BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Betrug an todkrankem Mann: Über drei Jahre Haft für Angeklagten | BR24

© BR Fernsehen

Die Forderungen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung klafften vor Gericht in Würzburg weit auseinander. Nun steht fest: Ein 42-Jähriger Polizist muss für über drei Jahre in Haft. Er soll seinen krebskranken Vermieter um viel Geld gebracht haben.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Betrug an todkrankem Mann: Über drei Jahre Haft für Angeklagten

Die Forderungen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung klafften vor Gericht in Würzburg weit auseinander. Nun steht fest: Ein 42-Jähriger muss für über drei Jahre in Haft. Er soll seinen krebskranken Vermieter um hohe Geldbeträge gebracht haben.

Per Mail sharen

Drei Jahre und drei Monate Haft: So lautet das Urteil gegen einen 42 Jahre alten Polizisten. Das Würzburger Amtsgericht lastet ihm Betrug und unerlaubten Drogenbesitz an. Damit folgt das Gericht größtenteils den Forderungen der Staatsanwaltschaft, die eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten gefordert hatte. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Polizist steckte Geld in eigene Tasche

Die Verteidigung hatte bezüglich des Betrugs auf Freispruch plädiert, für den Drogenbesitz auf neun Monate auf Bewährung. Laut Anklage hatte der 42-Jährige seinem krebskranken Vermieter vorgegaukelt, einen hohen fünfstelligen Betrag unter anderem für die Pflege- und Krankenkasse zu benötigen. Tatsächlich hat sich der Polizist das Geld aber in die eigene Tasche gesteckt. "Wir haben so viel wie möglich zu Ihren Gunsten vom dem hohen Betrag abgezogen", sagte der Richter zur Urteilsbegründung. So spielen für das Urteil noch rund 55.000 Euro eine Rolle.

Angeklagter habe Vertrauen des Vermieters missbraucht

Für den Angeklagten spreche, laut Gericht, dass der Mann nicht vorbestraft sei. "Aber das erwarte ich auch von einem Polizeibeamten", sagte der Vorsitzende Richter. Gegen den Angeklagten spreche, dass der 42-Jährige das Vertrauen seines krebskranken Vermieters ausgenutzt habe: "Ein Mann, der um sein Leben gekämpft und Ihnen vertraut hat."

Dass der Polizist es nur gut gemeint habe mit seinem Vermieter, dazu würden dem Gericht keine Beweise vorliegen: "Alles sei mit Ihrem Vermieter abgesprochen gewesen, sagten Sie. Aber da frage ich mich doch, warum Sie nie etwas schriftlich festgehalten haben", sagte der Richter in Richtung des Angeklagten. Der 42-Jährige ist derzeit als Polizist suspendiert, aber noch nicht aus dem Dienst entlassen.

Polizist bestreitet Betrugsvorwürfe

Ende September beim Prozessauftakt bestritt der Angeklagte die Betrugsvorwürfe. Der geschädigte Mann war seit 1998 der Vermieter des Angeklagten. Der Polizist hatte sich um ihn gekümmert, als er 2017 unheilbar erkrankte. "Es war ein Geben und Nehmen", sagte der Beschuldigte an einem der vorherigen Prozesstage. Sein Vermieter hatte eine Gehbehinderung, war auf Hilfe angewiesen und erkrankte an Krebs. Der todkranke Vermieter verstarb Anfang 2018, kurz zuvor konnte er noch vernommen werden.

Beschuldigter kaufte größere Menge Drogen

Neben dem mutmaßlichen Betrug war der Mann auch wegen des Kaufs von 200 Gramm Marihuana und des Besitzes von 170 Gramm Haschisch angeklagt. Den Drogenmissbrauch gab er zu. Nicht alle Anklagepunkte sind jedoch ins Urteil eingeflossen. Bei manchen Zahlungen konnte nicht zweifelsfrei nachgewiesen, dass es sich um Betrugsfälle handelt.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!