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Blauzungenkrankheit bei Rindern: Bayerns Landwirte in Not | BR24

© BR / Florian Kienast

Blauzungenkrankheit

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Blauzungenkrankheit bei Rindern: Bayerns Landwirte in Not

Bisher ist die Blauzungenkrankheit nicht in Bayern angelangt. Trotzdem dürfen seit dem 18. Mai nur noch Kälber von geimpften Müttern aus den Sperrgebieten verkauft werden. Das Problem: Der passende Impfstoff ist nicht in großer Menge vorrätig.

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Vom Bodensee bis nach Unterfranken sind die Rinderhalter im westlichen Teil Bayerns in großer Not. Schon seit Anfang dieses Jahres gibt es sogenannte Restriktionszonen. Der Grund: Im benachbarten Baden-Württemberg wurden Fälle der Blauzungenkrankheit festgestellt. Seitdem gibt es Sperrgebiete mit einem Radius von 150 Kilometern, die weit nach Bayern hineinreichen. Mittlerweile sind fast 40 Landkreise und kreisfreie Städte betroffen.

Tiere dürfen Sperrgebiete nicht verlassen

Grundsätzlich gilt: Rinder dürfen die Sperrgebiete nicht verlassen, außer sie sind nachweislich nicht vom Blauzungen-Virus betroffen. Für Kälber galt bisher: Entweder musste das Muttertier geimpft sein oder die Kälber wurden nach einem Bluttest als seuchenfrei eingestuft. Dieser Bluttest wird seit dem 18. Mai nicht mehr anerkannt. Das heißt, nur noch Kälber von geimpften Müttern dürfen aus den Sperrgebieten verkauft werden.

Zu wenig Impfstoff vorrätig

Die Impfung gegen die Blauzungenkrankheit ist freiwillig. Nur sechs Prozent der Rinder in Bayern sind deshalb geimpft. Denn bisher sah kaum jemand darin eine Notwendigkeit. Jetzt aber wollen viele impfen, um ihre Tiere vermarkten zu können.

Doch ein schnelles Impfen der übrigen Tiere ist nicht möglich, da der Impfstoff kurzfristig nicht in ausreichender Menge zur Verfügung steht. Es wird einige Wochen dauern, bis die Hersteller liefern können. Und selbst dann dauert es noch Wochen, bis der Handel mit Kälbern wieder normal abgewickelt werden kann. Denn nur Kälber, deren Mütter mindestens sieben Wochen vor dem Abkalben zum ersten Mal und vier Wochen vor dem Abkalben zum zweiten Mal geimpft wurden, gelten als immunisiert.

Tierärzte sorgen sich ums Tierwohl

Aus der Restriktionszone, also den rund 40 kreisfreien Städten und Landkreisen, werden normalerweise circa 4.000 Kälber pro Woche verkauft: in andere bayerische Landkreise, nach Norddeutschland oder auch als Mastkälber nach Spanien und Italien. Jetzt gibt es einen Stau. Denn bis in der Restriktionszone sämtliche Kühe geimpft sind, werden in den kommenden Wochen und Monaten zehntausende Kälber ohne Impfschutz geboren. Wohin mit ihnen?

Die betroffenen Bauern, die ihre Tiere jetzt nicht mehr vermarkten können, haben für die Kälber weder ausreichend Platz im Stall noch ausreichend Futter. Tierärzte befürchten, dass unter diesen Umständen eine artgerechte Tierhaltung nicht mehr möglich sein wird und insofern die Impfpflicht das Tierwohl gefährdet.

Forderung aller Beteiligten: Bluttest anerkennen!

In einem gemeinsamen Schreiben an das Bundeslandwirtschaftsministerium und an die Bayerischen Ministerien für Umwelt, Landwirtschaft und Wirtschaft sowie an Ministerpräsident Markus Söder fordern die Bayerische Landestierärztekammer, der Bundesverband Praktizierender Tierärzte, der Bayerische Bauernverband, der Landesverband der Rinderzüchter und die Landesvereinigung für den ökologischen Landbau in Bayern die Rückkehr zur alten Seuchenschutzregelung: Dass die Kälber verkauft werden dürfen, wenn ein Bluttest ergibt, dass sie nicht mit der Blauzungenkrankheit infiziert sind.

Sendung

B5 Bayern

Von
  • Florian Kienast
  • Christine Schneider
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