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Bildungs-Kongress in Furth: Was bleibt nach Corona?

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Bildungs-Kongress in Furth: Was bleibt nach Corona?

Unterricht in Präsenz, keine Maskenpflicht - nach rund anderthalb Jahren Pandemie kehrt zunehmend Normalität in die Schulen zurück. Was bleibt, sind Erfahrungen. Das Maristen-Gymnasium in Furth bei Landshut lud deswegen zum Kongress.

Von
Philip  KuntschnerPhilip Kuntschner

Was bleibt nach rund anderthalb Jahren Pandemie? Wie hat Corona den Schulunterricht, Bildung und Erziehung verändert? Das Maristen-Gymnasium in Furth im Landkreis Landshut hat dazu einen groß angelegten Kongress veranstaltet.

Alle zusammen mit Blick auf die Zukunft

Unter dem Namen "Changes" ging es bei der Veranstaltung in Furth um Veränderungen - kleine und große Neuerungen, erzwungen durch die Pandemie, teils aber auch um Änderungen mit Potential für die Zukunft. So beschreibt es Schulleiter Christoph Müller.

"Wir haben in allen Bereichen des menschlichen Lebens eine Ausnahmesituation erlebt, die zu Distanziertheit geführt hat. Deshalb wollten wir jetzt bewusst einen Aufbruch starten. In eine hoffentlich normalere Zeit." Christoph Müller, Schulleiter am Maristen-Gymnasium

Und weil Corona alle Bereiche des Zusammenlebens betroffen hat, wurde die Veranstaltung erweitert: Bildung und Erziehung in einer Reihe mit Politik und Wirtschaft. Alle sollen gegenseitig von den jeweiligen Erfahrungen profitieren und "dabei den Blick auf die Zukunft richten", erklärt Schulleiter Müller. Zustimmung kommt von Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU), Schirmherr der Veranstaltung. "Es geht darum, aus den Änderungen zu lernen, die über uns gekommen sind. Und darum, das Positive daraus mitzunehmen", so Herrmann.

Offenere Kommunikation zwischen Lehrern und Schülern

Was also bleibt aus den Monaten, in denen Homeschooling und Distanzunterricht den Schulalltag prägten? Naheliegend sei der Verweis auf die schnellere Digitalisierung der Schulen, meint der Ministerialbeauftragte der Gymnasien in Niederbayern, Peter Brendel. Diese Betrachtung sei aber zu technisch. Vielmehr habe sich auch das Verhältnis zwischen Lehrkräften und Schülern verändert. Vertrauliche Themen, die während und auch nach Unterrichtseinheiten besprochen wurden, hätten dementsprechend auch "zu persönlicheren Antworten von Lehrern" geführt, so Brendel. Offenere, rücksichtsvollere Kommunikation, das solle auch in Zukunft erhalten bleiben.

Der Mensch im Mittelpunkt - auch für Politikwissenschaftlerin Ursula Münch ist das die zentrale Botschaft: "Es geht nichts ohne die Leute, die etwas anstoßen, die Kontakt halten, die darauf achten, dass niemand im digitalen Raum verloren geht." Wichtig sei aber auch, beim künftigen Einsatz von technischen Hilfsmitteln den didaktischen Sinn zu hinterfragen, so Münch.

Digitales Lernen kann auch spalten

Technische Hilfsmittel dürften die Ungleichheiten aber nicht verstärken, betonte IBM-Manager Klaus-Peter Gölz. Sein Unternehmen habe zwar von der Pandemie profitiert, nicht jede Familie sei aber in der Lage, Laptops, Tablets oder leistungsfähige Smartphones für Kinder im Schulalter bereitzustellen. Ohnehin: Benachteiligte dürften durch fortschreitende Entwicklungen im Bereich digitales Lernen nicht weiter zurückfallen, so Gölz.

Eine Haltung, die bei Schülerinnen und Schülern des Maristen-Gymnasiums ankommt. "Manchmal sind mehrere Geschwister gleichzeitig auf ein Gerät angewiesen", meint Sandra Kluknavsky, die bis zu ihrem Abschluss im Juli Schülersprecherin des Maristen-Gymnasiums war. Außerdem dürfe man nicht vergessen, dass zeitgleich die Eltern ebenfalls im Homeoffice tätig waren.

Psychische Erkrankungen bei Schülern

Es seien technische Schwierigkeiten, die - einmal mehr - auf Herausforderungen im täglichen Miteinander treffen. Klar seien Digitalisierung und Wirtschaft im Hinblick auf Corona wichtige Themen. Kluknavsky war es aber auch wichtig, die Tabuthemen wie psychische Erkrankungen, zum Beispiel Magersucht und andere Essstörungen sowie Depressionen anzusprechen. Sobald es um den Bereich Bildung während der Pandemie gehe, dürfe der körperliche und psychische Zustand von Schülern nicht ausgespart werden.

Aufarbeitung der Corona-Pandemie

Der Weg zurück zur Normalität sei ohnehin ein schleichender Prozess, fasst Staatsminister Florian Herrmann zusammen. In den Köpfen werde die Pandemie auch weiter bleiben, nun gehe es aber auch darum, zu reflektieren. Eine Aufarbeitung, die in Furth bereits begonnen hat.

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