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Symbolbild: Corona-Test Labor

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    Biotech-Unternehmen Formycon: Neues Corona-Medikament aus Bayern

    Das deutsche Biopharma-Unternehmen Formycon hat mit seinem Medikament gegen Covid-19 einen Forschungserfolg errungen. Nun strebt es eine rasche Zulassung für den Notfall an.

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    Von
    • Angela Göpfert
    • tagesschau.de

    Angesichts der jüngsten Impfstoff-Euphorie konnte man fast den Eindruck gewinnen, dass die Suche nach Medikamenten zur Behandlung von bereits an Covid-19 schwer erkrankten Menschen auf der Prioriätenliste von Forschern und Politikern eher weiter unten rangierte.

    Dabei sind wirksame Mittel gegen Covid-19 derzeit nötiger denn je. Das zeigt schon ein Blick auf die täglichen Todesstatistiken. Erst am Mittwoch hatte das Robert Koch-Institut für Deutschland mit 590 Toten einen Höchstwert gemeldet. Bislang starben allein in Deutschland mehr als 20.000 Menschen an oder mit dem Virus.

    Umso beruhigender, dass offenbar - jenseits der starken medialen Präsenz der Impfstoffforschung - auch die Medikamentenforschung im Hintergrund weiter auf Hochtouren läuft.

    So funktioniert das Formycon-Medikament

    Am Mittwochabend überraschte das in Planegg-Martinsried bei München ansässige Biopharma-Unternehmen Formycon mit der Nachricht, ein vom Unternehmen entwickelter SARS-CoV-2-Blocker mit dem Namen FYB207 könne die Infektion von Zellen vollständig verhindern.

    SARS-CoV-2 und andere Coronaviren nutzen den Rezeptor ACE2 auf der Oberfläche menschlicher Zellen als Haupteintrittspforte. Genau an dieser Stelle setzt Formycons ACE2-Antikörper-Fusionsprotein an, das sich effektiv an SARS-Coronaviren bindet.

    Eine Behandlungsoption für schwer Erkrankte

    "Dadurch haben auch Patienten, die schwer an Covid-19 erkrankt und hospitalisiert sind, eine Behandlungsmöglichkeit", betont Formycon-Chef Carsten Brockmeyer im Gespräch mit tagesschau.de. "Bislang gibt es für diese Patienten kein ausreichend wirksames Arzneimittel."

    Analyst Damien Choplain von Kepler Cheuvreux spricht von "guten Neuigkeiten". Einen solchen "exzellenten Schutz" durch den Wirkstoff auch gegen Mutationen gebe es aktuell bei Impfstoffen und anderen therapeutischen Antikörpern in der Entwicklung nicht.

    Das ist der Unterschied zu bekannten Mitteln

    Tatsächlich haben sich antivirale Mittel wie Remdesivir, in das anfangs große Hoffnungen gesetzt wurden, als weitgehend wirkungslos erwiesen. Antikörper-Cocktails, wie sie die amerikanischen Firmen Regeneron und Eli Lilly im Repertoire haben, sind nur für Patienten im Anfangsstadium zugelassen, die noch nicht schwer erkrankt sind.

    Hinzu kommt: Die Antikörper richten sich gegen ganz bestimmte Regionen auf der Oberfläche des SARS-CoV-2-Virus. "Da reicht schon eine kleine Mutation aus, damit diese Antikörper wirkungslos werden", so Brockmeyer.

    "Wir hingegen blockieren die Eintrittspforte, die das Virus nutzt, um in die Zellen einzudringen. Das bietet einen maximalen Schutz vor Mutationen. So beugen wir auch künftigen Coronavirus-Epidemien vor", betont der Formycon-CEO gegenüber tagesschau.de.

    Angst vor Mutationen begründet?

    Tatsächlich beunruhigt die Vorstellung, SARS-CoV-2 könne durch Mutationen resistent werden gegen Impfstoffe und Medikamente, Wissenschaftler weltweit. Erst vor kurzem berichtete das dänische Serum-Institut, dass sich in Nerzen neue Varianten gebildet hätten, die auch Menschen infiziert haben.

    Zwar gehen Forscher davon aus, dass mRNA-Impfstoffe wie der des deutschen Herstellers BioNTech im Falle von Mutationen recht schnell anpassbar wären, weil sie auf einem Bausteinprinzip beruhen.

    "Aber man muss auch sagen: Jede Änderung, die man an so einem Impfstoff macht, muss natürlich klinisch auch wieder nachstudiert werden. Da vergeht doch wieder relativ viel Zeit", betonte Virologe Christian Drosten erst im November im NDR-Podcast Coronavirus-Update.

    Formycon will "rasche Zulassung für den Notfall"

    Umso erfreulicher, dass Formycon mit seinem Covid-19-Medikament nun eine "rasche Zulassung für den Notfall" anstrebt. Die Formulierung "rasch" ist allerdings relativ zu sehen.

    Erste Gespräche mit der Europäischen Arzneimittelagentur EMA und der amerikanischen Zulassungsbehörde FDA sollen "zeitnah im ersten Quartal" stattfinden, erklärt Formycon-CEO Brockmeyer. Man hoffe auf eine Notfallzulassung Anfang 2022.

    Kommt das Mittel zu spät?

    Zu glauben, dann werde ein solches Medikament doch gar nicht mehr gebraucht, wäre allerdings ein äußerst voreiliger Rückschluss. Schließlich wird es Jahre dauern, bis eine Impfrate von weltweit 50 bis 60 Prozent der Gesamtbevölkerung überhaupt nur in den Bereich des Möglichen rückt.

    "Selbst in zehn Jahren wird es noch eine signifikante Anzahl von Menschen geben, die nicht gegen Covid-19 geimpft sind oder die trotz Impfung schwer an Covid-19 erkranken", betont Brockmeyer. Für diese Menschen gebe es bislang keine Behandlungsoptionen. "Wenn es uns aber gelingt, die Rate der schweren Erkrankungen zu reduzieren, würde das Virus viel von seiner Bedrohlichkeit verlieren."

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