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Weihnachtsbäume: Alternativen zur chemisch behandelten Tanne | BR24

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Umweltbewusst Weihnachten feiern: Das fängt bei der richtigen Wahl des Christbaums an. Martin Hänsel vom Bund Naturschutz erläutert, worauf es dabei ankommt.

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Weihnachtsbäume: Alternativen zur chemisch behandelten Tanne

In Deutschland werden jährlich etwa 30 Millionen Christbäume verkauft. Um den Bedarf zu decken, werden sie in speziellen Kulturen gezogen, mit Einsatz von Chemie. Geht das nicht auch anders?

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Früher waren Christbäume noch ein Nebenprodukt der Forstwirtschaft und stammten in der Regel aus den heimischen Wäldern. Das Schlagen der Weihnachtsbäume war sozusagen Teil der Waldpflege, indem schwächere Bäume aus den dichten Jungbeständen entnommen worden sind. Dadurch bekamen die verbleibenden Bäume mehr Licht, Platz und konnten sich besser entwickeln.

Bedarf gestiegen - und auch die Ansprüche

Bis zum Heiligabend werden in Deutschland mittlerweile aber um die 30 Millionen Christbäume verkauft. Da kann der Bedarf mit der alten Methode natürlich längst nicht mehr gedeckt werden. Zumal wir zum Fest einen tiefgrünen, möglichst geraden und auch dichten Baum bevorzugen. Um dieses intensiveres Grün zu bekommen, braucht es aber Dünger und um der Nachfrage gerecht zu werden, auch eigens angelegte Kulturen.

Etwa jeder zehnte Christbaum, der in Deutschland verkauft wird, kommt aus dem Ausland; viele davon stammen aus Dänemark sowie anderen Nachbarländern. In den letzten Jahren hat sich vor allem die Nordmanntanne in den deutschen Wohnzimmern breit gemacht (etwa 75 Prozent) und gerade diese Baumart wird oft importiert. Gezogen in einer Monokultur und unter Einsatz von viel Chemie.

Wie gut sind die Christbäume aus dem Ausland?

Zwar werden immer weniger Christbäume aus Finnland, Dänemark und anderen nordischen Ländern importiert, aber es sind immer noch etwa drei Millionen Bäume. Sie werden bereits Monate vor dem Fest geschlagen und über weite Strecken transportiert. Sie sind zwar meist billiger, aber dafür eben auch nicht mehr frisch und weniger lange haltbar. Aber auch für Bäume von Plantagen aus dem Sauerland oder Schleswig-Holstein ist der Weg nach Bayern weit. Die Lagerung und der Transport wirken sich natürlich negativ auf die Ökobilanz aus.

Die Tännchen und Tannen aus den großen Plantagezentren sind Monokulturen, in denen die Bäume in Reih und Glied unter Einsatz von viel Dünge- und Pflanzenschutzmitteln hochgepäppelt werden.

Viele Bäume mit Pestiziden behandelt

Damit keinerlei Schädlinge oder gar Krankheiten die zukünftigen Christbäume entstellen, werden sie immer wieder mit Insektiziden, Fungiziden, Rhodentiziden und anderen Pflanzenschutzmitteln behandelt. Dabei räumt man, sofern überhaupt vorhanden, auch gleich noch sämtliche Nützlinge aus dem Weg. Noch 2014 hat der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) in Stichprobenuntersuchungen bei jedem zweiten Christbaum Rückstände von Pestiziden nachweisen können. Die Werte lagen zwar auch in zurückliegenden Untersuchungen nie im gesundheitsgefährdenden Bereich, aber wie sich die Gifte in kleinen, warmen Räumen verhalten und wie Allergiker und Asthmatiker darauf reagieren, ist unbekannt.

Verbraucher suchen den Super-Baum

Verbraucher tragen dabei auch eine Mitverantwortung, ein kräftig leuchtendes Grün mit einem edlen Hauch von Blau sollten die Nadeln schließlich zeigen und das erzielt man wiederum durch den Einsatz spezieller Düngezusätze. Um dem Markt makellose Weihnachtsbäume zu liefern, wird an Designer-Bäumen gearbeitet. Perfekte Maße, wohlgeformte Proportionen, harmonischer Aufbau bei gleichzeitiger Resistenz gegen Schädlinge und Unkrautvernichter.

