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Betriebliche Weihnachtsfeier - muss ich da hin? | BR24

© Mittags in Schwaben

Der Advent ist auch die Zeit betrieblicher Weihnachtsfeiern. Die einen freuen sich, die anderen meiden sie lieber. Muss man als Arbeitnehmer hin? Wie soll man sich kleiden? Antworten gibt Martin Maties, Professor für Arbeitsrecht und Knigge-Trainer.

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Betriebliche Weihnachtsfeier - muss ich da hin?

In der Adventszeit stehen auch betriebliche Weihnachtsfeiern an. Muss man da als Arbeitnehmer verpflichtend hin? Wie soll man sich kleiden? Und darf man mit Kollegen flirten? Der Augsburger Jura-Professor und Knigge-Trainer Martin Maties gibt Tipps.

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Martin Maties ist Professor für Arbeits- und Sozialrecht an der Uni Augsburg und zertifizierter Knigge-Trainer. So bietet der 43-Jährige unter anderem auch seinen Studenten Benimm-Kurse an. Im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk erläutert Maties die rechtlichen Hintergründe der betrieblichen Weihnachtsfeiern und gibt Tipps, wie man sich auf der betrieblichen Weihnachtsfeier verhalten und zu welchen Kleidern man greifen sollte.

BR: Es gibt ja Menschen, die ungern auf eine Weihnachtsfeier gehen. Wenn der Chef aber eine Betriebsweihnachtsfeier ankündigt, muss man dann als Arbeitnehmer hingehen?

Martin Maties: Ob Sie müssen, richtet sich arbeitsrechtlich nach der Frage: Ist es Arbeitszeit, und ist es vertraglich dann geschuldet? Dann müssen Sie konsequenterweise auch erscheinen. Dann ist es eine Teambuilding-Maßnahme, an der Sie verpflichtet sind teilzunehmen. Allerdings auch nur dann, wenn es Arbeitszeit ist, wenn der Chef das also anordnet. In der Regel wird es aber so sein, dass es eine freiwillige Veranstaltung ist, im privaten Freizeitbereich, allerdings mit betrieblichem Bezug. Das bedeutet, Sie müssen bestimmte Formen einhalten, weil es sonst rechtliche Konsequenzen geben kann.

Was trage ich am besten? Es ist eine Feier, ist es angebracht, da eher schick zu kommen oder doch so wie ich will?

Bei der Wahl der Kleidung für die Weihnachtsfeier sollte man sich daran orientieren, wie das Unternehmen aufgestellt ist, also eher modern oder doch konservativ. Für Herren empfiehlt sich grundsätzlich: saubere und gepflegte Kleidung, die aufeinander abgestimmt sein sollte. Gürtel und Schuhe sollten farblich zueinander passen. Insgesamt sind gedecktere Farben wie Schwarz, Anthrazit, Weiß, Blau, Grau üblich. Es kann aber auch mal ein dezenter Grünton sein.

Bei den Damen ist die wichtigste Regel: nicht überladen sein. Sie sind zwar auf einer Weihnachtsfeier, aber Sie sind kein Weihnachtsbaum. Zum anderen sollte man Ausschnitte vermeiden, das betrifft sowohl das Dekolleté als auch den Rücken. Auch der Bereich oberhalb des Knies sollte bedeckt sein, von kürzeren Sachen ist eher abzuraten.

Darf man flirten auf einer betrieblichen Weihnachtsfeier?

Wenn Sie Knigge-Trainer fragen, werden Sie unterschiedliche Antworten bekommen. Einige sagen, Flirten geht nicht. Ich sehe das differenziert. Es ist auf einer Weihnachtsfeier wie immer im Leben: Sie wollen niemanden in die Zwangslage bringen, dass er sich schlecht positioniert. Sie dürfen natürlich einem Menschen ein Kompliment machen, das bringt eine Person normalerweise nicht in Misskredit oder ist ihr unangenehm.

