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Bewährungsstrafe im Prozess um Sterbehilfe in Regensburg | BR24

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Weil er seine krebskranke Freundin mit einer Überdosis Heroin von ihrem Leiden erlösen wollte, musste sich ein 40-Jähriger vor dem Landgericht in Regensburg verantworten. Jetzt steht das Urteil fest: Der Mann bekommt eine Bewährungsstrafe.

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Bewährungsstrafe im Prozess um Sterbehilfe in Regensburg

Weil er seine krebskranke Freundin mit einer Überdosis Heroin von ihrem Leiden erlösen wollte, musste sich ein 40-Jähriger vor dem Landgericht in Regensburg verantworten. Jetzt steht das Urteil fest: Der Mann bekommt eine Bewährungsstrafe.

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Sechs Monate Freiheitsstrafe, ausgesetzt zur Bewährung - so lautet das Urteil des Regensburger Landgerichts gegen einen Mann der seine krebskranke Freundin mit einer Überdosis Heroin von ihrem Leiden erlösen wollte. Das Gericht verurteilte den Mann wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung in einem minderschweren Fall.

Billigend den Tod der Schwerkranken in Kauf genommen

Nach Ansicht des Gerichts hat die Hauptverhandlung ergeben, dass der 40-Jährige im Mai 2018 seiner drogenabhängigen Freundin eine hohe, tödliche Dosis Heroin verabreicht hat. Dabei habe er billigend in Kauf genommen, dass das Leben der 27-Jährigen verkürzt werde, wenn auch in diesem Fall wohl nur um kurze Zeit. Der Angeklagte wurde trotzdem nicht wegen Totschlags, sondern nur wegen versuchten Totschlags verurteilt, da die Frau bereits im Sterben lag. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass sie letztlich doch ihrem Krebsleiden erlegen sei und nicht dem Heroin.

"Sie hätte jeden Moment sterben können, warum nicht gerade in dem Moment, als das Heroin verabreicht wurde." Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung.

Frau lag bereits im Sterben

Bereits mehrere Stunden zuvor hatte ein Arzt festgestellt, dass die Frau im Sterben lag. Da sie drogensüchtig war, kamen am Abend noch Entzugserscheinungen wie unstillbares Erbrechen dazu. Die Frau habe nur noch gestöhnt, sei nicht mehr ansprechbar gewesen, so das Gericht. Der ebenfalls drogenabhängige Angeklagte habe ihr dann das Heroin verabreicht - einem Rechtsmediziner zufolge die 55-fache Menge einer tödlichen Dosis Heroin.

Bewährungsstrafe sei gerechtfertigt

Obwohl der Mann bereits in zahlreichen Fällen vorbestraft war, verhängte das Gericht noch eine Bewährungsstrafe. Das sei gerechtfertigt, da die letzte Verurteilung bereits drei Jahre zurückliege und der Mann durch die Pflege seiner todkranke Freundin gezeigt habe, dass er seine eigenen Interessen hintenanstellen könne, sagte der Richter. Rührend habe er sich um die schwerkranke 27-Jährige gekümmert, betonte der Richter. Er habe ihr die Windeln gewechselt, sie gewaschen und die Bettlaken ausgetauscht.

Angeklagter hat sich großer Verantwortung gestellt

"Was Sie für ihre Freundin getan haben, ist nicht hoch genug einzuschätzen. Sie haben sich hier als menschliches Vorbild gezeigt", sagte der Richter. Drogenabhängigen werde oft vorgeworfen, durch die Sucht der Realität und Verantwortung des Lebens entkommen zu wollen. Hier sei genau das Gegenteil passiert; der Angeklagte habe sich dieser großen Verantwortung gestellt, so der vorsitzende Richter.

Heroin kein adäquates Mittel für Sterbehilfe

Die Verteidiger des Mannes hatten auf Freispruch plädiert. Straffrei könne die Sterbehilfe in diesem Fall aber nicht bleiben, so der vorsitzende Richter. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs wäre so eine Ausnahme nur möglich, wenn ein Arzt mit Medikamenten eingegriffen hätte. Das vom Angeklagten verabreichte Heroin sei für so einen Fall kein adäquates Mittel gewesen. Die 27-Jährige hinterlässt drei Kinder.