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Biogas-Bauern im Ries fürchten um ihre Zukunft

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Biogas-Bauern im Ries fürchten um ihre Zukunft

Die Besitzer älterer Biogas-Anlagen fürchten, dass sie bald dichtmachen müssen – und das obwohl ihre Anlagen eigentlich noch gut in Schuss sind und Strom produzieren könnten. Der Grund: Für Strom aus Biogas gibt es bald deutlich weniger Geld.

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Um sieben Uhr in der Früh fährt Ralf Engel in Deiningen seinen Häcksler aufs Maisfeld - zum Start der Ernte. Vielleicht die letzte für die Biogas-Anlage des Landwirts. Denn die Anlage fällt Ende nächsten Jahres aus der Einspeisevergütung.

Wie bei Strom aus Wind oder Solar gibt es auch bei Biogas garantierte Festpreise für die ersten 20 Jahre. Bei Ralf Engel sind es 22 Cent pro Kilowattstunde. Will er weitermachen, muss er sich an einer Ausschreibung beteiligen. Da ist der Preis gedeckelt, auf gut 16 Cent.

"Mein Herzblut steckt da drin"

"Ich würde sehr gerne weitermachen, weil mein ganzes Herzblut steckt ja drin", sagt Ralf Engel. "Sonst hätten wir ja nicht schon 2000 angefangen, diese Anlage zu bauen, aber leider ist für die kleinen Anlagen der Preis, der jetzt ausgegeben wird, nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben und das tut mir richtig weh!"

Anderen Landwirten in der Gegend geht es ähnlich. Der Landkreis Donau-Ries ist bekannt für seine vielen Biogas-Anlagen. 97 Stück sind es. In den nächsten Jahren fallen immer mehr aus der 20-jährigen Förderung.

Eine ungewisse Zukunft

Die Zukunft ist dann oft ungewiss, sagt Hannes Geitner vom Landwirtschaftsamt in Nördlingen: "Man muss damit rechnen, dass Anlagen zumachen. Wenn ich da entsprechende Investitionen tätigen muss, bei dieser Vergütung von 16 Cent, da ist keine Wirtschaftlichkeit mehr gegeben."

Laut seinen Berechnungen haben die Biogas-Anlagen im Ries schon allein Produktionskosten im Schnitt von 18 Cent pro Kilowattstunde. Die Bundesregierung will zwar noch dieses Jahr eine Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes auf den Weg bringen. Ein Entwurf, der dem BR vorliegt, sieht aber keine Erhöhung der gut 16 Cent Einspeisevergütung vor.

Landwirt mit Nebenjob?

Sollte Biogas-Bauer Ralf Engel seine Anlage zusperren müssen, fürchtet er, dass er sich einen Nebenjob suchen muss. Die 1.000 Mastschweine im Stall und der Ackerbau reichten als Familieneinkommen heutzutage nicht mehr.

Chancen liegen für manche Bauern eventuell im verstärkten Einsatz von Gülle in der Biogas-Anlage – denn die fällt in den Ställen ja sowieso an. Oder beim flexiblen Einspeisen ins Stromnetz, immer dann, wenn der Preis an der Börse hoch ist. Doch dafür müssen die Anlagen umgerüstet werden. Die Investitionen sind ein erneutes Risiko.

Noch kommen elf Prozent des bayerischen Stroms aus Biogas. Der Wert könnte in den nächsten Jahren deutlich sinken – trotz Energiewende.

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