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Biomilch ist gefragt - aber nicht immer aus der Region | BR24

© BR/Johanna Schlüter

Bio-Milch wird in ein Glas geschenkt.

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    Biomilch ist gefragt - aber nicht immer aus der Region

    Jahrelang haben die Molkereien gebremst, jetzt nehmen sie wieder neue Öko-Landwirte als Lieferanten auf, wenn auch nur einige wenige. Denn die Nachfrage nach Biomilch steigt. Trotzdem stehen im Supermarkt auch viele Biomilchprodukte aus dem Ausland.

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    Von
    • Christine Schneider

    Nicht nur, aber auch wegen Corona kaufen die Verbraucher mehr regionale und Bioerzeugnisse. Das gilt auch für Milchprodukte, die Molkereien machen gute Geschäfte. Allerdings: während nach wie vor bayerische Bauern, die von konventionell auf Öko-Landwirtschaft umsteigen wollen, zum Teil abgewiesen werden, verarbeiten bayerische Molkereien rund 20 Prozent Biomilch aus dem Ausland oder aus anderen Bundesländern.

    Corona-Effekt am deutschen Milchmarkt

    Die Molkereien in Deutschland hätten im März 2020 rund 22 Prozent mehr Biotrinkmilch produziert als im Jahr zuvor, berichtet Rüdiger Brügmann von der Koordinationsstelle Bio-Milch beim Anbauverband Bioland. "Die Konsumenten hatten in den Supermärkten die Wahl und konnten zu Bioprodukten greifen. In Kantinen oder Restaurants können sie diese Entscheidung nicht treffen." Die Nachfragesteigerung hält aufgrund des Corona-Effekts an. Weil Biomilch vorwiegend im Lebensmitteleinzelhandel verkauft wird, ist die Branche von den Gastronomieschließungen kaum betroffen.

    Molkereien kaufen auch im Ausland ein

    Bayern ist in Deutschland nach wie vor das Milchland Nummer Eins. Der Selbstversorgungsgrad liegt bei 175 Prozent. Allerdings beziehen die Molkereien ihren Rohstoff nicht nur von bayerischen Bauern, egal ob konventionell erzeugt oder Bio. Verarbeitet wird auch Rohmilch aus Baden-Württemberg, Hessen, Thüringen, Sachsen, Österreich, Tschechien oder Polen. "Die Molkerei Goldsteig in Cham verarbeitet jährlich 150 Millionen Kilogramm Milch aus dem nahen Böhmen und die Molkerei Berchtesgadener Land in Piding kauft auch in Österreich ein", sagt Hans-Jürgen Seufferlein vom Verband der Bayerischen Milcherzeuger.

    Unterschiedliche Preise

    Auch bei Biomilch ist Bayern ein Importland: vor allem aus Österreich, Dänemark und Frankreich. Nach Schätzung des Milcherzeugerverbands kaufen die bayerischen Molkereien rund 20 Prozent ihrer Biorohmilch im Ausland ein. Kein Wunder, meint Hans-Jürgen Seufferlein: "Die bayerischen Bauern bekommen für die Biomilch aktuell um die 49 Cent netto, die Österreicher zum Beispiel zahlen nur 44 Cent aus."

    Bei Privatmolkereien wird deshalb zum Teil bei den Auszahlungspreisen differenziert, d.h. die Bauern aus Österreich bekommen weniger. Bei der Genossenschaftsmolkerei Berchtesgadener Land in Piding aber nicht. Dort heißt es: "Zwischen Deutschland und Österreich wird beim Milchpreis kein Unterschied gemacht."

    Biomilch im Supermarktregal

    Milch, die in einer bayerischen Molkerei verarbeitet wird, egal wo sie herkommt, wird mit der Herkunft "BY" gekennzeichnet und steht dann als bayerisches Milchprodukt im Regal des Lebensmitteleinzelhandels (LEH). Dort steht allerdings auch viel Biomilch mit der Herkunft "AT" - geliefert von österreichischen Molkereien. Hans Jürgen Seufferlein vom Verband der Bayerischen Milcherzeuger: "Man findet in Südbayern bei Penny, Rewe oder Edeka keine Biomilch der LEH-Eigenmarken aus Deutschland und Bayern. Die kommt aus Salzburg, aus Gmunden oder von der Berglandmilch, 'made in Austria'. Es hat sich in den letzten Jahren aber etwas gebessert: Aldi hat jetzt in Bayern keine Biobutter mehr von Arla aus Dänemark im Regal."

