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Bewerbungstram fährt wieder: MVG sucht händeringend Mitarbeiter | BR24

© picture alliance / Arco Images GmbH

Symbolbild: Tram in München

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    Bewerbungstram fährt wieder: MVG sucht händeringend Mitarbeiter

    Die Münchner Verkehrsgesellschaft hat Nachwuchssorgen. Die Lage ist so ernst, dass die Personaler kreativ werden müssen und zum zweiten Mal eine "Bewerbungstram" durch die Stadt schicken. Das Ziel: einsteigen und mit einem Arbeitsvertrag aussteigen.

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    "Wir brauchen neue Fahrerinnen und Fahrer, 300 allein in diesem Jahr, und der Arbeitsmarkt in München ist so leergefegt, dass man mit einfachen Stellenanzeigen nicht mehr die ausreichende Anzahl an Bewerbern einstellen könnte", erklärt MVG-Sprecher Matthias Korte. Man müsse auf sich aufmerksam machen und im positiven Sinn aus dem Rahmen fallen. "Eine Stellenanzeige kann jeder, einen Infostand kann jeder, aber eine Bewerbungstram gibt es nur bei uns."

    "Bewerbungstram" der MVG fährt die zweite Runde

    Das Prinzip: Bewerber können einfach zusteigen, sich informieren und Vorstellungsgespräche führen. Im Idealfall bekommen sie auch noch während der Fahrt eine Zusage. Eine vorherige Anmeldung ist nicht nötig. Die Tram startet heute um 10 Uhr und um 12.15 Uhr am Pasinger Bahnhof, macht dann jeweils auch am Lenbachplatz und an der Großhesseloher Brücke Station und fährt wieder zurück. Schon Anfang Februar war eine "Bewerbungstram" unterwegs gewesen und auf große Resonanz gestoßen.

    Arbeitsmarkt: Die Kandidaten müssen umworben werden

    Damit hat die MVG die Zeichen der Zeit richtig erkannt, findet Sven Laumer. Der Recruitment-Experte der Universität Erlangen-Nürnberg weiß, wie schwer sich Unternehmen inzwischen in vielen Branchen und Tätigkeitsfelder tun, Kandidaten zu finden. "Der Arbeitsmarkt hat sich gedreht, ist ein Kandidaten-Arbeitsmarkt geworden. Da muss man in der Tat immer wieder auch neue Wege gehen."

    Mit einer Pizza Arbeitnehmer abwerben

    So habe beispielsweise eine Marketingagentur Kollegen abgeworben, indem sie ihnen spätabends Pizza bringen ließ – und auf einem beiliegenden Zettel darauf hinwies, dass die eigenen Mitarbeiter keine Nachtschichten schrubben müssten. Im Stuttgarter Raum wiederum konnte ein kleines Unternehmen den Platzhirschen Daimler, Porsche und Bosch bei der Suche nach guten Azubis die Stirn bieten, weil es herausfand, dass es in der Region eine sehr aktive Carrera-Szene gab – und die technikbegeisterten Jugendlichen dort direkt per Bandenwerbung ansprach.

    Erst Überraschungseffekte, dann langfristige Anwerbestrategie

    Laumer weiß aber auch: "Überraschungseffekte sind das eine, da kann man kurzfristig eine gewisse Welle erzeugen. Man braucht aber natürlich auch eine mittel- oder langfristige Strategie: Wer ist die Zielgruppe, wie finde ich sie und wie spreche ich sie an?"

    Mitarbeitersuche: MVG muss lernen, wie ein Fisch zu denken

    Um zu illustrieren, wie Personalabteilungen gerade in schwierigen Bewerbermärkten wie im ÖPNV vorgehen sollten, wählt Laumer ein Bild: "Ein Fischer, der weiß, dass viele Fische im Wasser sind, wirft ein Netz aus und wählt die besten Fische aus." Das entspreche dem herkömmlichen Vorgehen mit Stellenanzeigen. "Wenn ich merke, dass es schwierig wird, muss ich anfangen, wie ein Fisch zu denken: Wo in diesem Teich würde ich mich aufhalten, welcher Köder würde mich anlocken?"