Zurück zur Startseite
Bayern
Zurück zur Startseite
Bayern

Bissinger Kuchen-Verbot: Kindergarten und Gemeinde suchen Lösung | BR24

© BR/Tobias Chmura

Kein Kuchen mehr zum Geburtstag - diese Regelung gilt neuerdings im Kindergarten von Bissingen. Eltern dürfen dort aus Hygienegründen keine Speisen mehr für alle Kinder mitbringen. Viele reagierten empört. Ein Gespräch soll nun die Wogen glätten.

45
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Bissinger Kuchen-Verbot: Kindergarten und Gemeinde suchen Lösung

Kein Kuchen mehr zum Geburtstag - diese Regelung gilt neuerdings in einem Bissinger Kindergarten. Eltern dürfen dort aus Hygienegründen keine Speisen mehr für alle Kinder mitbringen. Viele reagierten empört. Ein Gespräch soll nun die Wogen glätten.

45
Per Mail sharen
Teilen

Die Leitung des Kindergartens im schwäbischen Bissingen hat ein Verbot erlassen, das für Aufregung sorgt: Eltern dürfen keinen Geburtstagskuchen oder andere Speisen mehr für die ganze Kindergartengruppe mitbringen. Grund: Einige wenige Eltern hatten sich Sorgen über mögliche Hygienemängel gemacht, wenn Mütter und Väter zuhause backen.

Kuchen-Verbot: Eltern sammeln Unterschriften

Andere Eltern sind empört über das Verbot. Jochen Konrad zum Beispiel. Seine Tochter Lena musste ihren dritten Geburtstag in der vergangenen Woche ohne Kuchen feiern. "Das kann doch nicht sein, dass man einem Kind verbietet, seine Freunde mit selbst gebackenen Sachen zu beschenken!", findet der Vater. Gemeinsam mit anderen Eltern hat er angefangen, Unterschriften gegen das Verbot zu sammeln. Er hofft darauf, dass Lena dann wenigstens nächstes Jahr mit Kuchen feiern kann.

Hygienefrage: "Luxusproblem"?

Kritische Reaktionen auch in den sozialen Medien: Von einem Luxusproblem und übertriebener Hygiene sprechen viele Nutzer. Andere berichten, dass es bei ihnen auch schon ein Kuchen-Verbot gebe.

Stephan Herreiner, zweiter Bürgermeister der Marktgemeinde Bissingen erklärt auf BR-Anfrage, wie es zu der Entscheidung gekommen ist: Zum einen habe man die Aussagen des zuständigen Gesundheitsamts Dillingen so verstanden, dass die Kita die Haftung für mitgebrachte Speisen übernehmen müsse. "Das können wir einfach nicht", so Herreiner.

Zum anderen wolle man vermeiden, dass Kinder von Geburtstagsfeiern ausgeschlossen werden müssen, weil sie bestimmte Dinge nicht essen dürfen. Herreiner zufolge geht es dabei nicht nur um Allergien oder strikt vegetarische Familien, sondern auch den Wunsch von Eltern, ihr Kind möge ausschließlich "Bio" essen. "Wir haben eine sehr heterogene Gesellschaft", sagt der Kommunalpolitiker.

Kuchen als Gesundheitsrisiko

Herreiner stellt aber eine Lösung in Aussicht: "Ich bin überzeugt, dass man die ganze Entscheidung nochmal überdenken sollte." Dem will auch Uta-Maria Kastner vom Gesundheitsamt Dillingen nicht im Weg stehen.

Die Behörde könne die Ausgabe von mitgebrachten Speisen überhaupt nicht verbieten, so Kastner. Sie verweist auf den Leitfaden für ehrenamtliche Helfer: Darin wird erklärt, warum nicht durchgebackene Kuchen, Eierspeisen und auch Kuchen mit Sahne in eine Kita nicht mitgebracht werden sollten. "Butterbrezen oder Muffins sind für uns aber kein Problem", sagt Kastner. Die Aufregung erklärt sich das Gesundheitsamt mit einer kritischeren Sicht einzelner Eltern: "Alle werden immer vorsichtiger."

Einen Zusammenhang zwischen mitgebrachten Speisen und etwa Durchfallerkrankungen bei Kindern habe man bisher in keinem einzigen Fall nachweisen können. Deshalb gelte nach wie vor: Jede Einrichtung entscheidet allein über die Regeln, welche Speisen die Eltern mitbringen dürfen.

Hoffen auf Lösung im Kuchenstreit

Am Nachmittag soll die Angelegenheit in Bissingen geklärt werden: Dann findet ein Gespräch zwischen dem zweiten Bürgermeister der Gemeinde mit Eltern und Vertretern des Kindergartens statt.