Noch fährt der Intercity Oberstdorf-Immenstadt mit Diesel. Das soll sich bald ändern.

Noch fährt der Intercity Oberstdorf-Immenstadt mit Diesel. Das soll sich bald ändern.

Bildrechte: BR / Rupert Waldmüller
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    Biosprit statt Elektroloks – Bahn rechtfertigt "Übergangslösung"

    Biosprit statt Elektroloks – Bahn rechtfertigt "Übergangslösung"

    Der Fernverkehr auf der Strecke Oberstdorf-Immenstadt soll bis 2025 auf Biosprit umgestellt werden. Vor allem die Deutsche Umwelthilfe äußerte heftige Kritik und forderte eine schnelle Elektrifizierung. Die Bahn verteidigt jetzt ihre Entscheidung.

    Die Bahnstrecke Oberstdorf-Immenstadt im Oberallgäu gehört zu den letzten Fernverkehrsstrecken der Bahn, auf denen es keine Oberleitungen für elektrische Züge gibt. Fernverkehrszüge brauchen hier also eine Diesellok. Daran wird sich in den nächsten Jahren nichts ändern, auch wenn die Deutsche Umwelthilfe und der Fahrgastverband Pro Bahn eine Elektrifizierung der Strecke für sinnvoll und machbar halten.

    Bahn verteidigt Biokraftstoffe für weniger befahrene Nebenstrecken

    Vor allem von der Deutschen Umwelthilfe kam heftige Kritik, auch wegen der fehlenden Abgasreinigung an Zügen der Deutschen Bahn. Die Bahn verteidigt die Pläne: "Nicht alle Strecken sind elektrifiziert – und werden es auch in Zukunft nicht sein", teilte eine Bahnsprecherin mit. Wirtschaftlich sei eine Elektrifizierung kaum machbar, wenn auf weniger befahrenen Nebenstrecken "Täler, Brücken oder Tunnel die Kosten der Elektrifizierung in die Höhe schnellen lassen". Alternative Kraftstoffe seien da die "ideale Übergangslösung", heißt es von der Bahn.

    Biokraftstoff ohne Konkurrenz zum Nahrungsmittelanbau

    Das Unternehmen verspricht, ausschließlich Biokraftstoff aus biologischen Rest- und Abfallstoffen zu verwenden. So soll eine Konkurrenz des Biokraftstoffs zum Anbau von Nahrungsmitteln vermieden werden – ein oft kritisierter Nachteil von herkömmlichen Biokraftstoffen.

    Die Bahn hat nach eigenen Angaben strenge Beschaffungskriterien, von denen sie nicht abweichen wolle. Die Deutsche Umwelthilfe befürchtet, dass die Bahn genau das tun könnte, wenn die Biokraftstoffe aus Rest- und Abfallstoffen wegen steigender Nachfrage und der eng begrenzten Verfügbarkeit gegenüber herkömmlichen Biokraftsoffen deutlich im Preis steigen.

    Die Bahn setzt auf den umgekehrten Effekt: Der deutsche Markt sei noch im Aufbau. In Zukunft könnten "mehr Mengen zu einem geringeren Preis verfügbar sein", teilte die Bahnsprecherin mit.

    Bahn will vorhandene Dieselloks weiterbetreiben

    Einen weiteren Vorteil sieht die Bahn darin, dass die vorhandenen Dieselloks mit Biokraftstoff betankt werden können, ohne dass die Loks dafür umgerüstet werden müssten. "Das ist nachhaltig und ressourcenschonend", heißt es.

    Auch Erfurt-Gera und Sylt mit Biokraftstoff

    Eine weitere Bahnstrecke, die im Fernverkehr bis 2025 auf Biokraftstoff umgestellt werden soll, ist die zwischen Erfurt und Gera. Jüngst gestartet ist die Biokraftbetankung beim "Sylt Shuttle". Allein auf der Strecke nach Sylt will die Bahn durch Biokraftstoffe jährlich 7.500 Tonnen CO2 einsparen.

    Nur Teile des deutschen Bahnnetzes elektrifiziert

    Nimmt man Nah- und Fernverkehr zusammen, sind in Deutschland nach Angaben der Bahn 61 Prozent der Strecken elektrifiziert. In Bayern sind es nach Angaben des Verkehrsministeriums 50 Prozent. 760 Kilometer elektrifizierte Strecke sollen laut Bahn bis zum Jahr 2030 hinzukommen.

    Noch sind etwa 3.000 Dieselfahrzeuge im Einsatz, im Regional- und Fernverkehr, aber auch im Güterverkehr und als Arbeitsfahrzeuge. Andere europäische Länder haben die Elektrifizierung ihrer Bahnstrecken stärker vorangetrieben. Die Schweizer Bahnen etwa haben ihr Streckennetz bis zum Jahr 2004 komplett elektrifiziert.

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