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Immer häufiger werden Ackerböden zum Spekulationsobjekt - das Nachsehen haben die Landwirte.

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    Bioboden: Eine Genossenschaft kämpft gegen Bodenspekulanten

    Die Bodenpreise steigen und mit ihnen die Pachten. Viele Landwirte können da nicht mithalten. Immer mehr Konzerne oder Geldanleger investieren in Boden. Die Genossenschaft "Bioboden" hat es sich zum Ziel gemacht, Böden für Öko-Betriebe zu sichern.

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    Von
    • Kirsten Zesewitz

    Es sind nur drei Hektar Weideland zwischen Hof und Pferdekoppel, aber diese drei Hektar waren entscheidend für die Zukunft ihres Betriebs: Die Bio-Landwirte Anja Baumert und Roman Hölzl wollten eine Hengstaufzucht aufbauen, mit viel Platz für die Tiere. Die Weide hinter dem Hof war ideal, aber sie hatten nicht das Geld, sie zu kaufen. Der Eigentümer aber wollte verkaufen, an wen auch immer.

    Bioboden verpachtet Land an Bio-Bauern

    So oder so ähnlich geht jeden Tag wertvoller Boden in Deutschland für den Bio-Landbau verloren, weil Landwirte die Pacht- oder Kaufpreise nicht stemmen können. Hier kommt "Bioboden" ins Spiel: Die Genossenschaft kauft landwirtschaftliche Flächen und verpachtet sie an Bio-Landwirte.

    Jeder kann Mitglied werden und sein Geld anlegen. Seit ihrer Gründung 2015 hat die Genossenschaft so 44 Millionen Euro Kapital aufgebaut und rund 4.000 Hektar Boden für den Biolandbau gesichert. Die meisten Flächen liegen in Ostdeutschland. Der Betrieb von Anja Baumert und Roman Hölzl in Preppach in der Oberpfalz im Landkreis Neustadt an der Waldnaab ist bisher der einzige Bioboden-Pächter in Bayern.

    Langfristige Pachtverträge zu realistischen Preisen

    In Deutschland ist die Pacht immer noch das gängige Modell. Die meisten Landwirte wollten das Land gar nicht besitzen, sagt Roman Hölzl. Sie wollten es bewirtschaften, langfristig und zu einem realistischen Pachtpreis. Bioboden verpachtet seine Flächen für 30 Jahre – auch das ist nicht selbstverständlich, meist laufen solche Verträge nur für fünf bis neun Jahre.

    Die Genossenschaft möchte einen hochwertigen Ökolandbau in Deutschland fördern. Bioboden-Pächter müssen deshalb Mitglied in einem Bio-Verband sein, der niedrigere Standard "EU-Bio" genügt nicht. Roman Hölzl und Anja Baumert sind beim Demeter-Verband.

    Pachtvertrag: Verhandlung mit Landwirten auf Augenhöhe

    Für die beiden Landwirte liefen die Verhandlungen mit Bioboden ganz einfach ab: Sie mussten die Unterlagen vom Grundbuchamt einreichen, mit Luftbild und Flurnummer. Alles andere ging übers Telefon. Kein Betriebsbesuch, keine aufwendigen Formalitäten. Wichtig für Bioboden ist, dass die Landwirte von sich auf die Genossenschaft zugehen. Bioboden möchte nicht aktiv als Wettbewerber am Bodenmarkt auftreten und so die Preise weiter in die Höhe treiben.

    Genossenschaftsmitglied setzt auf "emotionale Rendite"

    Öko-Flächen sichern und sie so den Bodenspekulanten entziehen, diese Idee gefiel Udo Eppinger. Der Bankangestellte aus Frauenstetten im Landkreis Dillingen ist Genossenschaftsmitglied. 25.000 Euro hat er einbezahlt. Eine finanzielle Ausschüttung gab es bisher für die 5.600 Genossen nicht. Udo Eppinger sieht es als langfristige Geldanlage, mit einer "emotionalen Rendite", wie er sagt. "Das ist das wunderbare Gefühl, mit dem eigenen Geld Bioboden, Ackerflächen dauerhaft der biologischen Landwirtschaft zur Verfügung zu stellen!"

    Genossen wollen wertvollen Boden für die Zukunft sichern

    Pächter wie Anja Baumert und Roman Hölzl geht es aber nicht nur um die Förderung des Ökolandbaus, sie wollen wertvollen biologisch bewirtschafteten Boden für die Zukunft sichern. Die Landwirte bewirtschaften 120 Hektar Ackerland, ihre Kulturen – Hafer, Gerste, Roggen und Dinkel – vermarkten sie selbst. "Für mich ist die Bewahrung des Bodens nicht nur eines der Ziele, sondern es ist das Ziel schlechthin", sagt Anja Baumert, "weil nur ein gesunder Boden kann auch von künftigen Generationen weiter bewirtschaftet werden."

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