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Best of: Politischer Aschermittwoch in Bayern | BR24

© BR/Mato Weiland

BR24 Politischer Aschermittwoch

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Best of: Politischer Aschermittwoch in Bayern

Der Politische Aschermittwoch hat eine Tradition von über 100 Jahren in Bayern. Bierzelt, Sprüche, verbale Attacken - die Reden der Politiker finden in ganz Deutschland Beachtung. Unvergessen sind Sprüche von Franz Josef Strauß.

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Von
  • Meike Föckersperger
  • Katharina Häringer
  • BR24 Redaktion

Das Jahr 1919 gilt als Geburtsstunde des Politischen Aschermittwochs. Die Partei "Bayerischer Bauernbund" rief damals zum ersten Mal zu einer solchen Kundgebung auf. Nach dem Zweiten Weltkrieg führte die Bayernpartei die Tradition fort und lieferte sich mit der CSU die ersten Fernduelle. Ein Rückblick auf Aschermittwochs-Reden aus den vergangenen Jahren:

Deftige Sprüche von Franz Josef Strauß

Der langjährige CSU-Chef und Ministerpräsident Franz Josef Strauß (CSU) gilt vielen als Maßstab für die Rednerinnen und Redner am Politischen Aschermittwoch. Strauß prägte wie kein anderer die bissigen Reden des Politischen Aschermittwochs und sorgte über die Jahre für deftige Sprüche.

Beim Aschermittwoch 1970, damals noch in Vilshofen, griff Strauß unter anderem die Ostpolitik der sozialliberalen Regierung Brandt an: "Mir sträuben sich die Haare, wenn ich sehe, wie der dilettantische Amateurdiplomat Bahr in Moskau über Fragen verhandelt, von denen die Zukunft ganz Europas abhängen könnte."

Strauß: Rot-gelbe Regierung hätte "Saustall angerichtet"

1975 wurde der Politische Aschermittwoch erstmals in der Nibelungenhalle in Passau ausgerichtet, da mehr Platz benötigt wurde. Damals warf Strauß der SPD/FDP-Regierung vor, einen "ungeheuren Saustall" angerichtet zu haben.

1977 verglich er die Sozialdemokraten mit dem auf den Weltmeeren herumirrenden Christoph Kolumbus:

"Auch er hat nicht gewusst, woher er kam, er hat nicht gewusst, wohin er fuhr, als er ankam, hat er nicht gewusst, wo er war, als er zurückkam, konnte er nicht sagen, wo er gewesen war - und all das mit fremdem Gelde." Franz Josef Strauß (CSU)

Strauß hat auch früh erkannt, dass man als Redner beim Politischen Aschermittwoch vor einem Dilemma steht: "Entweder beschränkt man sich auf einige kraftvolle Aussagen, denen natürlich sofort der Ruch der Demagogie angehängt wird. Dann heißt es, man habe mit billigen und plumpen Emotionen versucht, Begeisterungsstürme zu entfesseln. Oder man spricht sachgebunden. Dann heißt es, so ganz ist er auch nicht mehr der Alte."

Nach dem Tod von Strauß im Jahr 1988 sind viele andere Politikerinnen und Politiker in Vilshofen und Passau ans Rednerpult getreten. Auch sie bemühen sich bis heute um möglichst deftige und pointierte Sprüche.

Edmund Stoiber und Pep Guardiola

Beim politischen Aschermittwoch 2013 hat der ehemalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber in der Dreiländerhalle in Passau auf die Fußballkarte gesetzt. Er habe ganz genau gewusst, warum der spanische Fußballtrainer Pep Guardiola nach Bayern komme:

"Warum geht der nach Bayern? In erster Linie natürlich, weil er zu einem bestgeführten Verein der Welt kommt. Aber das alleine ist es nicht, der Mann ist verheiratet, hat drei Kinder, da hat er überlegt, wo geh ich denn hin? Wo läuft es wirtschaftlich? Läuft das wirklich so gut in Mailand oder Madrid oder Lissabon? Wo gibt es keine Schuldenkrise? Wo kann man sicher leben? Wo bekommen die Kinder eine gute Bildung? Wo ist die soziale Struktur intakt. Wo gibt es eine schöne Landschaft und eine reiche Kultur? Wo sind die politischen Verhältnisse stabil? Und was ist die Antwort? Pep Guardiola kommt nach Bayern!" Edmund Stoiber (CSU)
© BR

Beim politischen Aschermittwoch 2013 hat der ehemalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber in der Dreiländerhalle in Passau auf die Fußballkarte gesetzt.

Scheuer und die "Schmarotzer"

Im Jahr 2014 startete der damalige CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer einen Frontalangriff auf die EU-Kommission: "Wir brauchen keine Einigung mit einer Flaschenmannschaft, die ganz Europa durcheinanderbringt." Und über den Zuzug von Ausländern sagte er, "dass Freizügigkeit in Europa nicht den Zuzug in unser nationales Sozialsystem bedeuten kann. Wer schmarotzt, braucht gar nicht erst zu kommen, liebe Freunde!"

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Andreas Scheuer über den Zuzug von Ausländern

Aiwanger stänkert gegen die CSU

Natürlich gab es auch immer wieder scharfe Worte gegen die CSU. Der Bundes- und Landesvorsitzende der Freien Wähler, Hubert Aiwanger, stänkerte 2015 in Deggendorf:

"Wenn am Aschermittwoch Fleisch gegessen werden dürfte, könnte die Lieferung aus der CSU-Zentrale kommen. So viele lahme Enten gibt es dort." Hubert Aiwanger, ehemaliger Parteichef der Freien Wähler
© picture alliance/dpa/Armin Weigel

Der damalige Bundes- und Landesvorsitzende der Freien Wähler (FW), Hubert Aiwanger, beim Politischen Aschermittwoch in Deggendorf 2015

Politischer Aschermittwoch in Corona-Zeiten

Statt Biertische aufzubauen, werden in diesem Jahr Kameras in Position gebracht. Die Vorbereitungen für den digitalen Politischen Aschermittwoch laufen. Alle Parteien bauen TV-Studios auf, aus denen live gestreamt wird, vier Parteien kommen dafür sogar wieder nach Niederbayern.

Generalsekretär Markus Blume und Ministerpräsident Markus Söder werden aus diesem Studio heraus ihre Reden halten. Der CDU-Vorsitzende Armin Laschet wird zugeschaltet. Damit es sich dennoch nach Bierzelt anfühlt, konnten Interessierte Fan-Pakete kaufen mit Bier, Tröte und Fähnchen.

© BR/ Michael Strassmann

Best Of Politischer Aschermittwoch/ Bayern 1

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