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Bistum Regensburg sieht gemischten Religionsunterricht kritisch | BR24

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Für die Dauer der Corona-Pandemie ist an Bayerns Schulen seit Dienstag auch ein konfessionell gemischter Religionsunterricht möglich. Das hat das Kultusministerium in München mitgeteilt. Das Bistum Regensburg äußert Kritik.

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Bistum Regensburg sieht gemischten Religionsunterricht kritisch

Für die Dauer der Corona-Pandemie ist an Bayerns Schulen seit Dienstag auch ein konfessionell gemischter Religionsunterricht möglich. Das hat das Kultusministerium in München mitgeteilt. Das Bistum Regensburg sieht die Entscheidung kritisch.

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Die Möglichkeit, während der Corona-Pandemie an Bayerns Schulen Religion konfessionell gemischt zu unterrichten, sieht das Bistum Regensburg sehr kritisch. Der Pressesprecher des Bistums, Clemens Neck, sagte dem BR , man empfinde die Debatte um den gemischten Religionsunterricht als Corona-Instrumentalisierung und bedenklich.

Religionsfreiheit als Grundrecht

Religionsfreiheit sei ein Grundrecht, das man nicht mal eben aufgeben könne, mahnt der Sprecher des Bistums Regensburg auf BR-Anfrage. "Konfession heißt Bekenntnis und es gibt unterschiedliche Bekenntnisse", betont Neck. Wenn man die Konfessionen im Unterricht zusammen mische, gingen Alleinstellungsmerkmal und Traditionen verloren. Als Beispiel nennt Neck die Tradition der Heiligen im römisch-katholischen Glauben. "Bei einem konfessionsübergreifenden Religionsunterricht müsse man eine Soße anrichten, die doch in der Sache sehr unterschiedlich ist."

Corona werde instrumentalisiert

Aus Sicht des Bistums Regensburg wird Corona instrumentalisiert. Gelehrt werden solle die eigene Glaubensrichtung. Gerade zur Corona-Zeit sei es essentiell, dass die Menschen Verbindung zu ihrem Glauben schaffen.

Das Bistum Regensburg möchte dennoch die Regierung in der Corona-Pandemie so gut wie möglich unterstützen und appelliert, genau zu überlegen, in welchen Bereichen man jetzt flexibel sein müsse, so Neck weiter. Die Schüler würden sich auch in den Gängen oder in der Mittagsbetreuung klassenübergreifend über den Weg laufen, nicht nur im Religionsunterricht.

Vorbereitungen an Schulen laufen

Die Möglichkeit zu Corona-Zeit gemischten Religionsunterricht austragen zu können, stößt bei einigen Schulen in der Oberpfalz auf positive Resonanz, wie eine BR-Umfrage ergab. An der Realschule am Judenstein in Regensburg beispielsweise betont Direktor Alois Einhauser, wie notwendig diese Maßnahme sei. "Wir hoffen den einheitlichen Religionsunterricht möglichst schnell umsetzen zu können. Derzeit sitzen gerade im evangelischen Religionsunterricht viele Schüler aus unterschiedlichen Klassen zusammen, würde hier ein positiver Corona-Fall auftreten, hätte das sehr große Auswirkungen."

Elternbefragung nimmt Zeit in Anspruch

Weiterhin bedauert er, dass es keine "Widerspruchslösung" gibt und man die Eltern einzeln um Erlaubnis fragen muss. "Man verliert so viel Zeit. Die halbe Wirtschaft wird mit einem Fingerschnipps heruntergefahren und wir müssen jedes Elternteil einzeln befragen, ob ein gemeinschaftlicher Religionsunterricht in Ordnung ist. Wir versuchen möglichst schnell die Rückmeldung der Eltern zu bekommen, aber erfahrungsgemäß melden sich erstmal zehn Prozent nicht, denen man dann nochmal extra hinterhertelefoniert, das kostet Zeit."

Gegenpositionen des gemeinschaftlichen Religionsunterrichts kann der Realschulreaktor ebenfalls nicht nachvollziehen. Er findet man sollte in dieser Zeit Nachsicht zeigen und nicht auf einen separaten Religionsunterricht der Konfessionen beharren, gerade wenn es um die Gesundheit geht.

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