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Bildrechte: dpa-Bildfunk/Matthias Bein

Der Aufschrei war groß, als es hieß: An Bayerns Schulen gilt Testpflicht. Nach einer Woche fällt die Bilanz gemischt aus. Hier gab es Chaos, dort kamen selbst die Kleinsten gut klar. Und wie viele Kinder waren infiziert? Das weiß man nicht.

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Bilanz: Eine Woche Testpflicht an Bayerns Schulen

Der Aufschrei war groß, als es hieß: An Bayerns Schulen gilt Testpflicht. Nach einer Woche fällt die Bilanz gemischt aus. Hier gab es Chaos, dort kamen selbst die Kleinsten gut klar. Und wie viele Kinder waren infiziert? Das weiß man nicht.

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Von
  • Anna Küch
  • BR24 Redaktion

Seit dieser Woche gilt: Schülerinnen und Schüler dürfen nur noch mit negativem Corona-Nachweis das Klassenzimmer betreten. Überall an den bayerischen Schulen wurde getestet. Ob in der Schulmensa oder in der Turnhalle, in den meisten Fällen hat das gut geklappt. Nächste Woche wird das wahrscheinlich nicht mehr nötig sein, denn da müssen viele Kinder und Jugendliche wieder zuhause bleiben.

Die erste Woche nach den Osterferien war für die 16-jährige Antonia chaotisch. Sie geht in die Oberstufe eines Münchner Gymnasiums: "Für uns Schüler war es einfach nur verwirrend, wann wir in der Schule sein müssen und wann wir für die Schnelltests da sein müssen", erzählt Antonia. Die Kommunikation und Organisation an ihrer Schule sei "einfach nur fehlgeschlagen". Lehrer hätten ganz viele verschiedene Informationen gegeben, die auch nicht mit denen der Oberstufenkoordination übereingestimmt hätten.

Testpflicht: So lief die erste Woche

Die Schülerinnen und Schüler mussten sich selbst zusammenreimen, wann sie da sein sollten. Zweimal die Woche gab es einen Test für Antonia, dafür ging viel Unterrichtszeit drauf. Auch waren nicht immer ausreichend Testsets vorhanden.

An anderen Schulen lief das besser. Zum Beispiel an der Grundschule Emskirchen im Landkreis Neustadt an der Aisch, wo die Kinder extra eine Viertelstunde früher da waren. Lehrerin Edith Pazac gab die Anweisungen: "So, jetzt schiebt ihr alle mal das Stäbchen in die Nase und wir zählen bis 15." Die Kinder kamen damit klar. "Ich fand's gar nicht so schlimm", sagt ein Grundschüler. Eine Mitschülerin erzählt, es habe "ein bisschen gekitzelt".

Virologe äußert Zweifel an Wirksamkeit der Tests

Wie Aussagekräftig die Tests sind, darüber wird unter Experten weiterhin gestritten. Virologe Prof. Oliver T. Keppler, Vorstand des Pettenkofer-Instituts der LMU München und Lehrstuhlinhaber für Virologie an der LMU München, äußert im BR-Interview erhebliche Zweifel. Es besteht eine klare Fehlwahrnehmung der Zuverlässigkeit dieser Tests.

Sowohl bei den Abstrichen als auch der Testdurchführung gebe es gewisse Risiken, so der Experte. Die Zuverlässigkeit der Aussagekraft der Tests könne, wenn sie von Laien durchgeführt werde, weiter gemindert werden. An den Schulen treibe die Durchführung in Klassenverbänden zum Beispiel teilweise groteske Stilblüten. Da würde gesagt: "Alle erst mal feste die Nase schnäuzen, bevor ihr Euch abstreicht." "So könnte man leicht einen Superspreader-Event auslösen. Absurd wie kontraproduktiv", meint Keppler.

Positive Tests: Kultusministerium hat keine Daten

Wie viele Kinder und Jugendliche sich positiv auf das Coronavirus getestet haben, ist unklar. Das Kultusministerium kann dazu keine Angaben machen. Der Verwaltungsaufwand an den Schulen sei zu hoch, um die Daten zu sammeln, sagt die Behörde und verweist an die Gesundheitsämter, die aber auch keine Auskunft geben wollen.

Insgesamt waren diese Woche nur knapp 16 Prozent der Schulen in Bayern normal geöffnet, das heißt, alle Klassen konnten in den Präsenzunterricht. 34 Prozent der Schüler und Schülerinnen hatten Wechselunterricht. Der Rest, also 50 Prozent, war schon im Distanzunterricht.

Forchheim macht dicht - mitten in der Woche

Im Landkreis Forchheim schlossen mitten in der Woche Schulen, Kindergärten und Krippen. Sehr zum Ärger der Eltern, die sich von heute auf morgen komplett umorganisieren mussten. Diana Könitzer, Mutter eines Zweitklässlers, ist sauer: "Da ist keiner mit ins Boot genommen worden, das lässt bei allen Eltern nur Frust und Wut im Bauch." So viel habe man mitgetragen in den letzten Wochen und Monaten – auch die Kinder. Und plötzlich würden solche Entscheidungen übers Knie gebrochen. "Damit schwindet natürlich auch bei mir und spürbar in der Bevölkerung das Verständnis der Maßnahmen", so die Mutter.

"Es ist der Punkt erreicht, es reicht, wir können nicht mehr." Diana Könitzer, Mutter eines Zweitklässlers

Stichtag für Schulen und Kitas ist Freitag

Normalerweise wird immer am Freitag entschieden, ob Schulen öffnen – das gilt dann für die gesamte Woche. Entscheidend ist der Inzidenzwert, der an drei Tagen unter 100 liegen muss. In Forchheim kletterten die Werte aber so schnell nach oben, dass das Landratsamt die Notbremse zog. Das macht der Paragraf 28 der Bayerischen Infektionsschutzverordnung möglich.

Nächste Woche werden vermutlich sehr viele Schulen zum Distanzunterricht zurückkehren. Die meisten Landkreise in Bayern liegen deutlich über dem Inzidenzwert von 100. Es gibt nur wenige Wackelkandidaten wie Passau, Lindau oder Miltenberg, wo eventuell die Schulen aufbleiben könnten.

Grundschülerinnen: "Voll anstrengend"

Keine schönen Aussichten für zwei Grundschülerinnen aus dem Landkreis Weilheim-Schongau: "Es ist nicht so schön, wenn man die Lehrer immer nur in Videokonferenzen sehen kann, und dann ist die Kamera irgendwann aus, da kann man nicht alle sehen. Voll anstrengend." Und das andere Mädchen vermisst auch ihre Lehrer: "Lernen mit Lehrer ist viel schöner als nur zuhause rumsitzen."

Schon jetzt steht fest, dass die Schülerinnen und Schüler jede Menge Lernstoff verpassen. Bildungsforscher am Münchner Ifo-Institut haben berechnet, dass die Kinder und Jugendlichen deutlich weniger Zeit mit Lernen verbringen als vor der Corona-Krise. Genaue Zahlen werden nächste Woche veröffentlicht.

Grafik: Was gilt in meinem Landkreis für Schulen und Kitas?

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