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Bistum Regensburg zahlt bis zu 50.000 Euro für Missbrauchsopfer | BR24

© dpa/pa, Armin Weigel

Das Kloster Pielenhofen. Von 1981 bis 2013 war in dem Kloster die Domspatzen-Vorschule untergebracht.

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    Bistum Regensburg zahlt bis zu 50.000 Euro für Missbrauchsopfer

    Hunderte Betroffene sexuellen Missbrauchs und körperlicher Gewalt hat das Bistum Regensburg in den vergangenen Jahren entschädigt, allein fast 400 ehemalige Domspatzen. Die Diözese kündigt nun höhere Summen an, die auch rückwirkend gezahlt werden.

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    Das Bistum Regenburg stockt seine Zahlungen für die Opfer sexuellen Missbrauchs auf. Das hat die Diözese am Montagabend angekündigt.

    Hohe Entschädigungen bis zu 50.000 Euro

    Bis zu 50.000 Euro sollen Betroffene erhalten, die sexuell missbraucht wurden. Man wolle damit einen Beschluss der Bischofskonferenz vom Frühjahr umsetzen, der höhere Zahlungen vorsieht.

    Schon zuvor zahlte das Bistum Regensburg deutlich mehr als die von der Bischofskonferenz empfohlenen 5.000 Euro. So bekamen ehemalige Domspatzen bei erlittenem sexuellem Missbrauch bis zu 20.000 Euro. Einzigartig ist auch die systematische Zahlung an Gewaltopfer durch die Diözese. Sie können nun mit bis zu 12.500 Euro rechnen – statt bisher 5.000 Euro. Diese "Anerkennungsleistung" sei für Menschen gedacht, die als Minderjährige Opfer kirchlicher Mitarbeiter wurden, aber vor Gericht keine Chance mehr hätten, Schmerzensgeld oder Schadenersatz durchzusetzen - sei es, weil die Taten verjährt sind oder die Täter tot. Die Auszahlung, die auch Menschen erhielten, die schon Geld zugesprochen bekommen hätten, werde nicht mit einer neuerlichen Prüfung bereits anerkannter Beschuldigungen verbunden.

    Bischof hat sich für höhere Zahlungen eingesetzt

    Vertreter der Betroffenen bei den Domspatzen sagten dem BR, der Vorstoß sei von Bischof Rudolf Voderholzer ausgegangen. Dieser erklärte in einem dem BR vorliegenden Brief an die Opfer, er wisse, dass auch die höhere Anerkennungsleistung das erlittene Unrecht nicht wiedergutmache. Der Meinung ist auch Alexander Probst. Er ist selbst Betroffener des Domspatzenskandals und Mitglied des gemeinsamen Aufarbeitungsgremiums mit dem Bistum. Die jetzt noch einmal erhöhten Anerkennungsleistungen können für Betroffenen eine große Hilfe sein. Das durch Misshandlungen und Missbrauch ausgelöste Leid ziehe sich bei vielen durch das ganze Leben. Gerade in Zeiten wie diesen sei die Erhöhungen der Zahlungen deshalb zu begrüßen, sagt Probst.

    Anfang Juni hatte schon das Bistum Augsburg deutlich höhere Zahlungen angekündigt.

    Neue Leitlinien beschlossen

    Wie viel bisher im Bistum Regensburg im Durchschnitt an die einzelnen Opfer gezahlt wurde, ging aus der Mitteilung nicht hervor. In den Jahren 2010 bis 2019 hat das Bistum nach eigenen Angaben mehr als vier Millionen Euro für "Anerkennungsleistungen" bereitgestellt.

    Im März hatten die deutschen Bischöfe bei der Frühjahrsvollversammlung in Mainz neue Leitlinien für Zahlungen an Betroffene von sexuellem Missbrauch beschlossen. Ein zentrales unabhängiges Gremium soll künftig die Höhe der Zahlungen festlegen. Die Details der Umsetzung sollen bis Herbst feststehen.

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