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Das Klima verändert sich, Starkregenfälle nehmen zu. Wie Kommunen darauf reagieren können, erforscht das Projekt "Klimawandelanpassung auf regionaler Ebene" (KARE) im Oberland. Weilheim und Garmisch-Partenkirchen wurden als Modellkommunen ausgewählt.

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Besser gewappnet bei Starkregen: So soll Forschung helfen

Das Klima verändert sich, Starkregenfälle nehmen zu. Wie Kommunen darauf reagieren können, wird nun im Oberland erforscht. Untersucht wird die Hochwassertauglichkeit von Garmisch-Partenkirchen und Weilheim. Erste Simulationen zeigen Erstaunliches.

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Von
  • Martin Breitkopf
  • BR24 Redaktion

Rund 70 Liter auf den Quadratmeter in einer Stunde, schnell suchen sich die Wassermassen ihren Weg und sammeln sich in Senken und auf größeren versiegelten Flächen. Noch ist das nur eine Simulation – per Knopfdruck auf die Computertastatur regnet es los – doch es kann jederzeit passieren, das haben die letzten Tage gezeigt.

Erstaunlich: Überschwemmung ohne Flussnähe in Weilheim

Die Simulationsdaten liefern komplett neue Erkenntnisse. Der nördliche Teil von Weilheim mit einem Gewerbegebiet wurde topografisch erfasst, Wetterdaten wurden eingepflegt und dann die Simulation berechnet. Das Erstaunliche: Obwohl weit und breit kein Fluss ist, kommt es zu Überschwemmungen.

Im konkreten Fall ist eine Vertiefung und jede Menge versiegelte Fläche der Grund. Problematisch: Das Wasser könnte Geschäfte, Gewerbe- und Wohnbebauung schwer beschädigen.

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Versiegelte Fläche und Vertiefung könnten zum Problem werden bei einem Starkregenereignis

Hochwasser-Risikoabschätzung soll fit für Klimawandel werden

Durch den Klimawandel sind bisherige Hochwasserkarten veraltet, sagt KARE-Projektleiter Matthias Garschagen, Geowissenschaftler von der Ludwig-Maximilians-Universität München. Er will mit seinem Team das Hochwasserrisiko exakter abschätzen. Auch Sturzflutrisikoanalysen sind angedacht. Die gewonnen Daten sollen in die Städteplanung fließen – wo etwa neue Baugebiete ausgewiesen werden können oder wo eine Versiegelung zur Gefahr werden kann.

Forschungsdaten können Menschenleben und Eigentum schützen

Solche Modellberechnungen sind für Entscheider wie etwa Weilheims Bürgermeister Markus Loth wichtig. Er will sie in seine zukünftigen städtebaulichen Planungen berücksichtigen.

Doch bei bestehender Bebauung wird Hochwasserschutz schwierig – dafür fehlen rechtliche Grundlagen. So könne etwa ein Grundstücksbesitzer nicht verpflichtet werden, seine Versiegelung aufzulockern. Letztlich sei der Gesetzgeber bei solchen Rückbaumaßnahmen gefordert, so Loth. Bisher gebe es keine Handhabe, auch wenn die Hochwassergefahr noch so groß sei.

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Prof. Matthias Garschagen von der LMU, Prof. Stefan Emeis vom KIT und Weilheims Bürgermeister Markus Loth (von links nach rechts).

Klimaforscher: Wir müssen mit dem Wasser leben lernen

Vor Klimaerwärmung und damit auch mehr Extremwetterereignissen warnen Klimaforscher schon lange. Einer von ihnen ist Stefan Emeis vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Er ist Teil der KARE-Forschungsgruppe. Für Emeis ist es nicht fünf vor zwölf, sondern bereits zwölf. Die letzten Wochen seien für ihn ein Beleg dafür gewesen. Höchste Zeit zu handeln, so sein eindringlicher Appell. Der Mensch müsse lernen, mit dem Wasser zu leben. Seiner Meinung nach können die Starkregenereignisse nicht schnell beseitigt werden. Die einzige Lösung sei daher, dem Wasser genügend Raum zu geben.

Weilheim bietet Hochwasser schon jede Menge Platz

Vor den Toren von Weilheim gibt es ein großes Rückhaltebecken. Solche Wasser-Pufferlösungen sind eine Möglichkeit, um das Wasser erst gar nicht in den Ort zu lassen. Auch sonst wurde in Weilheim in den letzten Jahren kräftig in den Hochwasserschutz investiert. Der "Hochwasserschutz Weilheim Süd" umfasst ein ganzes Bündel von Maßnahmen an der Ammer zwischen Oderding und der Kreisstadt – und er ist seit Jahren schon Thema. Weilheim soll dadurch vor einem sogenannten hundertjährlichen Hochwasser (HQ 100) geschützt werden, also einem, wie es – statistisch gesehen – einmal in 100 Jahren vorkommt.

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Hochwasserschutz wird derzeit verbessert an der Ammer

Mammutaufgabe, Städte und Gemeinden hochwasserfit zu machen

Oft ist Hochwasserschutz eine Risikoabwägung - Effizienz, soziale Akzeptanz und politische Umsetzung sowie Kosten spielen eine große Rolle. Der Pilotversuch im bayerischen Oberland will Politiker und Bürger sensibilisieren. Koordiniert wird das ganze Projekt von der LMU München und der Energiewende Oberland (EWO). Zudem sind weitere Verbund- und Projektpartner und lokale Politiker dabei.

Ende 2023 sollen erste belastbare Ergebnisse von KARE vorliegen. Doch schon die ersten Simulationen zeigen, vor welcher Mammutaufgabe Kommunen stehen, wenn sie auf die Folgen des Klimawandel adäquat reagieren wollen.

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