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© Josef Häckler / Ben Kutz
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Mit einem Bergsteigerbus will der Deutsche Alpenverein (DAV) für die Entlastung der Alpenregion sorgen. Sabrina Keller vom DAV erklärt das Konzept.

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Ab Pfingsten: Bergsteigerbus gegen Blechlawinen

Am Wochenende ist es wieder so weit: Blechlawinen rollen in die Berge. Die Einwohner sind zunehmend genervt von den vielen Autos aus der Stadt. Für Entlastung will ab Pfingsten der Deutsche Alpenverein sorgen: mit einem Bergsteigerbus.

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Von
  • Ben Kutz
  • Josef Häckler

"Ich wohne in Oberau direkt an der Bundesstraße. Es ist viel", erzählt Stefan Winter. Er meint die tausenden Autos, die jeden Tag durch das kleine Örtchen in den Ammergauer Alpen fahren. Anwohner Dirk Pohe pflichtet ihm bei. Besonders an Wochenenden rollen die Blechlawinen aus den Städten in die Berge. "Die stellen sich dann teilweise auch da hin, wo es keine Parkplätze gibt", sagt Pohe. "Das nimmt manchmal schon Überhand." Winter und Pohe arbeiten beide in der Gastronomie, sind also angewiesen auf Besucherinnen und Besucher. Von den Automassen sind sie trotzdem manchmal genervt.

In Spitzenzeiten: 40.000 Autos täglich

Vor Corona sind in Spitzenzeiten fast 40.000 Autos täglich durch Oberau gerollt. Das Dorf im Landkreis Garmisch-Patenkirchen liegt direkt hinter der "Alpen-Autobahn" A95. Und auch während Corona führt der Weg zahlreicher Tagestouristen durch Oberau.

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Bergsteigerbus soll Entlastung schaffen

Eine solche Tagestouristin ist Sabrina Keller, Vorstandsmitglied des Deutschen Alpenvereins (DAV) – Sektion Oberland. Als Bergsportlerin ist die 26-Jährige auf ein Auto angewiesen. "Gerade für längere Touren, wenn es früh losgehen soll, bleibt eigentlich nur das Auto", erzählt sie. "Da wollen wir als Alpenverein Alternativen schaffen." Diese Alternative soll ein Bergsteigerbus sein.

Die Idee: Wanderer und Bergsportler fahren nun nicht mehr einzeln in zig Autos in die Alpen, sondern fahren gemeinsam mit dem Bus – um Anwohner und Natur zu entlasten. Der DAV plant für den Anfang drei Strecken: Eine Strecke über die A95 und Oberau in die Ammergauer Alpen, weitere Busse sollen in den Chiemgau und ins Allgäu fahren.

Bus soll ab Pfingsten rollen – trotz Pandemie

Losgehen soll das Projekt schon zu Pfingsten – trotz der Pandemie. "Natürlich können wir wegen Corona am Anfang nicht so viele Leute mitnehmen, wie wir gern würden. Das ist schade", sagt Sabrina Keller. Aber man habe schon Hygienekonzepte ausgearbeitet, wie die Busse trotzdem im Frühjahr rollen können. Über die Auslastung macht sich Keller jedenfalls keine Sorgen. "Wir bekommen schon jetzt wahnsinnig viele Anfragen, obwohl unsere Idee noch gar nicht lange öffentlich ist“, erzählt sie. „Daher sind wir sehr optimistisch, dass es gut anläuft."

Angebot ist offen für alle Interessierten

Alle Busse starten zunächst in München. Andere Abfahrsorte seien in der Zukunft aber nicht ausgeschlossen, wenn die Pilotphase gut anläuft. Das Angebot soll nicht nur für DAV-Mitglieder, sondern für alle Interessierten offen und vor allem erschwinglich sein. Genaue Preise kann Sabrina Keller vom DAV zwar noch nicht nennen, "aber wenn wir den Umstieg weg vom Individualverkehr wollen, muss die Hürde so gering wie möglich sein".

Der Bergsteigerbus ist dem DAV ein wichtiges Anliegen, denn: "Als Alpenverein wollen wir nicht nur den Sport fördern, die Umwelt ist uns genauso wichtig", erzählt Keller. "Für uns ist das miteinander verwoben." Denn man wolle die Natur und die Anwohner nicht ausnehmen, sondern alle Interessen miteinander in Einklang bringen.

Anwohner sind teilweise noch skeptisch

Die Anwohner, die direkt vom aktuellen Verkehrschaos betroffen sind, blicken mit gemischten Gefühlen auf die Idee des DAV. Stefan Winter glaubt noch nicht so recht an den Erfolg. "Der Münchner wird da nicht einsteigen", sagt er. "Der fährt lieber in ein Bergdorf hoch – bis in die Wiese rein!" Dirk Pohe ist da zuversichtlicher. "Bedarf für mehr Busse ist definitiv da", findet er. Und wenn seine Heimat dadurch etwas entlastet werden würde, "wäre doch wirklich eine gute Sache".

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