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Das Bistum Augsburg hat sich nach einem Vortrag in Maria Vesperbild von relativerenden Aussagen zum Thema Missbrauch distanziert.
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Kilian Geiser
Beate Mangold
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Das Bistum Augsburg hat sich nach einem Vortrag in Maria Vesperbild von relativerenden Aussagen zum Thema Missbrauch distanziert.

Nach Medienberichten über Aussagen des Wallfahrtsdirektors von Maria Vesperbild zu Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche hat sich das Bistum Augsburg von relativierenden Formulierungen und dem Vorwurf einer Medienkampagne distanziert. Das Thema Missbrauch eigne sich nicht für kirchenpolitische Richtungskämpfe. Bischof Konrad Zdarsa habe unmissverständlich klargemacht, dass das erste Augenmerk den Opfern gelte, teilte das Bistum in einer Stellungnahme mit. Die Kirche dürfe durch Äußerungen und Spekulationen den Betroffenen keine neuen Wunden zufügen.

Zeitung zitiert aus Vortrag am Wallfahrtsort Maria Vesperbild

Der Wallfahrtsdirektor von Maria Vesperbild im Landkreis Günzburg, Erwin Reichart, soll bei einem Vortrag in der vergangenen Woche der Priesterausbildung an Universitäten die Schuld an Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche gegeben haben. Die Augsburger Allgemeine zitierte aus seinem Vortrag: "An Universitäten gibt es Professoren, bei denen es nicht so genau zugeht, etwa beim sechsten Gebot. So kommt es dann zum Missbrauch."

Wallfahrtsdirektor soll Medienkampagne beim Thema Missbrauch beklagt haben

Wie die Zeitung weiter berichtete, habe Reichart auch die Berichterstattung über Missbrauchsfälle kritisiert. "Es ist eine Kampagne gegen die Kirche, wenn man immer wieder darüber schreibt", gab ihn die Augsburger Allgemeine wieder. "Wenn man schlecht über einen Pfarrer redet, könnten dadurch Menschen vom Glauben abfallen. Man muss also solche Verbrechen nicht in der Presse kundtun", soll der Wallfahrtsdirektor von Maria Vesperbild in einer Diskussion im Anschluss an seinen Vortrag gesagt haben.

Reichart bezeichnet Verweltlichung als "eine Hauptursache der Missbrauchsskandale"

Auch in einem Artikel für die katholische Sonntagszeitung äußerte sich Reichart zum Thema Missbrauch. Er beklagt darin die zunehmende Verweltlichung der Kirche. Die sei "eine Hauptursache der Missbrauchsskandale". Zum Missbrauch, so Reicharts These, sei nur fähig, wer "das nicht als schwere Sünde ansieht und glaubt, dass es keine Hölle gibt." Man habe den Eindruck, schreibt Reichart weiter, dass manche in der Kirche inzwischen die Medien mehr fürchteten als Gott.

Bistum Augsburg verspricht transparenten Umgang mit Thema Missbrauch

Das Bistum Augsburg erklärte nach einer Anfrage des Bayerischen Rundfunks zu Reicharts Aussagen in Maria Vesperbild, in einer differenzierten Berichterstattung über Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche sehe es keine Medienkampagne. Das Bistum Augsburg werde weiterhin konsequent und transparent mit dem Thema des sexuellen Missbrauchs umgehen. Dies gelte in erster Linie für eine enge Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft. Aber auch die Einbeziehung der Öffentlichkeit könne für die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen immer wieder hilfreich und sinnvoll sein.