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Experte nach Angriff auf Tiere in Betzenstein: "Es war ein Wolf" | BR24

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In der Fränkischen Schweiz hat vermutlich erneut der Wolf zugeschlagen. Ein oder mehrere Tiere streifen durch die Wälder bei Betzenstein. Nun wurden in einem Wildgehege im Landkreis Bayreuth 18 tote Tiere gefunden.

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Experte nach Angriff auf Tiere in Betzenstein: "Es war ein Wolf"

Nach den beiden Attacken auf Wildtiere in Betzenstein, verdichten sich die Anzeichen, dass es tatsächlich Wolfsangriffe waren. Die im angrenzenden Veldensteiner Forst lebenden Raubtiere, könnten ihr Beuteschema geändert haben, glaubt ein Experte.

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Von
  • Thorsten Gütling
  • Henry Lai

Nachdem 18 tote Tiere in einem Wildgehege bei Betzenstein gefunden wurden, ist sich ein Experte der Regierung von Oberfranken nun sicher: Das Damwild ist einem oder mehreren Wölfen zum Opfer gefallen. Wie der Biologe und Wildtiermanager der Regierung von Oberfranken, Karsten Gees, im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk sagt, spreche das Bild, das sich ihm vor Ort geboten habe, für einen Angriff durch den Wolf.

Wildtierexperte geht von Angriff durch Wolf aus

Bei dem Vorfall seien allen 18 Tieren die Kehlen durchgebissen worden. Einer der Kadaver zeige zudem ein für Wölfe typisches Fraßbild. Auch wenn die genetische Auswertung der Spuren durch das Landesamt für Umwelt wohl bis zu zwei Wochen dauern werde, zeigte sich Gees im Gespräch mit der regionalZeit auf Bayern 2 überzeugt: "Es war auf jeden Fall ein Wolf."

Wie viele Wölfe in das Wildgehege im Betzensteiner Ortsteil Illafeld eingedrungen seien, könne unterdessen noch nicht gesagt werden. Zwar sei der Zaun an einer Stelle untergraben worden, über die Anzahl der eingedrungenen Tiere lasse das aber keine Rückschlüsse zu.

Auch ob die Tiere aus dem Rudel des nahe gelegenen Veldensteiner Forsts stammen, könne erst nach Auswertung der DNA-Proben sicher gesagt werden. Genauso gut könne es sich um einen Wolf handeln, der die Region durchwandere. Wölfe könnten pro Nacht Entfernungen von bis zu zehn Kilometern zurücklegen, so Gees.   

Gehege ist für Wölfe "ein gedeckter Tisch"

Dass ein Tier alleine eine derart große Anzahl an Wild reißt, hält der Biologe für durchaus möglich. Während sich der Wolf in freier Wildbahn mit dem schwächsten Tier einer Gruppe zufrieden gebe und dieses nach dem Reißen in Ruhe auffräße, gleiche ein Wildgehege einem "gedeckten Tisch", da es das Wild an der Flucht hindere. Das Verhalten der Wölfe sei der Gatterhaltung geschuldet, so Gees, der in den Vorfällen bei Betzenstein aber auch eine neue Dimension erkennt.

Wölfe im Veldensteiner Forst ändern offenbar Jagdverhalten

Schon vor Jahren hätten sich Wölfe im Veldensteiner Forst angesiedelt. Jetzt hätten sie offenbar bemerkt, dass sich das Wild in Gattern leichter jagen lasse, als in freier Wildbahn. Um den nötigen Respekt der Wölfe vor dem Gattervieh wiederherzustellen, wirbt Gees für den bayerischen "Aktionsplan Wolf". Über diesen fördere der Freistaat Elektrozäune dort zu 100 Prozent, wo Wild, Kühe oder Schafe vor standorttreuen Wölfen geschützt werden müssten.

Das bestätigte auch ein Sprecher des Landesamts für Umwelt (LfU) in Augsburg gegenüber dem BR und spricht von einer "bayerischen Besonderheit". Nach dem mutmaßlichen Wolfsangriff in Oberfranken hatte der Bayerische Bauernverband kritisiert, dass zwar die Errichtung dieser Schutzzäune finanziell abgedeckt sei, aber nicht die Pflegemaßnahmen. Das sei nach Angaben des LfU-Sprechers auch nicht geplant.

Landesamt für Umwelt unterstützt Landwirte

Auch Christian Tausch, der Leiter der Abteilung für Naturschutz und damit auch zuständig für das Wildtiermanagement beim Landesamt für Umwelt, versicherte gegenüber dem BR, dass die Behörde den betroffenen Landwirten aktuell beim Errichten von Schutzzäunen helfe und auch über die entsprechenden Fördermaßnahmen informiere.

Dass der Wolf in Betzenstein womöglich gleich zwei Mal innerhalb von sieben Tagen zugeschlagen habe, sei "ungewöhnlich", so Tausch. Erst am Samstag waren sieben tote Wildtiere in einem nur zwei Kilometer entfernten Gehege in Riegelstein aufgefunden worden. "Da ist wahrscheinlich im Rudel eine Bewegung, die wir noch nicht genau analysieren können", sagte Tausch.

Auf Anfrage des BR hatte die Polizei von einer "99 prozentigen Sicherheit" gesprochen, dass es sich bei den Angreifern in Riegelstein um einen oder mehrere Wölfe gehandelt habe. Nach Absprache mit Jägern und dem Wolfbeauftragten des Veldensteiner Forsts sei es unwahrscheinlich, dass die Tiere von einem Hund gerissen wurden, so die Polizei.

Hundebesitzer sollen Wälder meiden

Apropos Hund: Den Bürgern rund um Betzenstein rät Wildtierexperte Gees, gerade in der Paarungszeit der Wölfe nicht mit Hunden in den Wald zu gehen. Dann nämlich interessiere sich der Wolf besonders für seine nahen Artgenossen und folge den Tieren oft im Abstand von etwa 100 Metern. "Das muss man aushalten, oder in dieser Zeit besser auf freiem Feld laufen", so Gees. 

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Unter Experten herrscht Einigkeit, dass ein Wolf die 18 Wildtiere in Betzenstein gerissen hat.

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Streifen Wölfe durch die oberfränkische Stadt Betzenstein und Umgebung? Und haben sie die Wildtiere gerissen, die in den vergangenen Tagen tot aufgefunden wurden? Das vermuten jedenfalls mehrere Experten.