Stromausfall oder Hochwasser: Der BR muss in Krisenlagen die Bevölkerung informieren und warnen. Das gehört zu seinem gesetzlichen Auftrag.

Stromausfall oder Hochwasser: Der BR muss in Krisenlagen die Bevölkerung informieren und warnen. Das gehört zu seinem gesetzlichen Auftrag.

Bildrechte: dpa-Bildfunk/Julian Stratenschulte
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    Blackout: So informiert der BR in Krisenfällen

    Blackout: So informiert der BR in Krisenfällen

    Immer wieder gibt es Nachrichtenlagen, bei denen Medien besonders schnell reagieren müssen. Ob Hochwasser, Stromausfall oder Corona. Der BR informiert auch in Katastrophenfällen und bei außergewöhnlichen Einsatzlagen die Bevölkerung in Bayern.

    Der Bayerische Rundfunk muss auch in Katastrophenfällen und außergewöhnlichen Einsatzlagen weitersenden. Das ist Teil seines gesetzlich festgelegten Grundversorgungsauftrages. Der BR ist entsprechend mit Notstromaggregaten ausgestattet, so dass der Sendebetrieb eine Woche lang aufrechterhalten werden kann.

    BR sendet in Krisenlagen rund um die Uhr

    Der BR berichtet über alle Ausspiel- und Verbreitungswege (Radio, Fernsehen, Online, App, Social Media) hinweg auch in Krisenfällen. Die Redaktion ist 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche besetzt und kann im besonderen Einsatzlagen auf das BR-Korrespondentennetz und die Regionalstudios in Bayern sowie Expertinnen und Experten der Fachredaktionen des BR zurückgreifen.

    Alle diese Verbreitungswege nutzte der BR beispielsweise beim Hochwasser in Berchtesgaden im Sommer vergangenen Jahres. Neben Sondersendungen in Radio und Fernsehen, der Verbreitung von Informationen über BR24 im Web und der App sowie Social Media, war auch das Team von BR24Live bis in die Nacht mit Schalten in die betroffenen Regionen aktiv und informierte in den Live-Streams über die neuesten Entwicklungen.

    Ernüchternde Erfahrungen mit Warn-Apps bei jüngsten Katastrophenfällen 

    Warn-Apps wie Nina (offizielle Notfall- und Nachrichten-App des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe), Katwarn und WarnWetter des Deutschen Wetterdienstes sollen und wollen die Bevölkerung in Katastrophenfällen rechtzeitig alarmieren. Voraussetzung dafür ist aber, dass Smartphone- und Tablet-User Netzempfang haben.

    Bei dem jüngsten Hochwasser im Westen Deutschlands fielen Mobilfunkstationen aus, weil sie beschädigt waren oder vom Strom abgeschaltet werden mussten, weil sie im Wasser standen. Auch bei terroristischen Einsatzlagen können die Netze im Auftrag der Behörden heruntergefahren werden, um die Kommunikation zwischen den Täter zu unterbinden.

    Dadurch sind die Möglichkeiten für Katastrophenwarnungen genau in den Situationen limitiert, wenn man Menschen mit Smartphones oder Handys dringend erreichen will, sagt Helwin Lesch, zuständig für die Programm-Verbreitung beim Bayerischen Rundfunk. Deswegen sei auch ein Push-Dienst über SMS, Cell-Broadcast oder Ähnliches nicht immer sinnvoll, "weil eben die Zelle dann nicht funktioniert, wenn der Mobilfunksender abgeschaltet ist." 

    Batteriebetriebenes Radio als krisensichere Alternative 

    Das Wichtigste ist grundsätzlich in Krisenlagen: Keine Panik. Ruhig bleiben. Die Hochwasserkatstrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen im vergangenen Jahr hat gezeigt: Die Großsendeanlagen des SWR und des WDR konnten ohne Unterbrechung senden. Mit anderen Worten: Radiohörer konnten von den Sendeanstalten über UKW und DAB+ noch gewarnt und informiert werden, als das Mobilfunknetz schon ausgefallen war. Zum Problem wurde es für Radiohörer dann, als sie zum Betrieb ihrer Geräte auf Strom angewiesen waren und die Versorgung gekappt war. Die Empfehlung von BR-Techniker Helwin Lesch lautet deshalb:  "Es sollte sich jeder noch einmal eindecken mit einem UKW-Radio, das batteriebetrieben ist oder einem DAB-Radio."

    Zukunft Digitalradio: Katastrophen-Alarmierung auch im Standby-Modus 

    Der DAB+Standard ermöglicht bei Radiogeräten eine sogenannte "Emergency Warning Functionality", die künftig zur Warnung der Bevölkerung genutzt werden könnte, erklärt Experte Helwin Lesch. Ist das Radio im stromsparenden Standby-Modus - zum Beispiel in der Nacht - kann das Gerät damit eingeschaltet und lebenswichtige Warnungen können verbreitet werden. "Das kann man sich so vorstellen wie beim Autoradio, wenn eine Geisterfahrermeldung kommt", so Helwin Lesch.

    Dank der Displays von DAB+Geräten können darüber auch detaillierte Textinformationen verbreitet werden, barrierefrei für Hörbehinderte und mehrsprachig für Menschen, die nicht Deutsch sprechen. Das vom Fraunhofer-Institut in Erlangen entwickelte System wurde vom BR erfolgreich getestet, ist aber bisher noch nicht eingeführt.

    Vision 5G Broadcast: BR kann direkt auf Endgeräte senden - ohne Mobilfunknetz 

    Der neue technische Rundfunkmodus "5G-Broadcast" wird in Zukunft einen direkten Live-Zugang zu allen Endgeräten ermöglichen, mobil zum Smartphone, ins Auto und stationär am TV-Gerät. Weil bei dieser neuen Technik nicht über das Mobilfunknetz gesendet wird, sondern über die Rundfunk-Sendeinfrastruktur, fallen für den Nutzer keine Kosten wie Daten-Roaming oder Ähnliches an. Auch eine SIM-Karte ist dafür nicht nötig.

    Neue Warntechnik: Noch nicht absehbar, wann im Einsatz

    Ein weiterer Vorteil: Die Sende- und damit Warn- und Informationsmöglichkeit besteht selbst dann noch, wenn im Katastrophenfall das Mobilfunknetz nicht mehr zur Verfügung steht. Die Rundfunk-Sendestationen sind durch Notstromaggregate im Betrieb gesichert und Smartphones haben Akkus. Sie sind also auch bei Stromausfall für geraume Zeit erreichbar. Ob die Vision 5G-Broadcast in naher Zukunft Realität wird, ist allerdings ungewiss: Bislang sträuben sich die Mobilfunknetzbetreiber. Sie wollen nicht, dass der Rundfunk abseits der normalen 5G-Struktur direkt auf Endgeräte zugreifen kann. 

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