Aber ein Flirten verlässt dann die Grenzen, wenn es dem anderen unangenehm ist. Wenn Sie flirten wollen, müssen Sie es auf einer ganz subtilen, vorsichtigen Ebene tun. Verfahren Sie nach dem Spiegelbild-Prinzip: Spiegelt der andere das wider, gibt er Ihnen ein Feedback? Dann dürfen Sie im geringsten Maße weitermachen. Aber da die meisten auf einer Weihnachtsfeier nicht alleine sind, müssen Sie stets bedenken, dass Ihr Flirtversuch von anderen erkannt wird und Sie dann als Casanova der Weihnachtsfeier gelten werden in den nächsten Jahren. Seien Sie also sicher, dass Sie auf einer sehr weit entfernten Ebene flirten, was sie auch schon durch körperlichen Abstand zum Ausdruck bringen.

Worüber kann ich mich mit meinen Kollegen, mit meinem Chef unterhalten? Gibt es Themen, die absolut tabu sind?

Beim Smalltalk gibt es Bereiche, die man vermeiden muss, und Bereiche, die sich als optimal erwiesen haben. Oberstes Knigge-Gebot ist, niemanden zwanghaft zu involvieren. Sie wollen niemanden in eine Situation bringen, die für ihn unangenehm ist. Vermeiden Sie also alle Aspekte, die Krankheiten betreffen. Das gilt auch für Religion, denn darüber kann man trefflich streiten. Und Berufliches gehört eigentlich auch nicht auf eine Weihnachtsfeier, es sei denn der Vorgesetzte oder Chef spricht es an, dann können Sie es nicht vermeiden. Ein absolutes No-Go ist es auch, über Gehälter zu reden. Sie wollen nicht diese lockere Atmosphäre, die vielleicht dem Alkohol auch geschuldet sein könnte, dazu nutzen, eine Gehaltserhöhung klarzumachen.

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In vielen Betrieben stehen im Advent Weihnachtsfeiern an. Darf man Vorgesetzte dort duzen? Und wie geht es am Tag danach im Betrieb weiter? Antworten gibt Martin Maties, Professor für Arbeitsrecht und Knigge-Trainer.

Mit vielen Kollegen ist man per Du, mit den meisten Vorgesetzten per Sie. In der feucht-fröhlichen feierseligen Stimmung kann es passieren, dass der Chef das "Du" anbietet und am nächsten Tag nichts mehr davon weiß. Wie geht man damit um?

Beim „Du" gibt es einige Stolpersteine. Es gibt eine relativ moderne Möglichkeit, die Vorgesetzte auch teilweise pflegen. Das wird das "Golfplatz-Du" genannt. Das bedeutet, Sie bieten jemandem für einen gewissen Zeitraum das "Du" an. Das hat sich im Bereich des gemeinsamen Golfsports etabliert. Ich würde aber davon dringend abraten. Überlegen Sie sich, wer wem das "Du" anbietet. Im Betrieb gilt, egal vom Alter, Ober schlägt Unter. Sie bieten also nie von unten nach oben an. Das heißt, der Vorgesetzte bietet das "Du" an. Und auf gleicher Ebene gilt, dass der Ältere dem Jüngeren das Du anbieten kann.

Wenn Ihnen ein "Du" angeboten wird, sollte man sich das überlegen. Man darf ein "Du" auch ablehnen. Wenn der Vorgesetzte auf der Weihnachtsfeier das "Du" angeboten hat, eventuell ein Glas oder zwei getrunken hat, sollte man am nächsten Tag erstmal vorsichtig warten und schauen, wie spricht mich diese Person an. Wenn Sie die Person zuerst ansprechen müssen, würde ich auch vorsichtshalber mit einem "Sie" beginnen. Denn falls sich die Person nicht mehr daran erinnert, dann geben Sie ihr die Möglichkeit, sich zurückzuziehen und das Gesicht zu wahren.