BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR
Bildrechte: BR/ Ralph Wege

Im nördlichen Steigerwald ist eine Seuche ausgebrochen, die vor allem Feuersalamander bedroht. Der Hautpilz ist wohl von Asien nach Europa eingeschleppt worden.

2
Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Biologen erforschen tödliche Seuche bei Feuersalamandern

Im nördlichen Steigerwald in Unterfranken ist eine neuartige Seuche aufgetreten: Ein Hautpilz befällt Feuersalamander und tötet die Tiere. Nun erforschen Biologen, wie stark sich die Seuche im Steigerwald schon ausgebreitet hat.

2
Per Mail sharen
Von
  • Ralph Wege

Jürgen Thein und Josline Griese machen sich für ihre Feuersalamandersuche im Steigerwald bereit. Es ist 19 Uhr. Die beiden Biologen haben ihr Fahrzeug auf einem Waldweg abgestellt und desinfizieren ihre Stiefel mit einem Drucksprühgerät. Der Alkohol soll Pilzsporen unschädlich machen. So wollen die Biologen verhindern, einen für Feuersalamander tödlichen Hautpilz im Wald zu verbreiten. "Ich war schon sehr erschrocken, als ich erfahren habe, dass der Hautpilz hier im Steigerwald aufgetreten ist", sagt Thein und macht sich mit seiner Kollegin auf den Weg. Sie laufen an einem schmalen Bach entlang. Sie wollen feststellen, wie stark sich die tödliche Seuche unter den Feuersalamandern schon ausgebreitet hat. Das bayerische Landesamt für Umwelt hat sie beauftragt.

Die tödliche Seuche wird durch Sporen übertragen

"Feuersalamander sucht man am besten, wenn's einen nicht unbedingt aus dem Haus zieht", erklärt Thein, der mit seiner Taschenlampe am Bach entlangleuchtet. "Es soll schön feucht sein, am besten regnen." Außerdem sollte die Temperatur rund zehn Grad betragen. Feuersalamander sind vor allem nachtaktiv. Tagsüber verstecken sie sich beispielsweise in Erdlöchern und unter Totholz. Meistens kommen sie ab der Dämmerung aus ihren Verstecken, um beispielsweise Insekten und Würmer zu fressen. Bei der Futtersuche können sie sich mit dem Hautpilz infizieren, wenn sie die mikroskopisch kleinen Sporen vom Waldboden auf ihre Haut bekommen. Außerdem können sich die Tiere gegenseitig anstecken.

Seuche vermutlich aus Asien eingeschleppt

Der Hautpilz stamme höchstwahrscheinlich aus Asien und sei vermutlich über den internationalen Tierhandel mit Amphibien von Asien nach Europa gekommen, sagt Josline Griese. "Die Seuche tauchte zunächst in den Niederlanden auf, dann in Belgien", meint die Biologin. Schließlich wurde der Hautpilz vermutlich über die Eifel und das Ruhrgebiet nach Bayern in den Steigerwald eingeschleppt. "Es können Wanderer gewesen sein, die an ihren Wanderschuhen mit Sporen verseuchten Dreck mitgebracht haben, den sie dann im Steigerwald verloren haben", fügt Jürgen Thein hinzu. Auch andere Amphibien wie Molche können sich mit der Seuche infizieren. Für den Menschen ist der Hautpilz harmlos.

© BR/ Ralph Wege
Bildrechte: BR/ Ralph Wege

Der Hautabstrich wird an der Unterseite des Feuersalamanders gemacht

Hautabstrich vom Feuersalamander

Nach über zwei Stunden Suche haben die beiden Biologen endlich Erfolg. Sie entdecken einen Feuersalamander im Bach. Es ist ein Weibchen, circa 13 Zentimeter lang und typisch gelb-schwarz gefleckt. Thein fasst das Tier mit Schutzhandschuhen an, um keine Krankheitserreger auf das Weibchen zu übertragen. Griese macht mit einem Wattestäbchen einen Hautabstrich. Die Probe soll später ein Labor untersuchen. Anschließend setzen sie den Feuersalamander in den Bach zurück. Es ist der einzige Feuersalamander, den sie an diesem Abend finden.

Labor untersucht Hautabstriche und tote Amphibie

Insgesamt 61 Feuersalamander-Hautabstriche hat Thein in den vergangenen Wochen im Steigerwald sammeln können. Außerdem hatte er auch noch einen traurigen Fund: Anfang Mai hat ihm ein Förster aus dem Steigerwald einen toten Feuersalamander zugesendet. Diesen hat Thein tiefgefroren aufbewahrt. Nun schickt er ihn mit den 61 Proben zusammen an ein Labor der Uni Trier. Dort sollen die Hautabstriche und der tote Feuersalamander auf die Seuche hin untersucht werden.

Nur ein Feuersalamander war mit Hautpilz infiziert

Drei Tage später erhält Thein die Laborergebnisse per Mail. Der tiefgefrorene Feuersalamander hatte keinen Hautpilz und ist vermutlich an einer natürlichen Todesursache gestorben. Von den 61 Hautproben der Feuersalamander hatte nur ein Tier die Pilzinfektion. "Das Ergebnis erleichtert mich sehr", sagt Thein. "Wir können aber nicht sicher sein, dass in den nächsten Jahren nicht doch noch ein Massensterben bei Feuersalamandern im Steigerwald auftreten wird." Darüber hinaus befürchtet Thein, dass sich der Hautpilz in ganz Bayern ausbreiten wird. Der Biologe hofft aber, dass einige Feuersalamander Resistenzen gegen den Hautpilz entwickeln.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!