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800 Stunden Handarbeit: Bio-Zuckerrüben aus Bayern | BR24

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Viel Handarbeit: Bio-Zuckerrüben aus Bayern

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800 Stunden Handarbeit: Bio-Zuckerrüben aus Bayern

Wer in Nordschwaben unterwegs ist, der sieht in diesen Wochen immer öfter Saisonarbeiter die Unkraut jäten – per Hand. In der Landwirtschaft war diese schwere Arbeit schon so gut wie ausgestorben – bis die Bio-Zuckerrübe kam.

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Ziemlich verloren sehen Landwirt Jochen Andreae und seine fünf Saisonarbeiterinnen auf dem großen Feld im nordschwäbischen Münster aus. Weit und breit kein Traktor oder eine große Maschine – in der Hand halten sie nur eine Hacke. Die Aufgabe: Unkraut jäten auf dem fast 80.000 Quadratmeter großen Feld.

Kenne den Unterschied

"Da steht ne Rübe, da fehlen dann Rüben aus welchem Grund auch immer. Da steht ein Knöterich, Hier steht eine Rübe, umzingelt von Knöterich. Da lasse ich dann lieber mal einen Knöterich stehen, bevor ich da eine Rübe raushacke, wenn da sowieso schon Rüben fehlen…Also hier ist natürlich schon die Schwierigkeit für das menschliche Auge, den Unterschied zwischen einer unerwünschten Pflanze nenne ich es jetzt mal, eines Unkrauts und hier einer Rübe zu erkennen", erklärt Jochen Andreae.

800 Stunden Handarbeit

Jochen Andreae kann nicht immer beim Unkrauthacken dabei sein. Aber er will Erfahrungen sammeln, denn es ist sein erstes Jahr als Bio-Bauer. Koventionell arbeitende Bauern haben es leichter: Sie spritzen Unkrautvernichtungsmittel auf die Rüben und das Unkraut ist erstmal weg. Das ist im Ökolandbau natürlich nicht erlaubt. Stattdessen rechnet man 100 Stunden Handarbeit pro Hektar. Macht für dieses Feld also 800 Stunden.

"Lohnt nur, wenn es teuer ist"

"Der Bio-Zuckerrüben-Anbau und auch die anderen Bio-Kulturen lohnen sich nur, solange die Produkte teurer sind. Und das ist einer der zentralen Gründe, warum Bio-Produkte teurer sein müssen, weil einfach mehr Arbeit dahinter steckt", sagt Jochen Andreae.

In Nordschwaben trauen sich das aber immer mehr Bio-Bauern zu. Der Grund: Das Südzucker-Werk in Rain am Lech wird im Herbst zum ersten Mal Bio-Zucker produzieren, denn die Nachfrage steigt – vor allem in der Lebensmittelindustrie. Denn egal ob in der Bio-Marmelade oder der Bio-Schokolade, überall muss natürlich auch Bio-Zucker rein.

Justina kommt aus Polen zum Arbeiten

Die Reihen auf dem Rübenacker in Münster sehen schier endlos aus. Acht Stunden täglich arbeitet die 28-jährige Justina aus Polen hier. "Ein bisschen müde" sei sie abends, erklärt Justina. Sie ist die einzige, die ein paar Wörter Englisch spricht. Zwei Monate sei sie zum Arbeiten in Deutschland. Für die Polin rechnet es sich unterm Strich: Hier in Deutschland bekommt sie den Mindestlohn der Landwirtschaft von 9,19 Euro pro Stunde.

Später, schon wieder auf dem Traktor, erzählt Landwirt Jochen Andreae noch, dass er schon lange der Meinung ist, dass die vielen Spritzmittel der konventionellen Landwirtschaft in die Sackgasse führen: "Und dann kam so langsam auch die Überzeugung dazu, dass es ohne geht und dass es ohne besser geht und den Böden besser geht ohne."

Und so wurde er Bio-Bauer. Auch wenn das nun heißt, dass anders als bislang wieder deutlich mehr Handarbeit auf dem Feld nötig ist.