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In Würzburg ist Martin Heilig für den Klimaschutz zuständig. Er sucht das Gespräch mit vielen Experten oder ist Ansprechpartner für Umweltfragen für viele Bürgerinnen und Bürger. Was konnte seit seiner Amtseinführung umgesetzt werden?

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Bilanz: Bayerns erster Klimabürgermeister ein Jahr im Amt

Seit einem Jahr ist der Grünen-Politiker Martin Heilig in Würzburg im Amt: Er ist Bayerns erster Klimabürgermeister. Was hat er bisher geschafft? Wie ist das Umweltreferat der Stadt inzwischen in Sachen Klimaschutz aufgestellt?

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Von
  • Carolin Hasenauer

Ursprünglich wollte Martin Heilig (Bündnis 90/Die Grünen) Oberbürgermeister von Würzburg werden. Doch bei der Wahl im März 2020 konnte er sich nicht gegen Amtsinhaber Christian Schuchardt (CDU) durchsetzen. Nun leitet er als zweiter Bürgermeister von Würzburg gleichzeitig das Umweltreferat und kümmert sich als Bayerns erster Klimabürgermeister um eine Neuausrichtung der Stadt in Sachen Klimaschutz.

Neue Zuständigkeiten mit Fokus auf das Klima

Die meisten Projekte, die aktuell in der Stadt umgesetzt werden, sind vor Heiligs Zeit auf den Weg gebracht worden: neue Radwege, die neue Straßenbahnlinie 6 ans Hubland, die Begrünung des Kardinal-Döpfner-Platzes. Mit eigenen Aktionen sichtbar werden in der Stadt konnte der Klimabürgermeister noch nicht so richtig. Denn: Martin Heilig hat bislang vor allem intern die Verwaltung umstrukturiert und sein Referat personell neu aufgestellt.

Artenschutz und Verkehrsentwicklung

Das Gartenamt etwa hat er um eine Baumschutz- und eine Artenschutzgruppe erweitert. Neu sind außerdem die ökologische Gewässerentwicklung und die strategische Verkehrsentwicklung – "das hat es vorher in Würzburg noch gar nicht gegeben", erzählt Heilig. "Da sind wir jetzt dabei, Personal zu finden und die Aufgabenbereiche zu strukturieren. Im letzten Jahr sind wir da erheblich vorangekommen."

Für jeden neuen Bereich in seinem Umweltreferat braucht der Klimabürgermeister zunächst das Ja vom Stadtrat, der Haushalt muss die neuen Stellen genehmigen – die auch erst dann ausgeschrieben werden können.

"Ich bin nicht gerade ein geduldiger Mensch und ich muss lernen, dass gewisse Dinge einfach Zeit brauchen in der Verwaltung einer Stadt." Martin Heilig, Würzburgs Klimabürgermeister

OB: Signalwirkung durch Klimabürgermeister

Sein Kollege Oberbürgermeister Christian Schuchardt freut sich vor allem über die Signalwirkung des Amtes: "Es obliegt der Politik, Akzente zu setzen. Und das hat der Würzburger Stadtrat mit der Bildungsbürgermeisterin und dem Klimabürgermeister gemacht. Da hat der Stadtrat deutlich gemacht: Diese Themen sind uns wichtig und die wollen wir in der Verwaltungsspitze personell widergespiegelt haben."

Denn auch der dritten Bürgermeisterin Judith Jörg (CSU) ist ein eigenes Referat zugeteilt: das Schul- und Sportreferat. Das Umweltreferat dem berufsmäßigen, grünen Bürgermeister zu geben, habe Schuchardts Meinung nach programmatische Funktion, was er befürworte.

Auch Martin Heilig sieht die Signalwirkung seines Amtes – doch er warnt auch vor zu hohen Erwartungen: "Wir treiben da einiges vorwärts. Es ist mir, glaube ich, schon gelungen, einige Akzente zu setzen. Aber man braucht schon einen längeren Atem. In einem Jahr allein kann man eben nicht das Klima retten, das geht nicht."

Grüne: viele kleine Schritte

Die Würzburger Grünen blicken zufrieden auf das Jahr zurück: So gebe es zum Beispiel neue Pflanzmethoden für Bäume, einen Landschaftspflegeplan und ein neues, artenschutzfreundliches Mähkonzept für Straßenränder. Außerdem seien bereits 15.000 neue Bäume gepflanzt worden. Auch gebe es eine Solarpflicht bei Neubauten sowie eine nachhaltige Regenwasserbewirtschaftung in einigen Neubaugebieten. Derzeit arbeitet Heilig an einem Klimaschutzkonzept und der klimawirksamen Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs.

Kritik von Würzburger Liste

Kritischer steht dem Amt des Klimabürgermeisters Willi Dürrnagel (Würzburger Liste) gegenüber, der seit fast 40 Jahren im Würzburger Stadtrat sitzt: "Der Name allein hilft nicht, sondern da muss mehr Eigeninitiative kommen." Da erwarte er mehr von Martin Heilig, wo und wie genau er sich für Umwelt und Klima in Würzburg einsetzen wolle. Es helfe nicht, nur zu reagieren und sich als Teil der Verwaltung zu sehen: "Grundsätzlich ist es Aufgabe des Bürgermeisters, für die Bürger da zu sein, nicht für die Verwaltung."

Lob vom Bund Naturschutz

Armin Amrehn, erster Vorsitzender der Kreisgruppe Würzburg vom Bund Naturschutz, sieht das gelassener. Er gibt Heilig eine coronabedingte Schonfrist: "Den Klimabürgermeister finde ich gut, weil man zum einen das Wort hat, das zeigt, worauf man Wert legt. Zum anderen ist das eine Botschaft für die Klimaschutz-Vereine: dass man in Sachen Umwelt einen Ansprechpartner hat, dass man sich an Herrn Heilig wenden kann und man damit hoffentlich was bewegen kann."

Andere große Städte wie München, Nürnberg oder Regensburg würden auf Bayerns ersten Klimabürgermeister schauen und beobachten, wie Würzburg das handhabe. Amrehn freut sich, dass Heilig das Gespräch mit Umweltgruppen suche, sich Meinungen einhole und seinen Grünen-Background nicht vergesse.

Corona erschwert Dialog mit Bürgern

Auch seinen Hintergrund als Lehrer vergisst Martin Heilig nicht: "Ich habe schon sehr gerne unterrichtet, mit meinen Schülern diskutiert, das fehlt mir schon. Ich hoffe allerdings, dass, wenn Corona vorbei ist, man auch mal mit Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch kommen kann. Das kommt mir gerade schon zu kurz."

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