    Nur begrenzte Chancen für Neueinsteiger

    Das waren die durchschnittlichen Milchauszahlungspreise der bayerischen Molkereien an die Bauern im November 2020: Für den Liter konventionell erzeugte Milch 34,5 Cent netto, für Biomilch 49,2 Cent.

    Weil Biomilch also gut bezahlt wird und sich der Mehraufwand für Bio-Futter, einen Auslauf und mehr Platz im Stall für die Landwirte zu lohnen scheint, wollten viele Bauern in den letzten Jahren auf Öko umsteigen, aber die Molkereien bremsten und bremsen zum Teil immer noch.

    Einige Landwirte, die ihren Betrieb voreilig ohne Absprache bzw. Vertrag mit der Molkerei umstellten, müssen deshalb ihre Biomilch weiterhin als konventionelle Milch zum niedrigeren Preis verkaufen.

    Seit fast 50 Jahren Biomilch aus dem Berchtesgadener Land

    Bereits seit 1973 verarbeitet die Genossenschaftsmolkerei Berchtesgadener Land in Piding Milch von Biobauernhöfen. Mittlerweile sind von den insgesamt rund 1.700 Mitgliedslandwirten ein Drittel Ökobauern. Der Großteil der Bio-Betriebe liegt in Oberbayern zwischen Watzmann und Zugspitze, knapp 100 Betriebe sind in Österreich. In Piding wird zweierlei Biomilch erfasst: von 454 Naturland-Betrieben und von 101 Demeter-Betrieben.

    Biobauern auf der Warteliste

    Die Anzahl der Naturland-Betriebe ist im letzten Jahr gleich geblieben; da einige Betriebe aufgehört haben, wurde die entsprechende Anzahl wieder aufgenommen. Momentan stehen aber über 50 Landwirte, die von konventionell auf Öko umstellen wollen, auf der Warteliste.

    Für 2021 werden voraussichtlich nur vereinzelt Naturland-Betriebe neu aufgenommen. Die Molkerei in Piding ist für Landwirte attraktiv, denn sie zahlt überdurchschnittliche Preise: für Naturlandmilch derzeit 51 Cent pro Liter.

    Gesucht: Demeter-Milch

    Für Demeter-Betriebe gibt es keine Warteliste, im Gegenteil: Demeter-Milch sucht die Pidinger Molkerei aktiv. 2020 wurden 20 Landwirte neu erfasst und man sucht weiter.

    Der Auszahlungspreis für Demeter-Milch ist attraktiv, derzeit 53 Cent pro Liter, aber auch die Anforderungen sind hoch, denn Demeter ist der Bioverband mit den höchsten Auflagen. Vorgeschrieben sind Weidehaltung, Grünfütterung im Sommer und Winterfütterung mit Heu, die Verwendung von sogenannten Präparaten wie zum Beispiel Bergkristallpulver zur Pflanzenstärkung und Demeter-Kühe müssen ihre Hörner behalten.

    Gesucht: "Besondere" Biomilch

    Auch die Molkerei Allgäu Milch Käse in Kimratshofen verarbeitet immer mehr Biomilch. Waren es 2010 noch 6 Prozent der Gesamtmilchmenge, stieg die Menge 2020 auf 32 Prozent.

    Derzeit gibt es keine Warteliste für neue Biolieferanten. Besonders gesucht werden Bio-Heumilch-Lieferanten. Für Heumilch dürfen die Kühe nicht mit Silage gefüttert werden. Ein Trend, den viele in der Branche bestätigen: vor allem „besondere“ Biomilch lässt sich gut verkaufen. Neben Heumilch ist das auch Milch von Bauernhöfen mit sogenannter kuhgebundener Kälberhaltung. Dort dürfen die Kälber einige Wochen bei der Mutter bleiben und am Euter trinken.

    Molkereien sind „vorsichtig optimistisch“

    Beim Dachverband der bayerischen Molkereien milch.bayern sieht man zum Thema Biomilch optimistisch in die Zukunft, mahnt aber zur Vorsicht, denn der Biomarkt sei schnell übersättigt und dann würden die Preise sinken. 21 Molkereien in Bayern verarbeiten Biomilch und sind laut Sprecherin Susanne Glasmann bereit, wieder mehr Biomilch aufzunehmen. Man müsse aber genau beobachten, wie lange der Corona-Effekt anhalte: "Wenn die Pandemie bekämpft ist, geben die Verbraucher ihr Geld vielleicht wieder mehr für Reisen und andere Dinge aus statt für hochwertige Lebensmittel."

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