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Grenzstein

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    Binationale Paare leiden unter Grenzkontrollen

    Seit Februar sind die Grenzen Bayerns zu Tirol – mit wenigen Ausnahmen – geschlossen. Paare, Familien, Kinder leiden darunter. In einem offenen Brief haben viele binationale Paare auf ihre Situation aufmerksam gemacht. Geändert hat sich aber nichts.

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    Von
    • Julia Binder

    Robert Hofmann sitzt in seinem Wohnzimmer in München, seine Lebensgefährtin Barbara Strobl in Landeck in Tirol. Seit 15 Jahren sind die beiden ein Paar. Aus beruflichen Gründen haben sie zwei getrennte Wohnsitze – 162 Kilometer voneinander entfernt. Wegen Corona dürfen sie sich seit Wochen nicht besuchen. Die Grenzen sind dicht. Das hält Hofmann für ungerechtfertigt.

    "Was heißt, das Virus bleibt drüben? Das Virus ist weltweit, es wird auch vor Grenzen keinen Halt machen. Ganz abgeschottet war nicht mal der eiserne Vorhang." Robert Hofmann

    Ihm gehe es sehr schlecht, sagt Robert Hofmann. Seine Partnerin weint. Es ist einfach alles zu viel für Barbara Strobl. Das Haus, in das die beiden bald gemeinsam einziehen wollen, muss sie seit Wochen alleine renovieren. Ihre 99 Jahre alte Oma hat sich den Oberschenkelhals gebrochen, muss operiert werden. Ob ihre Großmutter wieder aus der Narkose erwachen wird, ist unsicher. Gerade in dieser Situation bräuchte Barbara Strobl Hilfe von ihrem Partner. Sie bezeichnet es als "sehr unmenschlich, dass es keine Ausnahmen gibt, jetzt in dieser Situation."

    "Mein Partner fehlt mir halt in allem, egal ob es mit irgendwelchen Handgriffen ist, oder ob man sich in den Arm nimmt und schaut, was man geschafft hat." Barbara Strobl

    Ausnahmen gibt es nicht

    Auch Familien ersten Grades bekommen keine Erleichterungen. Barbara Geflitter aus Brannenburg wohnt nicht einmal 20 Kilometer von ihrem Sohn mit Familie in Erl entfernt. Doch den vier Monate alten Enkel kann sie nur bei einem Treffen an der Grenze sehen.

    "Mei, bist du scho wieder groß geworden!" Barbara Geflitter

    Die kurze Begegnung macht sie sehr traurig. Barbara Geflitter will da sein für ihren Sohn, ihre Schwiegertochter und ihren ersten Enkel. Unterstützung vor Ort ist aber gerade nicht möglich.

    Grenzschließung wird als Willkür empfunden

    "Die Südafrika-Fälle in Tirol sind von 200 auf 50 gesunken, alle Impfstoffe wirken gegen schwere Mutationen, im Schwazer Bezirk werden 1.000 geimpft. Was soll denn noch passieren, bis die Grenzen wieder geöffnet werden?" Moritz Geflitter

    Das fragen sich auch Barbara Strobl und Robert Hofmann. Sie empfinden die Grenzschließung als Willkür, als politische Machtprobe zwischen Bayern und Tirol. Ihr Schicksal, das sie mit tausenden Familien, Kindern und Paaren teilen, werde als Kollateralschaden in Kauf genommen.

    "Das find' ich sehr bedenklich, was mit uns Bürgern gemacht wird. Eigentlich sind die Politiker von uns eingesetzt, um unsere Meinung zu untermauern und sich einzusetzen." Barbara Strobl

    Strobl hat das Gefühl, dass einige Politiker in einem Machtrausch stecken und das Menschliche dabei vergessen, sagt sie.

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