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Betriebe und Azubis finden heuer im Handwerk nicht zueinander | BR24

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Immer weniger Jugendliche in Unterfranken machen eine Ausbildung im Handwerk. Dabei haben gerade Betriebe aus dieser Branche gezeigt, dass sie krisenfest sind. Und obwohl viele die Corona-Pandemie schwer getroffen hat, bilden sie weiter aus.

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Betriebe und Azubis finden heuer im Handwerk nicht zueinander

Immer weniger Jugendliche in Unterfranken machen eine Ausbildung im Handwerk. Dabei haben gerade Betriebe aus dieser Branche gezeigt, dass sie krisenfest sind. Und obwohl viele die Corona-Pandemie schwer getroffen hat, bilden sie weiter aus.

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Von
  • Carolin Hasenauer

Im unterfränkischen Handwerk sind bislang weniger Ausbildungsverträge abgeschlossen worden als in den Vorjahren. Grund ist die Corona-Pandemie. Die rund 130 verschiedenen Ausbildungsberufe im unterfränkischen Handwerk sind jedoch ganz unterschiedlich von der Krise betroffen: Gerade Betriebe aus dem Dienstleistungssektor wie Friseur, Kosmetik, der Gesundheitsbranche aber auch Zulieferbetriebe im Elektro und Automobilbereich haben durch Corona schwer gelitten. Ludwig Paul, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Unterfranken, vermutet, dass "es eine Art Zurückhaltung auf beiden Seiten gibt. Fast wie eine Corona-Starre, würde ich sagen. Die Betriebe sind zögerlich, die Auszubildenden selbst aber auch."

Ein Grund: Info-Kampagnen mussten ausfallen

Deshalb sei es jetzt wichtig, nicht nachzulassen, weiter um Auszubildende zu werben. Und das muss in diesem Jahr anders gehen als normalerweise: Plakate und Online-Werbung statt Berufsberatung und Informationskampagnen. Große Informationsmessen für Ausbildungsberufe sind wegen der Corona-Krise abgesagt worden, Berufsberater konnten in den Schulen nicht für das Handwerk werben. Auch Praktika zur Orientierung waren über Monate nicht möglich. Gleichzeitig habe das Handwerk nicht nur in Unterfranken, sondern deutschlandweit, gezeigt: Wir sind krisenfest. "Das Handwerk ist ein Stabilitätsfaktor in der deutschen Wirtschaft. Das sollte für junge Menschen ein Fingerzeig sein: Wer Stabilität und Sicherheit haben möchte, ist im Handwerk gut aufgehoben", betont Paul.

Fahrradbranche boomt - und bildet aus wie immer

So etwa die Fahrrad-Branche: Bei "velotech.de" in Schweinfurt hat Geschäftsführer Marco Brust langsam sogar Probleme, die zu prüfenden Fahrräder unterzubringen. "Wir haben gemerkt, dass es mehr geworden ist. Die Problematiken, die für viele mit Corona zusammenhängen, haben uns nicht betroffen. Im Gegenteil: Die Leute nutzen viel häufiger das Fahrrad, um von A nach B zu kommen", erklärt Brust. Deshalb stellt er wie schon im vergangenen September auch in diesem Jahr wieder zwei Auszubildende ein. "Einen zukunftssicheren Platz zu haben und später einen guten Job zu bekommen, das ist schon ein gutes, sicheres Gefühl", sagt Hannes Schuler, Auszubildender im ersten Lehrjahr. Probleme, die zwei Lehrstellen zu besetzen, hatte Brust nicht.

Baubranche zwar krisenfest, aber unbeliebt

Das sieht bei anderen weniger gut aus: Obwohl die Baubranche absolut krisenfest durch die Corona-Pandemie gekommen ist und die Aussichten auf einen sicheren Job gegeben sind, mangelt es an Bewerbern für die freien Stellen. So etwa beim Bauunternehmer "Keller&Kiesel" in Eisingen: Hier sei nicht Corona das Problem, sondern es sei grundsätzlich schwer, junge Leute für den Maurer-Beruf zu gewinnen. Doch auch für alle anderen rund 1300 freien Lehrstellen hofft die Handwerkskammer Unterfranken auf eine hohe Zahl an Nachvermittlungen. Wie viele Lehrstellen aktuell schon vermittelt sind und welche noch offen sind, wie der Vergleich zum Vorjahr aussieht, erfragt die Handwerkskammer Unterfranken gerade bei allen Betrieben. Bis Mitte Juli erwarten sie die Rückmeldungen.

Ausbildungsbonus nur eine schöne Idee?

Anreiz könnte auch der geplante Ausbildungsbonus aus dem Konjunkturpaket der Bundesregierung sein. Demnach sollen Betriebe, die genauso viele Lehrlinge ausbilden, wie im letzten Jahr, 2000 Euro bekommen, wer mehr ausbildet sogar 3000 Euro. Für Paul zwar eine schöne Idee, aber nicht genug: "Noch besser wäre natürlich gewesen, generell ein Zeichen für die berufliche Bildung zu setzen. Und eben nicht nur an krisengeschädigte Betriebe zu zahlen, sondern an alle eine solche Unterstützung zu liefern." Und auch Tobias Meyer, Geschäftsführer von "Auto Meyer" in Ochsenfurt, ist eher skeptisch: "Ich schau mir das erstmal an - solche Subventionen sind ja auch immer an Bedingungen geknüpft. Aber ansonsten finde ich super, dass das Handwerk damit Wertschätzung erfährt." Und vor allem diejenigen Betriebe, die ausbilden. Denn eine Ausbildung kostet Zeit und Geld, sagt Sabine Hertlein von "Hörwelt Hertlein" in Schweinfurt: "Das ist natürlich ein Mehraufwand. Gleichzeitig nimmt uns die Auszubildende auch viel Arbeit ab." Sie hat im Juni eine Auszubildende aus einem anderen Betrieb übernommen. Das Versprechen hatte sie bereits im Januar gegeben – und trotz der Schwierigkeiten, die sie mit ihrem Betrieb wegen der Corona-Krise hatte, nicht gebrochen. "Mir ist es sehr wichtig, da eine Sicherheit zu geben. Und außerdem leben wir letztlich davon, dass wir Nachwuchs bekommen."

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Bildrechte: BR/ Carolin Hasenauer

Immer weniger Jugendliche in Unterfranken machen eine Ausbildung im Handwerk. Dabei haben gerade Betriebe aus dieser Branche gezeigt, dass sie krisenfest sind. Und obwohl viele die Corona-Pandemie schwer getroffen hat, bilden sie weiter aus.

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