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Bildrechte: Andreas Arnold/ dpa/ picture alliance

Beginn der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda.

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Bischofskonferenz: Gläubige erwarten Reformen – Bischöfe uneins

Auch wenn die Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz coronabedingt kürzer ist, werden die Probleme der katholischen Kirche nicht weniger. Vor allem Jugendliche und Frauen warten auf Reformen.

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Von
  • Julia Mumelter

Sie haben weniger Zeit als sonst, aber dennoch eine lange Agenda: Ab heute treffen sich die katholischen Bischöfe aus ganz Deutschland zu ihrer Herbstvollversammlung in Fulda – coronabedingt dieses Mal nur drei statt vier Tage. Die Probleme und Herausforderungen der katholischen Kirche sind aber nicht weniger geworden: Im vergangen Jahr haben so viele Gläubige wie nie die Kirche verlassen. Die katholische Kirche muss darauf reagieren, viele Gläubige verlangen Reformen.

Treffen der Bischöfe spielt für Jugendliche keine Rolle

Konstantin Bischoff packt Kisten für ein Wochenende am Schliersee. Zusammen mit rund 20 Jugendlichen wird der 35-jährige Pastoralreferent aus der Pfarrei St. Clemens in München-Neuhausen dort die Jugendarbeit der nächsten Monate planen. Ganz konkret geht es um das Krippenspiel, Jugendfreizeiten und die Frage, wie Gemeinschaft in der Jugendarbeit trotz Corona gelingen kann.

Dass die katholischen Bischöfe zu ihrer traditionellen Herbstvollversammlung in Fulda zusammenkommen, spielt für die Jugendlichen keine große Rolle. "Ganz ehrlich: Jugendliche haben keine Ahnung, dass Bischofskonferenz ist und das ist ihnen auch vollkommen wurscht", sagt Pastoralreferent Konstantin Bischoff. Einen Bischof sehen die meisten Jugendlichen, wenn sie gefirmt werden, dann oft nie wieder.

Katholische Kirche ist für Jugendliche oft weit weg

Dabei sei es nicht so, dass sich Jugendliche keine Gedanken über Glaubensfragen machen würden. Nur erscheine ihnen vieles in der katholischen Kirche weit weg, meint der Pastoralreferent. "Vieles, was Kirche sagt, wird von Jugendlichen nicht mehr ernst genommen", sagt Konstantin Bischoff. Als Beispiel nennt er die Sexualmoral und das Frauenbild in der Kirche.

Beim Jugendwochenende mit dabei ist auch Katharina Hilsenbeck. Die 24-Jährige hat katholische Theologie studiert und möchte Pastoralassistentin werden. Sie müsse sich oft dafür rechtfertigen, als junge Frau für die katholische Kirche arbeiten zu wollen. Was sie halte, sei die Botschaft des Glaubens und nicht die Institution Kirche, so Hilsenbeck. Gerade bei der Frage der Gleichberechtigung von Mann und Frau in der katholischen Kirche sollte sich ihrer Meinung nach dringend etwas ändern.

"Ich glaube, dass die Kirche an diesem Stand wo sie jetzt ist, ihre Leute immer mehr verlieren wird und wenn sich da jetzt nichts ändert, wenn die Kirche jetzt nicht die Augen aufmacht und einen Schritt macht, dann geht's dem Ende zu." Katharina Hilsenbeck, angehende Pastoralassistentin.

Georg Bätzing offen für Reformprozess

Georg Bätzing, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, weiß, dass gerade Jugendliche und Frauen sich oft nicht mehr mit den Strukturen der Kirche identifizieren können. Die steigende Zahl der Kirchenaustritte stimme ihn nachdenklich. Er hoffe, die Bischofskonferenz zeige sich jetzt offen für den Reformprozess in der katholischen Kirche, den so genannten Synodalen Weg. Die Zeit dränge, sagt er im Interview mit dem Deutschlandfunk.

"Ich vergleiche das manchmal mit der Frage des Klimawandels. Wenn man Zeiten verpasst, um bestimmte Entscheidungen zu treffen, hat das zum Teil verheerende Auswirkungen. Das macht für mich den Synodalen Weg und seine Fragen hoch relevant. Wir müssen diese Chance, die wir jetzt haben, gemeinsam angehen." Georg Bätzing, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz.

"Das Schlimmste wäre, wenn sie jetzt stehen bleibt."

Doch aktuell sind sich die deutschen Bischöfe beim Thema Reformen noch uneinig. Katharina Hilsenbeck hat dafür wenig Verständnis. Die festgefahrenen Strukturen würden viel verhindern. Sie wünscht sich, dass die Bischöfe keine Angst vor Veränderung haben. "Mit der Kirche geht’s immer weiter bergab - ich finde, dass man etwas ändern muss. Die Kirche muss sich weiterentwickeln. Das Schlimmste wäre, wenn sie jetzt stehen bleibt."

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