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Biogas-Bauern fürchten um ihre Zukunft

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Biogas-Bauern fürchten um ihre Zukunft

Strom aus Biogas könnte für viele Bauern bald nicht mehr rentabel sein. Denn 20 Jahre nach dem Start des Erneuerbare-Energien-Gesetzes laufen die hohen Garantiepreise nach und nach aus. Biogas-Bauern warnen vor einem Dämpfer für die Energiewende.

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Viele Bauern, die eine Biogasanlage betreiben, bekommen für ihren Strom bisher rund 22 Cent pro Kilowattstunde. Künftig sind es noch maximal 16 Cent. Das sei nicht mehr rentabel, beklagen die Landwirte. Je nachdem, wann eine Anlage ans Netz ging, laufen die bisher hohen Garantiepreise ab diesem Jahr aus. Auch noch gut funktionierende Anlagen könnten gezwungen sein, dicht zu machen.

Fachverband Biogas hofft auf Gesetzesnovelle

Der Fachverband Biogas fordert deshalb, die neuen Einspeisevergütungen um zehn Prozent anzuheben und setzt auf Verbesserungen in einer Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes: "Wenn diese positiven Veränderungen nicht kommen, dann besteht eine reale Gefahr, dass die Bestandsanlagen aufhören, zu produzieren. Da müssen wir dran arbeiten, dass in den Gesetzesvorhaben, die jetzt in dem nächsten halben Jahr auf den Weg gebracht werden, es positive Veränderungen für uns geben wird. Und wenn wir da nicht drin stehen, dann bedeutet das im Umkehrschluss für die Branche: Ja, dann ist es zu spät. Die Politik sagt uns dann, sie wollen uns nicht und dann haben wir es verstanden und dann hören die Anlagen auch auf", so Horst Seide, der Präsident des Fachverbands Biogas.

Das zuständige Bundeswirtschaftsministerium erklärte auf Anfrage: Die Novelle des EEG werde noch dieses Jahr kommen. Ob es zu Verbesserungen für die Biogas-Bauern kommt, bleibt aber unklar. Das Ministerium will sich zu Details der Novelle bislang nicht äußern.

Bayern ist das Land der Biogas-Bauern - noch

Beim Fachverband Biogas heißt es: Im schlimmsten Fall sei in 15 Jahren Schluss mit Strom aus Biogas. Der macht zurzeit elf Prozent der Stromerzeugung in Bayern aus. Fast jede vierte Biogasanlage in Deutschland steht in Bayern. 2.500 Biogas-Bauern könnten ein wichtiges Standbein verlieren.

Besonders viele Biogasanlagen stehen im Landkreis Donau-Ries: aktuell 97 Stück. Eine davon betreibt Mathias Geiger aus Dornstadt. Der Landwirt sagt, er wünscht sich von der Politik flexible Lösungen für bestehenden Anlagen wie seine. Denn die sei noch gut in Schuss.

"Wir haben eine gut funktionierende Anlage mit kurzen Transportwegen, also kurze Wege für das Substrat, kurze Wege für die Gülle, kurze Wege für die Heizleitung. Es würde noch sehr gut funktionieren!" Mathias Geiger, Landwirt

Viel Gülle und Biomüll bleibt ungenutzt

Landwirt Geiger füllt seine Anlage unter anderem mit dem Mist aus seinem Bullenmaststall. Darin sehen auch Naturschutzverbände und das Umweltbundesamt eigentlich noch ungenutztes Potenzial der Technologie. In Deutschland wird erst rund ein Viertel der Gülle in Biogasanlagen vergoren – ein Reststoff, der sowieso vorhanden ist. Auch gibt es jedes Jahr mehrere Millionen Tonnen Biomüll aus den Haushalten, die noch ungenutzt bleiben.

Mit anderer Technik könnten Biogasanlagen flexibel Strom liefern

Werden die Biogasanlagen außerdem technisch umgerüstet, unter anderem mit größeren Gasspeichern, können sie flexibel Strom produzieren. Damit kann Biogas-Strom als Puffer dienen, wenn die Nachfrage groß ist. Bei Strom aus Wind und Sonne ist das bislang noch nicht möglich.

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