Zurück zur Startseite
Bayern
Zurück zur Startseite
Bayern

Bischof plädiert für Ablösung von Staatsleistungen an Kirchen | BR24

© BR

Staatsleistungen ablösen, Kirchensteuer beibehalten: Dafür hat sich der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick ausgesprochen. Würde die Kirchensteuer abgeschafft, müsste der Staat alle von den Kirchen für die Gesellschaft geleisteten Aufgaben übernehmen.

Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Bischof plädiert für Ablösung von Staatsleistungen an Kirchen

Staatsleistungen ablösen, Kirchensteuer beibehalten: Dafür hat sich der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick ausgesprochen. Würde die Kirchensteuer abgeschafft, müsste der Staat alle von den Kirchen für die Gesellschaft geleisteten Aufgaben übernehmen.

Per Mail sharen
Teilen

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick hat sich für eine weitere schrittweise Ablösung der sogenannten Staatsleistungen an die Kirchen ausgesprochen. Das sei im Konkreten "nicht immer einfach", aber bereits vielfach geschehen, so der katholische Geistliche in einer schriftlichen Stellungnahme zur jüngst aufgekommenen Debatte über Kirchenfinanzierung, die dem BR vorliegt.

Staatsleistungen infolge von Enteignung während der Säkularisation

Infolge der Enteignung von Kirchengütern während der Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts verpflichtete sich der Staat zur Besoldung höherer Geistlicher und zum Unterhalt kirchlicher Gebäude. Sowohl Kirchenvertreter als auch Stimmen aus Politik und Gesellschaft sprechen sich regelmäßig für eine Ablöse dieser Staatsleistungen aus. In Bayern wurden in den vergangenen Jahren durch komplexe Verhandlungen zwischen Staat und Kirche Entflechtungen vorgenommen, vor allem im Bereich von Bauleistungen. Das Aufkommen für die Gehälter höherer katholischer Geistlicher wurde pauschaliert, Zahlungen für Pensionen wurden verringert.

Bei der Kirchensteuer plädiert Schick für den Status quo. Zugleich erinnert er daran, dass ihre Einführung im 19. Jahrhundert vom Staat "den Kirchen empfohlen, ermöglicht und sogar aufgedrängt" worden sei. Das deutsche System sei zwar weltweit einmalig, habe sich aber bewährt und helfe beiden Seiten. Die Kirchen könnten ihre Aufgaben mit einem einigermaßen gesicherten Einkommen finanzieren und als ein Akteur in der pluralen Gesellschaft zum Gemeinwohl beitragen. Kirchenrechtlich entspreche die Kirchensteuer einem Mitgliedsbeitrag, wie er auch in Vereinen üblich und normal sei.

Kirchensteuer wichtig für soziale Aufgaben der Kirchen

Schick appellierte an die Kirchen in Deutschland, die Debatte um ein Ende der Kirchensteuer nicht selbst voranzutreiben. Falls Staat und Gesellschaft dies wünschten, könnten sie aber durchaus "ohne Angst und falsche Anhänglichkeiten mittun". Allerdings müsste dann der Staat alle von den Kirchen für die Gesellschaft geleisteten Aufgaben im sozialen und karitativen Bereich, im Gesundheits- und Bildungswesen übernehmen. Die Kirchen würden ihrerseits Aufgaben in Verkündigung, Gottesdienst und Seelsorge anders finanzieren. "Dafür gibt es Möglichkeiten und Modelle", so der Erzbischof.