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Blackout in Texas: Kann so etwas auch bei uns passieren? | BR24

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In weiten Teilen Texas haben die Menschen wieder elektrischen Strom. Für Hunderttausende der Kältegeplagten folgt aber die nächste Katastrophe: Das Trinkwasser wird knapp.

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Blackout in Texas: Kann so etwas auch bei uns passieren?

Im US-Bundesstaat Texas waren in dieser Woche einige Millionen Menschen zum Teil Tage lang ohne Strom. Der Grund: Ein ungewöhnlicher Kälteeinbruch. Aber auch für die deutsche Stromversorgung bedeuten kalte Winter einen Stresstest.

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Von
  • Lorenz Storch

Dass auch in Bayern der Strom unter Extrembedingungen einmal großflächig ausfallen könnte, schließen Experten nicht völlig aus. Trotzdem sind die Voraussetzungen hierzulande anders als in den USA.

Philipp Litz von der Denkfabrik Agora Energiewende analysiert die Situation in den USA so: "Der Hauptgrund für den Blackout war das extreme Winterwetter, das insbesondere den Gaspipelines und Gaskraftwerken erheblich zugesetzt hat. Rund ein Drittel aller texanischen Kraftwerke war deshalb zeitweise nicht verfügbar, so dass viele Verbraucher vorübergehend zwangsabgeschaltet werden mussten." Offenbar sind in Texas teilweise Pipelines, aber auch Bedienelemente und die Technik an Gasquellen eingefroren.

Gasleitungen in Deutschland tief genug vergraben

Auch Bayern und Deutschland setzen für die Stromversorgung im Winter künftig zunehmend auf Gaskraftwerke. "Die Gasversorgung ist bei uns sicher" versichert allerdings Marc-Boris Rode von der Bayernets GmbH, die Erdgas-Fernleitungen betreibt. Seit den 1960er Jahren habe es in Deutschland keine größere Unterbrechung der Versorgung gegeben.

Auch die Stadtwerke München versichern, die deutsche Erdgasinfrastruktur sei – anders als in Texas - auf sehr große Kälte ausgelegt. Die Leitungen liegen in einer Tiefe von 60 bis 150 Zentimetern unter der Erdoberfläche. Das in Deutschland gebräuchliche Erdgas enthält zudem kaum noch Wasser, das gefrieren könnte.

Autarke Stromversorgung heißt nicht unbedingt stabil

Als weiterer Grund für den Blackout in Texas wurden zu schwache Leitungsverbindungen zum Rest des Landes identifiziert. Texas bildet als einziger US-Bundesstaat eine eigene Netzregion - die nur schwach an die großen Netzwerke der US-Ost- und Westküste angebunden ist. "Der texanische Strommarkt setzt weitestgehend auf Autarkie", erläutert Philipp Litz von Agora Energiewende, deshalb konnten Kraftwerke aus anderen Regionen in der Mangelsituation kaum helfen. Europa sei besser vernetzt: "Im Zweifel können sich die europäischen Staaten schnell unter die Arme greifen, wenn es brenzlig wird. Das macht vieles einfacher."

Stromausfälle in den USA häufiger als in Deutschland

Generell gilt das US-Stromnetz im Vergleich zu Deutschland als unzuverlässig. Der Hauptgrund: In den USA sind die Stromleitungen fast durchweg oberirdisch verlegt, um Kosten zu sparen – und damit anfälliger für Stürme und andere Störungen.

Das deutsche Netz gilt im internationalen Vergleich dagegen als besonders zuverlässig. Stromausfälle sind in den USA etwa zehn Mal häufiger als hierzulande. Nach den letzten verfügbaren Zahlen fällt der Strom in Deutschland durchschnittlich zwölf Minuten jährlich aus – in den USA 110 Minuten (Quelle: VDE).

Doppelter Anschluss für jedes Ortsnetz

"Bei uns können kleinere Ausfälle schnell kompensiert werden", so Detlef Fischer vom Verband der bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft (VBEW). Das Leitungssystem sei auch auf lokaler Ebene redundant ausgelegt: Jeder Ortsnetz-Trafo verfügt in Deutschland über zwei Leitungsanschlüsse, die unabhängig voneinander funktionieren.

Einen hundertprozentigen Schutz vor Stromausfall bedeute das freilich nicht: auch ein engmaschiges Netz komme an seine Grenzen, wenn es beispielsweise Softwarefehler gebe, die großflächig das ganze System beträfen – deswegen seien Vorkehrungen zur Datensicherheit sehr wichtig.

2012 wurde Gas auch in Deutschland knapp

Andreas Jahn von der Beratungsorganisation Regulatory Assistance Project (RAP), die sich nach eigenen Angaben vor allem aus Stiftungs- und Regierungsgeldern finanziert, warnt Deutschland allerdings davor, sich zu sehr in Sicherheit zu wiegen. "Wenn wir Wetterereignisse haben, die nur alle 50 Jahre auftreten, wie jetzt in Texas, kann das auch hier passieren.“ In Texas kenne man eben kaum Frost und war deshalb auf die arktische Kälte dieser Woche nicht vorbereitet, so Jahn.

Er erinnert daran, dass auch in Deutschland 2012 das Erdgas für Kraftwerke in Baden-Württemberg kurzzeitig knapp wurde, weil Russland in einem besonders langen und kalten Winter seine Gaslieferungen gedrosselt hatte. Und: Sogar Kohle sei in der Vergangenheit schon eingefroren, sowohl in den USA, als auch in Deutschland. Und wenn es im Sommer heiß wird, mussten auch Atomkraftwerke teilweise die Leistung drosseln, weil das Kühlwasser aus den Flüssen zu warm war. "Es gibt einfach ein Restrisiko mit dem man leben muss – aber es ist in Deutschland überschaubar", so Jahn.

Mehr Versorgungssicherheit muss man sich leisten wollen

Zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen für das Stromnetz kosten zusätzliches Geld. In den USA etwa scheue man eben Kosten, und nehme dafür ein höheres Risiko in Kauf. "Das ist im Wesentlichen wie mit jeder Risikoversicherung. Grundsätzlich sind wir in Deutschland mit Blick auf Kraftwerke und Infrastruktur derzeit aber gut aufgestellt", sagt auch Philipp Litz von Agora Energiewende. Wenn die Veränderung des Klimas extreme Wetterereignisse künftig jedoch häufiger macht, sei zu prüfen, ob es auch zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen braucht.

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