Christbäume aus der Region

Wer dagegen einen Baum aus der eigenen Region kaufen möchte, kann sich zum Beispiel bei den Ämtern für Landwirtschaft und Forsten in Bayern kundig machen. Oft haben Forstreviere und private Waldbesitzer einen eigenen Weihnachtsbaumverkauf oder sie bieten Christbäume sogar zum Selbstschlagen an.

Zudem gibt es im Freistaat den Verein „Bayerischer Christbaumanbauer e.V.“, der dafür zuständig ist, Christbäume aus Bayern zu vermarkten. Das Herkunftszeichen „Bayerischer Christbaum“ steht für frische Weihnachtsbäume aus Bayern und verlangt, dass ausschließlich Bäume zertifiziert sind, die in Bayern produziert und nach dem 15. November oder nach Vollmondkriterien (also drei Tage vor dem elften Vollmond im Jahr) gefällt worden sind.

Nur wenige Bäume mit Bio-Siegel werden verkauft

Nur magere fünf Prozent der Christbäume, die jedes Jahr verkauft werden, tragen ein Bio-Siegel. Solche Bäume sind strengen Richtlinien unterworfen. Sie stammen nicht aus Plantagen, sondern aus Wäldern, die nach Regeln der Bio-Verbände bewirtschaftet werden. Kunstdünger und Pestizide sind dabei tabu.

Wer einen Bio-Baum möchte, fragt am besten bei den Ökoanbauverbänden in Bayern wie Naturland, Demeter, Bioland oder Biokreis nach. Oder erkundigt sich bei Umweltschutzverbänden, Waldbauern oder dem Förster, ob sie Christbäume aus naturnahem Anbau oder vom Durchforsten haben.

Bio-Bäume haben ihren eigenen Charme

Bio-Bäume entsprechen natürlich nicht immer dem Idealbild eines Muster-Weihnachtsbaums. Da ist der Stamm schon mal ein wenig schief, die Astkränze nicht ganz regelmäßig, hier und da vielleicht eine Lücke. Das lässt sich mit etwas handwerklichem Geschick aber gut kaschieren. Man kann einen schönen Zweig von unten entsprechend kürzen und in ein vorgebohrtes Loch an der Fehlstelle einfügen. Oder den Baum halt so nehmen wie er ist – natürlich gewachsen, natürlich schön.

Weihnachtsbäume mit Ballen nur über die Feiertage ins Haus holen

Wer sich den Christbaum samt Ballen ins Haus holt, sollte diesen bereits im Freien regelmäßig gegossen haben. Wichtig ist es hier, den Baum erst kurz vor Heilig Abend ins Zimmer zu stellen und dort auch nur zwei, drei Tage stehen zu lassen; möglichst weit weg von der Heizung. Draußen kann er dann wieder eingepflanzt werden, sobald es frostfrei ist.

© FSC/Forest Stewardship Council

Bio-Siegel

Siegel für Christbäume zur Orientierung

Das PEFC-Siegel (Programme for the Endorsement of Forest Certification schemes – Programm für die Anerkennung von Waldzertifizierungssystemen) garantiert nachhaltige Waldwirtschaft. Fast 80 Prozent der bayerischen Waldfläche ist bereits nach PEFC zertifiziert.

Das Forest Stewardship Council (FSC) zertifiziert Wälder, in denen keine mineralischen Düngemittel und keine Pestizide eingesetzt werden dürfen. Außerdem wird auf Kahlschläge verzichtet und es dürfen vorrangig nur heimische Baumarten angepflanzt werden. Das Zertifikat garantiert zudem, dass soziale Standards eingehalten werden und es gibt regelmäßige Kontrollen. Die meisten Umweltorganisationen erkennen das FSC-Zertifikat als Mindeststandard einer verantwortbaren Forstwirtschaft an.

Die strengsten Kriterien werden bei den Siegeln der ökologische Anbauverbände wie Bioland, Demeter oder Naturland angelegt. Diese Forstbetriebe und Weihnachtsbaumkulturen werden nach ökologisch ausgerichteten Regeln bewirtschaftet. Auch wird die Einhaltung der vorgegebenen Standards regelmäßig von unabhängigen Kontrollstellen geprüft.

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Damit jeder, der will, an Weihnachten Tannengrün und Lichterglanz zu Hause haben kann, gibt es spezielle Plantagen, auf denen Weihnachtsbäume gezüchtet werden - und zwar mit jeder Menge Chemie.