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Bildrechte: Barbara Leinfelder/BR

Am Weidezaun nahe der Cityfarm wird genau erklärt, warum Spaziergänger die Schafe nicht füttern sollen.

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    Bitte nicht füttern: Augsburger Tierhalter schlagen Alarm

    Weil Spaziergänger Obst und Brot über den Weidezaun werfen, werden Schafe schnell sterbenskrank. Eine Hobbyzüchterin aus dem Norden von Augsburg richtet deshalb einen dringenden Appell an alle Erholungssuchenden.

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    Von
    • Barbara Leinfelder

    Wenn Schafhalterin Ildiko Remenyi-Vogt den Kiesweg vor zur Weide ihrer kleinen Schafherde läuft, dann ist die Angst immer dabei - die Angst, ein sterbenskrankes Tier vorzufinden. Immer öfter nämlich kommt es vor, dass Spaziergänger Essensreste oder altes Brot über den Zaun werfen. Neulich erst musste die Hobbyzüchterin ihr Schaf Mirabella in die Tierklinik bringen. Das Tier hatte eine schwere Kolik, ausgelöst durch fremdes Futter. "Wenn ich das nicht rechtzeitig gesehen hätte, die hätte das nicht überlebt ohne Behandlung“, meint die Tierfreundin.

    Das Füttern kommt teuer – und verursacht oft unnötiges Leid

    250 Euro wird die Behandlung kosten, kein Pappenstiel, sagt Ildiko Remenyi-Vogt. Die Frau mit den hellroten Zopffrisur betreibt mit ihrem Mann Benny neben dem Job die Cityfarm, ein preisgekröntes Gartenprojekt im Norden von Augsburg, das sich für Artenvielfalt und Umweltbildung einsetzt. Beide hatten bislang viel Verständnis für die Leute aus der Stadt, die mit der Natur nicht mehr viel Berührungspunkte haben, haben auf Aufklärung und Umweltbildung gesetzt. Aber jetzt ist Ildiko mit ihrem Latein am Ende, wie sie sagt: "Normalerweise liegt mir daran, die Leute aufzuklären, aber durch die Masse Mensch kann ich nicht mehr nett bleiben.“

    Corona hat den Druck auf die Spaziergebiete verstärkt

    Denn seit Corona treibt es viel mehr Spaziergänger als früher hinaus ins Grüne, Tiere auf der Weide werden da quasi zum Ausflugsziel. Auch andere Höfe in der Umgebung würden unter "Futterfimmel" mancher Ausflügler leiden, erzählt Remenyi-Vogt. Es liege in der Natur des Menschen, Tiere füttern zu wollen. Trotzdem müsse klar, sein, dass all die Schafe, Kühe, Pferde und Alpakas auf den Weiden fremdes Eigentum seien – und am falschen Futter schnell eingehen können. Schafe etwa müssten - wie alle Wiederkäuer - sehr langsam an neues Futter gewöhnt werden.

    Einsicht? Leider oft Fehlanzeige

    Die liebevoll gestalteten Infoschilder und der Hinweis "Füttern verboten" an den Zäunen würden leider nur wenig helfen, sagt die Augsburgerin, auch gegen das zweite große Problem - frei laufende Hunde: "Viele Hundehalter wissen gar nicht, dass ein Schaf in Panik gerät, wenn ihr Hund um die Weide rennt. Oder es ist ihnen auch oft egal."

    Von Spaziergänger bespuckt

    Mit Corona habe da auch eine neue Art von Unbelehrbarkeit Einzug gehalten, meint Benny Vogt, und erzählt von seiner letzten Begegnung mit einem Gassigänger. Der habe sich empört, als Vogt den frei laufenden Hund des Mannes eingefangen habe, der in der Koppel die Schafe scheuchte. "Der Typ hat mich angespuckt, angepöbelt, ich habe ihm dann mit der Polizei gedroht, was soll ich machen", erzählt Vogt. Nur ein Fall von mehreren sei das gewesen.

    Die Cityfarmbetreiber hoffen deshalb auf die Einsicht der Spaziergänger. Sonst könnte es bald sein, dass viele Tierhalter die Weidehaltung ganz aufgeben müssten: "Denn wir leiden genauso unter Corona wie alle anderen."

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