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Bio Weihnachtsbäume

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Bio-Christbaumplantage als Rückzugsort für Tiere

Weihnachten und der Christbaum, das gehört für viele einfach zusammen. Die Auswahl an Bäumen auf den Plantagen ist groß. Doch sie sind häufig chemisch behandelt. Anders ist das in Obererlbach auf dem Hof der Familie Meßthaler.

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Von
  • Laura Grun

Vorsichtig hebt Jürgen Meßthaler die grünen Tannenspitzen vom Boden an und schaut unter jeden einzelnen Baum, bevor er ihn fällt. Der 48-Jährige will sichergehen, dass sich nicht doch ein Tier zum Winterschlaf dort zurückgezogen hat. Unter dieser Nordmanntanne liegt gerade zwar kein Igel und hält seinen Winterruhe, doch vieles deutet darauf hin, dass sich dort vor Kurzem noch ein Tier aufgehalten hat. Die Erde sei weggescharrt und eine kleine Kuhle entstanden, zeigt Meßthaler. Spuren eines Igels, eines Hasen, manchmal sogar eines Rehs findet der gelernte Land- und Forstwirt.

Mit der Natur arbeiten statt dagegen

Seit 25 Jahren baut Jürgen Meßthaler Bio-Christbäume an, ohne Spritzen, ohne Düngen, bei ihm seien die Bäume vollkommen naturbelassen. "Es ist wichtig, dass man mit der Natur arbeitet und nicht gegen die Natur. Das liegt uns schon immer am Herzen", so Meßthaler. Durch den Anbau ohne Dünger wachse der Baum zwar langsamer als im konventionellen Anbau, aber es sei für ihn der richtige Weg.

Keine Pestizide im Wohnzimmer

Auch für die Gesundheit sieht Meßthaler deutliche Vorteile von Bio-Bäumen fürs Weihnachtsfest. Gehe man davon aus, dass der Christbaum zwei Wochen im Wohnzimmer steht und Spritzmittel ausdünstet, kann das für die Gesundheit mit Sicherheit nicht das Beste sein, so Meßthaler weiter.

Christbaumplantage als Lebensraum für viele Tierarten

Statt kahlen Flächen wachsen bei den Meßthalers Blumen und Gräser zwischen den Christbäumen. Denn anders als Berufskollegen, lässt er die Wiese und das Unkraut stehen. Auch Nistkästen für Vögel, Insektenhotels und Bienenvölker haben auf der rund drei Hektar großen Fläche Platz. Nur ein funktionierendes Ökosystem mache es möglich, auf Pestizide zu verzichten. Dazu gehören eben auch Ameisen und alles, was sich auf und unter der Erde tummelt.

Im Alter von drei Jahren setzt Meßthaler die Jungpflanzen ein. Bis sie dann die übliche Christbaum-Größe von rund zwei Metern erreicht haben, vergehen im Schnitt 14 Jahre. Solange sind sie dann Lebensraum für Insekten und Tiere aller Art. Zwischen den rund 20.000 Bäumen habe sich ein richtiges Biotop entwickelt, sagt der gelernte Land- und Forstwirt. Bäume selbst schlagen, wie es viele andere tun, bietet er auf seinem Hof aber nicht an.

"Wenn kurz vor Weihnachten so viele Leute durch die Kulturen laufen und selbst Bäume schlagen, werden viele Tiere unnötig aufgescheucht. Für manche Tiere kann das sogar den Tod bedeuten." Jürgen Meßthaler, Land-und Forstwirt.

Stattdessen dürfen sich Kunden aus rund 200 Bäumen auf dem Hof bei den Meßthalers ihren persönlichen Christbaum aussuchen: Blautanne, Kiefern, Blaufichten und natürlich auch der Klassiker, die Nordmanntanne. In allen Größen, von Hüfthoch bis mehr als zwei Meter stehen sie aufgereiht nebeneinander.

Und für diejenigen, die es noch etwas nachhaltiger wollen, hat Jürgen Meßthaler auch eine Lösung. In seiner Scheune stehen viele kleine Pflanzkübel mit Bäumen. Im Topf gewachsene Christbäume könnten nach den Weihnachtsfeiertagen einfach wieder eingepflanzt werden und weiterwachsen.

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