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Black Lives Matter: Rassistischer Übergriff in Erlangen | BR24

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Nach einem rassistischen Übergriff in Erlangen ist ein 61-Jähriger unter anderem wegen versuchter sexueller Nötigung und Beleidigung zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt worden.

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Black Lives Matter: Rassistischer Übergriff in Erlangen

Nach dem Tod des US-Amerikaners George Floyd haben auch in Deutschland Tausende gegen Rassismus demonstriert. Auch bei uns werden Menschen anderer Hautfarbe Ziel rassistischer Übergriffe, wie das Beispiel einer 30-Jährigen aus Erlangen zeigt.

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Es ist 11 Uhr vormittags an einem Tag kurz vor Weihnachten 2019. Die 30-Jährige Lisa geht in einem Park in Erlangen mit ihrem Hund spazieren. An einer Treppe trifft sie auf Peter H. – sie kennt ihn. In den vergangenen zwei Jahren hat er sie bereits wegen ihrer Hautfarbe rassistisch beleidigt. "Du bist widerlich" und "geh zurück nach Afrika" warf er ihr in der Vergangenheit wiederholt an den Kopf, auch den Hitlergruß zeigte er, berichtet die 30-Jährige. Diesmal eskaliert die Situation. Peter H. bedrängt sie. Es kommt zu einem Handgemenge. Dabei fasst er ihr unter den Rock und zerreißt ihre Strumpfhose, schlägt und tritt sie.

Lisa: "Es war purer Hass"

Während des Übergriffs beschimpft er Lisa derb mit rassistischen Ausdrücken, die es nicht wert sind, wiederholt zu werden. "Es war purer Hass, den er in Worte und in Brutalität meinem Körper gegenüber gefasst hat", sagt die 30-Jährige. Bis heute hat sie den Angriff nicht überwunden.

Zu Haftstrafe verurteilt

Nach der Tat kommt Peter H. in Untersuchungshaft. Am Dienstag musste er sich vor dem Amtsgericht in Erlangen verantworten. Das Gericht verurteilt den 61-Jährigen unter anderem wegen versuchter sexueller Nötigung und Beleidigung zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zehn Monaten – ohne Bewährung. Peter H. zeigte keine Reue vor Gericht. Zudem sei zu befürchten, dass er die 30-Jährige erneut beleidigt und angeht, heißt es bei der Urteilsverkündung. Der 61-Jährige kann gegen das Urteil noch in Berufung gehen.

Lisa ist froh über das Urteil. Sie macht sich aber auch Sorgen über die Zeit, wenn Peter H. wieder auf freiem Fuß ist, denn sie wohnen nicht weit voneinander entfernt. "Auch während der Verhandlung habe ich seinen Hass weiter gespürt – ich denke nicht, dass er sich ändern wird", sagt Lisa.

Demo gegen Rassismus

Die 30-jährige Erlangerin spricht in der Öffentlichkeit über das, was sie erlebt hat. Sie will anderen Mut machen, rassistische Anfeindungen anzuzeigen und sich zur Wehr zu setzen. Zusammen mit ihrem Unterstützerkreis, dem Antifa-Café Erlangen, organisiert sie für kommenden Samstag eine Kundgebung in der Stadt, um auf ihren Fall und auf Rassismus in Deutschland aufmerksam zu machen.

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Wegen rassistischer Beleidigung und sexueller Nötigung hat das Amtsgericht Erlangen einen 61-Jährigen zu einer Haftstrafe verurteilt. Vor einem halben Jahr attackierte er eine 30-Jährige im Erlanger Skulpturengarten.

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