Weiß-Foto schießen. Zunehmend wird aber die Digitalfotographie eingeführt.

Was kostet es nach dem neuen Bußgeldkatalog?

Auch 2019 war überhöhte und nicht angepasste Geschwindigkeit die Hauptunfallursache für tödliche Verkehrsunfälle. 136 und damit rund 27 Prozent aller tödlichen Verkehrsunfälle gingen darauf zurück (2018: 176). Bei Geschwindigkeitsverstößen hat die Bayerische Polizei im vergangenen Jahr 307.952 Anzeigen erstattet und 845.803 Verwarnungen ausgesprochen. Zudem erließ das Bayerische Polizeiverwaltungsamt 2019 32.945 Fahrverbote aufgrund von Geschwindigkeitsverstößen.

Das Punktesystem von Flensburg

Ordnungswidrigkeiten, die mit einem Punkt sanktioniert werden, bleiben zweieinhalb Jahre, Zwei-Punkt-Verstöße fünf Jahre und Verkehrsstraftaten ab drei Punkten zehn Jahre gespeichert. Seit 2014 gilt zudem: Bei 1-3 Punkten gibt es eine Vormerkung, bei 4-5 Punkten eine Ermahnung, bei 6-7 Punkten eine Verwarnung und bei 8 Punkten wird schließlich der Führerschein entzogen.

Wer wissen will, wie es mit seinem Punktestand aussieht, der kann dies in Flensburg per postalischem Antrag abfragen. Er muss mit einer Kopie des Personal- oder Reisepasses eingeschickt werden. Wer bereits einen neuen Personalausweis mit aktiver Online-Funktion besitzt, kann seinen Punktestand in Flensburg auch online in Erfahrung bringen.

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