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Biobauern verärgert über Kürzung bei KULAP-Förderung | BR24

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Viele Biobauern sind verärgert über die Kürzung bei KULAP-Fördergeldern

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    Biobauern verärgert über Kürzung bei KULAP-Förderung

    Es war ein Schock für viele Biobauern: Anfang des Jahres wurde ihre Förderprämie aus dem Kulturlandschaftsprogramm (KULAP) gekürzt. Dabei will der Freistaat eigentlich mehr Bio in Bayern. 30 Prozent bis 2030 ist das Staatsziel. Das könnte scheitern.

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    Wenn Landwirte in Bayern nachhaltig und umweltschonend arbeiten und deswegen wirtschaftliche Einbußen hinnehmen müssen, können sie Ausgleichszahlungen bekommen - über das Kulturlandschaftsprogramm (KULAP). Das gibt es seit 1988 und ist für die meisten Biobauern eine wichtige finanzielle Unterstützung.

    Zum einen erhalten sie eine Grundprämie für die ökologische Bewirtschaftung. Für zusätzliche Umweltmaßnahmen wie den Anbau von unterschiedlichen, blühenden Kulturen auf den Feldern - wie Lupinen, Klee oder Luzerne - gab es für die Biolandwirte bisher noch extra Geld. Aber damit war dieses Jahr Schluss: Die Förderprämie aus dem KULAP wurde gekürzt.

    Bitter für die Biobauern…

    Das traf auch Toni Wollschläger. Auf gut 100 Hektar baut er in Langenpreising bei Moosburg unterschiedliche Getreidearten, Kartoffeln und Kleegras an. Es ist eine vielfältige Fruchtfolge. Außerdem mästet er Ochsen auf der Weide und hält 100 Freilandhühner.

    Für den Biobetrieb bekommt er jährlich 273 Euro Grundprämie pro Hektar aus dem Kulturlandschaftsprogramm. Aber für seine vielfältige Fruchtfolge erhielt er bislang zusätzlich 70 Euro pro Hektar. Die fehlen ihm jetzt - unterm Strich jährlich rund 7.000 Euro.

    ...gut für die konventionellen Landwirte

    Konventionell wirtschaftende Landwirte profitieren dagegen von dem neuen KULAP-Programm. Sie bekommen Fördermittel, wenn sie zusätzlich zu Kulturen wie Gerste, Mais und Weizen auch noch blühende Pflanzen wie beispielsweise Lupinen oder auch Raps anbauen.

    Ob aber mit Raps ein Beitrag zu mehr Artenschutz und -vielfalt geleistet wird, ist die Frage. Raps blüht zwar schön, wird aber besonders häufig gespritzt - auch mit Insektiziden.

    Kaniber: "Zusätzliches Beisteuern nach EU-Recht nicht zulässig"

    Biobauern fürchten außerdem, sie könnten durch die Kürzung auch ein Nachsehen haben, wenn sie Flächen pachten wollen. Biobauer Toni Wollschläger übt deshalb heftige Kritik: Durch die Verschiebung der KULAP-Begünstigung könnten die konventionellen Kollegen nun höhere Pachtpreise zahlen.

    Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber rechtfertigt die Streichung für Biolandwirte. Biobetriebe seien von Haus aus angehalten, durch eine fünfgliedrige Fruchtfolge Abwechslung und Vielfalt auf ihren Feldern zu schaffen, sagt sie. Das werde nach wie vor entlohnt. Ein zusätzliches Beisteuern von Fördermitteln, so Kaniber, sei nach EU-Recht nicht zulässig.

    Biobauern fordern Nachbesserung beim KULAP

    Der Vorsitzende der Landesvereinigung für Ökologischen Landbau in Bayern, Hubert Heigl, hält dieses Argument für nicht stichhaltig. Im Fall der bisherigen KULAP-Förderungen für Biolandwirte mit vielfältiger Fruchtfolgegestaltung gehen ihm zufolge die Auflagen über die Vorgaben des Ökolandbaus hinaus.

    Hubert Heigl drängt deshalb auf Nachbesserungen beim Kulturlandschaftsprogramm. Andernfalls werde sich die Bereitschaft von konventionellen Bauern verringern, auf Bio umzustellen. Vereinzelt gibt es sogar Landwirte, die jetzt von der biologischen wieder zur konventionellen Bewirtschaftung zurückkehren.

    30 Prozent Bio – das Staatsziel könnte verfehlt werden

    Der Vorsitzende der Landesvereinigung für Ökologischen Landbau in Bayern warnt: Würden keine besseren Anreize für Biolandwirte gesetzt, werde Bayern bis 2030 nur schwerlich von derzeit rund elf Prozent auf 30 Prozent Ökolandbau kommen. Nach dem erfolgreichen Artenschutz-Volksbegehren ist aber genau diese Steigerung erklärtes Ziel der Staatsregierung.

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