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Bilanz: Erste Woche wieder richtig Schule | BR24

© BR/Johannes Roßteuscher

Nach Monaten des Online-Unterrichts gehen die bayerischen Schülerinnen und Schüler seit dieser Woche wieder leibhaftig in die Schule - wenn auch nur in kleinen Klassen. Ein Besuch an einer Grund- und Mittelschule.

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Bilanz: Erste Woche wieder richtig Schule

Nach Monaten Online-Unterricht gehen alle bayerischen Schülerinnen und Schüler seit dieser Woche wieder leibhaftig in die Schule - wenn auch nur in geteilten Klassen. Ein Besuch an einer Grund- und Mittelschule.

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Von
  • Johannes Roßteuscher

Erste Woche Schule nach dem Lockdown: In der Grund- und Mittelschule an der Simmernstraße in München fallen als erstes die großen weißen Pfeile auf, die überall am Boden kleben. Schon am Eingang: Rechts rein, links raus - dazwischen eine rot-weiß-gestreifte Trennlinie.

Schüler haben Regeln schnell verinnerlicht

Direkt in der Mitte des Gangs erinnert die Schülerinnen und Schüler ein unübersehbares Schild mit Piktogrammen daran, Mundschutz zu tragen, die Hände zu waschen, in die Armbeuge zu husten und natürlich Abstand zu halten.

Klappt alles schon ganz gut, sagt Konrektorin Birgit Dittmer-Glaubig. Die Maske sei für die Kinder selbstverständlich, ebenso wie die Laufrichtung in der Schule. Und tatsächlich: Während des Besuches des BR24-Reporters halten alle Schülerinnen und Schüler die Regeln vorbildlich ein.

Maximal 15 Schüler pro Klassenzimmer

In der Mathe-Stunde in der 8a hat jeder Schüler einen eigenen Tisch, und pro Klassenzimmer sind maximal 15 Kinder erlaubt. Während des Unterrichts dürfen sie die Masken absetzen, ihre Lehrerin Marion Hiller dagegen steht die meiste Zeit hinter einer beeindruckend großen Plexiglasscheibe.

"Lehrer können es halt doch besser"

Die mit dem Homeschooling verbundenen Freiheiten haben die Schülerinnen und Schüler am Anfang natürlich genossen. Aber jetzt sind sie doch froh, dass sie wieder live in die Schule gehen dürfen. Einer, der sogar zum Interview mit dem an einer langen Angel befestigten Mikrofon und zwei Metern Abstand die Maske aufbehält, sagt, dass er die Schule in den letzten Monaten erst richtig schätzen gelernt hat: "Denn viele Menschen haben auch in vielen Ländern nicht die Möglichkeit, schulische Bildung zu bekommen."

Die Lehrer könnten den Stoff eben doch besser erklären als die Eltern oder die große Schwester, sagt ein anderer.

Oh Wunder: Schüler hätten gerne mehr Schule

Nur drei Schulstunden haben die sie pro Tag, damit der Schichtbetrieb mit den verkleinerten Klassen funktioniert. Und - man höre und staune - mehrere Schüler sagen, das sei ihnen zu wenig: Vier oder fünf Stunden wären viel besser.

Auch der Unterricht selbst sieht anders aus: Teamarbeit, Austausch und gegenseitige Hilfe während der Stunde - was den Lerneffekt ja verbessern würde - sind zurzeit nicht möglich. Also ist Frontalunterricht wie früher angesagt. Trotzdem kommen die Kinder und Jugendlichen gut damit zurecht, weil sie froh sind, dass sie ihren Lehrer wieder persönlich vor sich haben.

Regelbetrieb ab Herbst

Das alles läuft jetzt weiter so bis Schuljahresende. Die Lehrer hoffen, dass die Änderungen zum neuen Schuljahr nicht zu kurzfristig kommen. Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes, zum Beispiel sagt, die Schulen könnten "nicht schon wieder einen Change hinlegen", Kinder, Lehrer und Eltern bräuchten jetzt erstmal Sicherheit.

Kultusminister Michael Piazolo sieht das im Gespräch mit dem BR genauso. Es werde jetzt schon geplant, wie es im nächsten Schuljahr weitergeht - selbstverständlich im Austausch mit den Lehrerverbänden. Er will ab Herbst wieder in einen weitgehenden Regelbetrieb.

Viele Lehrer gehören zur Risikogruppe

Die Lehrer beklagen, dass es an der digitalen Ausstattung mangelt und auch am Personal. In den Grund- und Mittelschulen gebe es ohnehin zu wenig Lehrer, und mit jedem, der zu einer Risikogruppe zähle, werde die Decke dünner. Das habe sich in der Corona-Zeit ganz deutlich gezeigt, sagt Lehrerin Isabel Franz von der Simmernschule. Sie würde gerne mit so kleinen Klassen weiterarbeiten wie derzeit, aber das scheine noch weiter weg als früher - schon allein weil 20 bis 30 Prozent der Lehrer zu Risikogruppen gehörten.

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