| BR24

 
 

Bild

Biber
© pa/dpa
© pa/dpa

Biber

Für Thorsten Schrott beginnt die Arbeit um kurz nach 7 Uhr morgens. Er ist Baumpfleger im Englischen Garten und trifft sich mit den Kollegen zu einer kurzen Teambesprechung.

Eine Viertelstunde später sitzt Schrott gemeinsam mit Parkchef Thomas Köster im Auto. Die beiden wollen sich an diesem Tag die Biber-Schäden ansehen. Seit einigen Jahren nimmt die Zahl der Nagetiere stark zu. Parkchef Köster geht von fünf Biber-Bauten allein im Englischen Garten aus.

Biber knabbern vor allem im Winter Bäume an

Zum Leidwesen der Baumpfleger: Denn die Tiere knabbern vor allem im Winter Bäume an - und machen sie so teilweise sehr instabil.

"Dann kann es gefährlich werden. Wenn sich die betroffenen Bäume zum Beispiel an Fußgänger- oder Fahrradwegen befinden, müssen wir sie fällen, weil die Gefahr zu groß ist, dass sie auf die Straße krachen." Thorsten Schrott, Baumpfleger

Besonders bedroht sind Bäume, die direkt am Wasser oder in der Nähe der Biberbauten stehen. Deshalb bringen Schrott und seine Kollegen Schutzdrähte an den Stämmen an.

"Wir sind wie Hase und Igel"

"Allerdings merken wir, dass sich die Biber immer weiter vom Wasser entfernen. Die gehen teilweise an Bäume, die bis zu dreißig Meter von den Bächen entfernt sind." Parkchef Thomas Köster

Daher kommen die Baumpfleger häufig zu spät. "Wir sind wie Hase und Igel. Alles können wir nicht einzäunen“, sagt Köster. Außerdem erleben die Baumpfleger immer häufiger, dass die Biber auch Bäume anknabbern, die sonst gar nicht auf ihrem Speiseplan stehen.

Etwa 20.000 Tiere in Bayern

Doch was tun? Der Biber galt in Deutschland lange Zeit als ausgestorben. Mitte der 1960er Jahre haben Naturschützer in Bayern begonnen, die Nager auszuwildern. Mittlerweile wird der Bestand im Freistaat auf etwa 20.000 Tiere geschätzt.

Für die Naturschützer ein voller Erfolg: Wo sich Biber ansiedeln, breiten sich zum Beispiel mehr Amphibien und seltene Vögel aus. Laut Bund Naturschutz kann sogar die Fischdichte bis zu 80 Mal höher sein, als in biberfreien Gewässern. Denn die Nager schaffen mit ihren Dämmen neue Lebensräume.

Einzige Möglichkeit: Umsiedelung

Ein ausgewachsener Biber wird aber gut einen Meter lang und wiegt bis zu 30 Kilogramm. Deshalb haben die Tiere keine natürlichen Feinde - erst Recht nicht im Englischen Garten.

Was geht also vor: Biber oder Baum? Schließlich ist der Englische Garten auch als Denkmal geschützt. Für Parkchef Köster ist klar: Die Biber im naturnahen Nordteil des Parks können bleiben. Im Süden allerdings, wo es deutlich mehr Radler und Spaziergänger gibt, wäre es besser, die Tiere umzusiedeln.