Zurück zur Startseite
Bayern
Zurück zur Startseite
Bayern

Bistum Regensburg: Millionen für Missbrauchs- und Gewalt-Opfer | BR24

© picture-alliance/dpa/CHROMORANGE/M. Weber

Missbrauch in der Kirche (Symbolbild)

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Bistum Regensburg: Millionen für Missbrauchs- und Gewalt-Opfer

Das Bistum Regensburg hat neue Zahlen im Missbrauchsskandal veröffentlicht. Demnach wurden über 4,3 Millionen Euro an Opfer sexueller und körperlicher Gewalt ausbezahlt, vor allem an ehemalige Regensburger Domspatzen.

Per Mail sharen

Letztmals hatte das Bistum zum Jahreswechsel Daten offen gelegt. Die aktualisierten Zahlen beziehen sich auf Opfer-Anträge aus dem Zeitraum von 2010 bis August 2018.

Alleine 3,2 Millionen für ehemalige Domspatzen

Demnach hat das Bistum in diesem Zeitraum bislang mehr als 4,3 Millionen Euro an anerkannte Opfer bezahlt. Der größte Teil der Anerkennungsleistungen wurde an ehemalige Regensburger Domspatzen ausgeschüttet. Personen, die in den Einrichtungen des weltbekannten Chors Opfer von sexueller und körperlicher Gewalt wurden, erhielten insgesamt über 3,2 Millionen Euro.

Großteil der Anträge bei den Domspatzen bezieht sich auf körperliche Gewalt

Im Bereich der Regensburger Domspatzen wurde von 2015 bis Januar 2018 über 365 Anträge entschieden. Der Großteil von 321 Anträgen bezieht sich auf körperliche Gewalt. 34 Personen reichten Anträge wegen sexueller und gegebenenfalls auch körperlicher Gewalt ein. Die Vorfälle bei den Regensburger Domspatzen wurden von einem unabhängigen Sonderermittler beleuchtet. Die Aufarbeitung dauert noch an. Derzeit sind noch Studien in Arbeit.

Missbrauchsopfer auch außerhalb des Kirchenchores

Unabhängig vom Tatkomplex Domspatzen stellten seit 2010 insgesamt 95 Personen Anträge auf Anerkennung als Opfer sexueller Gewalt. Von diesen Anträgen wurden 60 anerkannt. In anderen Fällen war das Bistum teils nicht zuständig. Entsprechende Anträge seien weitergeleitet worden, heißt es.

Beschuldigte sind zumeist Priester und Ordensangehörige

Die insgesamt 36 Beschuldigten seien zum größten Teil Priester und Ordensangehörige (72 Prozent), so das Bistum. Die restlichen 28 Prozent seien keine Kleriker. Die erste Meldung stammt aus dem Jahr 1950, die letzte aus dem Jahr 2016. Diese bezieht sich auf einen Betrüger, der sich als Priester ausgab. Der Schwerpunkt liegt in den Jahren 1970 bis 1979.

Körperliche Misshandlungen meist in den 1970er-Jahren

Anträge auf Anerkennung als Opfer massiver körperlicher Gewalt konnten ab Januar 2017 gestellt werden. Dem Dokument zufolge machten davon 107 Personen Gebrauch. 88 Anträge wurden anerkannt, 18 wurden an andere Stellen abgegeben. Ein Antrag steht noch aus. Die meisten Misshandlungen sind demnach in den 1970er Jahren erfolgt. Die letzte Meldung stammte aus dem Jahr 1986.

Überraschende Veröffentlichung

Die Veröffentlichung der Zahlen kam unerwartet. Sie wurde vorab nicht angekündigt. Ein Bistumssprecher sagte dem BR, die Zahlen seien im Vorfeld der Publikation einer Studie bereitgestellt worden, die für den 25. September angesetzt ist. Dann soll die sogenannte MHG-Studie auf der Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischöfe in Fulda präsentiert werden. Sie arbeitet den Gesamtkomplex von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche auf und fasst die bekannten Fälle zusammen.

Mehr zum Thema
  • Domspatzen: Missbrauch auch unter Schülern
Autor
  • Kilian Neuwert
Schlagwörter