| BR24

 
 

Bild

Steht in der Kritik: Helmut Nawratil
© BR-Studio Franken/Tobias Burkert

Autoren

BR24 Redaktion
© BR-Studio Franken/Tobias Burkert

Steht in der Kritik: Helmut Nawratil

Das Team der Prüfer, bestehend aus Rechtsanwälten und Wirtschaftsfachleuten, sieht unter anderem große Mängel in der Organisation und bei der Dokumentation verschiedener Bauprojekte. Verzögerungen bei laufenden Projekten, etwa beim Neubau einer Klinik mit 100 Betten in Fürth, seien vom Vorstand zu verantworten und könnten teils erhebliche Mehrkosten nach sich ziehen. Das könnte als Verstoß gegen das Gebot der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit gewertet werden.

Strafrechtliche Konsequenzen nicht ausgeschlossen

„Die Vergabe von Planungs- und Bauleistungen leide durchgehend unter erheblichen Mängeln“, heißt es in der schriftlichen Zusammenfassung der Prüfungsergebnisse. Wichtige Unterlagen hätten nicht vorgelegen oder seien den Prüfern nicht zugänglich gewesen. Unzulässig, weil „wettbewerbsfrei“ oder ohne Ausschreibung seien unter anderem Aufträge für externe Berater vergeben worden. Unter Umständen drohen dafür sogar strafrechtliche Sanktionen. Zudem wurde die Angemessenheit der Vergütung für viele der erbrachten Leistungen bezweifelt.

Kündigung nicht gerechtfertigt

Auch der Umgang des Vorstands mit Mitarbeitern der Bezirkskliniken war Gegenstand der Untersuchung. Hier bestätigten die Prüfer die Entscheidungen Helmut Nawratils teilweise. Die Kündigung des Chefarztes des Zentrums für Neurologie am Klinikum Erlangen sei jedoch nicht gerechtfertigt. Der Kündigungsgrund „Bezichtigung der Lüge“ hätte allenfalls für eine Abmahnung gereicht. Der Leitende Arzt des Zentrums für Neurologie habe in einer E-Mail bedauert, das Wort „Lüge“ verwendet zu haben. Darüber sei der Verwaltungsrat jedoch nicht informiert worden. Die Prüfer bezweifeln, dass bei Vorliegen dieser Information der Verwaltungsrat der Kündigung zugestimmt hätte.

"K.O.-Schlag" für Vorstand

Die Frage, ob eine Interessenskollision des Vorstands mit anderen Firmen vorläge, an denen er beteiligt ist, konnten die Prüfer nicht abschließend beantworten, weil Nawratil nicht auf alle Fragen geantwortet habe. Einzelne Äußerungen Helmut Nawratils zu seinen Beteiligungen an diesen Firmen seien nach Kenntnis der Prüfer jedoch unzutreffend gewesen. „Eine größere Watschn als die, die er hier und heute bekommen habe, hätte ein Vorstand nicht bekommen können“, so Klaus Hiemeyer, der für Bündnis 90/Grüne im Verwaltungsrat und Bezirkstag sitzt. Das Ergebnis sei „ein K.O.-Schlag“ für Helmut Nawratil. Einzelne Bezirksräte forderten personelle Konsequenzen.