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Bistum Würzburg widerspricht Vorwürfen um entlassenen Priester | BR24

© BR/ Jochen Wobser

Das Bistum Würzburg steht in der Kritik: Die Trennung eines wegen sexuellen Missbrauchs entlassenen Priesters soll nur halbherzig vollzogen worden sein. Das Bistum weist diese Vorwürfe zurück und entgegnet: Die Trennung sei "konsequent und klar".

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Bistum Würzburg widerspricht Vorwürfen um entlassenen Priester

Das Bistum Würzburg steht in der Kritik: Die Trennung eines wegen sexuellen Missbrauchs entlassenen Priesters soll nur halbherzig vollzogen worden sein. Das Bistum weist diese Vorwürfe zurück und entgegnet: Die Trennung sei "konsequent und klar".

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Das Bistum Würzburg widerspricht Vorwürfen, bei der Trennung von einem wegen sexuellen Missbrauchs entlassenen Priester nicht konsequent vorzugehen. Der Mann war zwei Jahre im Bistum Würzburg tätig und hatte dort 2002 einen elfjährigen Jungen sexuell missbraucht. In den Jahren 2017 und 2018 ging das Bistum Hinweisen auf weitere Missbrauchsfälle durch den 58-Jährigen nach.

Daraufhin hatte der Würzburger Bischof Franz Jung bei der Glaubenskongregation in Rom um die Entlassung des Mannes gebeten. Am 21. Januar 2020 wurde bekannt, dass Papst Franziskus im Dezember 2019 entschieden hat, den Mann aus dem Klerikerstand zu entlassen.

Vorwurf: Trennung nur halbherzig vollzogen

Nun wirft Johannes Heibel von der "Initiative gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen" dem Bistum vor, die Trennung nur halbherzig vollzogen zu haben. In einem Schreiben kritisiert Heibel beispielsweise, dass der 58-Jährige durch das Bistum "samt seiner Haushälterin weiter gut finanziell versorgt" werde. Dem widerspricht das Bistum.

Trennung laut Bistum "klar und konsequent"

Auf BR-Anfrage heißt es von der Pressestelle, dass die Versorgungsbezüge mit der Rechtswirksamkeit der Entlassung am 20. Januar 2020 eingestellt worden seien. Die Trennung sei "konsequent und klar". Das Bistum widerspricht damit auch der Vermutung von Johannes Heibel, es habe nach Bekanntwerden des Missbrauchs einen "Deal" zwischen Bistum und Täter geben – im Sinne von weiterer Unterstützung gegen Geständnis. "Für diese Vermutung gibt es keinerlei Anhaltspunkte", heißt es von der Pressestelle des Bistums.

Missbrauchsfall ausreichend aufgeklärt?

Uneins sind sich Bistum und Johannes Heibel weiterhin, wie intensiv die Aufklärung dieses Missbrauchsfalls von Seiten der Kirche vollzogen wurde. Während das Bistum auf umfangreiche Recherchen seitens der Kirche verweist, schreibt Heibel, dass das Bistum nach wie vor nicht willens sei, "eine ehrliche und transparente Aufklärung zu betreiben". Er selbst habe im Mai 2016 damit begonnen, den Fall ohne Unterstützung der zuständigen Diözesen aufzuarbeiten und den Missbrauch schließlich ans Licht gebracht. Hätten die kirchlichen Stellen früher mitgearbeitet, so Heibel, "wäre der Fall noch 2017 abgeschlossen worden".

Priester hat elfjährigen Jungen sexuell missbraucht

Der laut Weiheurkunde griechisch-katholisch geweihte Priester war von 2000 bis 2002 als Pfarradministrator im Bistum Würzburg tätig. Während dieser Tätigkeit hat er im Jahr 2002 einen elfjährigen Jungen sexuell missbraucht. Er wurde daraufhin vom Amtsgericht zu einer zehnmonatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Zudem untersagte die Glaubenskongregation 2002 einen Einsatz von ihm in der ordentlichen Seelsorge.

Hinweise auf sexuellen Missbrauch in den 1980er und 1990er Jahren

2017 erhielt das Bistum Würzburg einen neuen Hinweis auf einen sexuellen Missbrauch in den 1990er Jahren im Stift Klosterneuburg in Österreich. Diesen Missbrauch gestand er schließlich im Gespräch mit Generalvikar Thomas Keßler. Außerdem erfuhr das Bistum Würzburg 2018, dass der nun entlassene Priester im Ehrenamt Unterricht gegeben habe und es dabei zu Kontakt mit Minderjährigen gekommen sei. Schließlich kam Anfang 2019 ein weiterer Missbrauchsverdacht aus den 1980er Jahren gegen ihn auf.

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