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Immer mehr bayerischen Schulkindern geht die Schreibschrift schwer von der Hand.
© dpa-Bildfunk/Patrick Pleul
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Immer mehr bayerischen Schulkindern geht die Schreibschrift schwer von der Hand.

Die Handschrift der bayerischen Schüler hat sich nach Einschätzung ihrer Lehrer in den vergangenen Jahren deutlich verschlechtert. Den Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) erfüllt dies mit Sorge, denn zugleich gehen die Lehrkräfte einer Studie zufolge nahezu geschlossen davon aus, dass sich eine gute, flüssige Handschrift auch positiv auf andere schulische Leistungen auswirkt.

Ein Drittel der Lehrer beklagt unzureichende Handschrift

Laut BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann beklagt ein Drittel der Grundschullehrer in Deutschland, "dass in der Grundschule es große Schwierigkeiten gibt bei der flüssigen und leserlichen Handschrift von den Schülerinnen und Schülern. Und wenn ein Drittel das doch als eklatantes Problem sieht, dann gilt’s da hinzuschauen."

Kinder tippen schnell, aber schreiben langsam

Der Dachverband Bildung und Erziehung VBE hat zusammen mit dem Schreibmotorik-Institut im fränkischen Heroldsberg 2.000 Lehrer in ganz Deutschland – sowohl an Grund- als auch weiterführenden Schulen – befragt. Das Ergebnis: Fast neun von zehn Pädagogen meinen, die Schüler schreiben heute schlechter als früher, einer von ihnen ist der Grundschullehrer Marcel Metten. Durch das Tippen auf Smartphone und Tablet würden Kinder in ihrer Freizeit eben hauptsächlich tippen. Da brauche man keine "Weltuntergangsstimmung" bekommen, aber Kulturtechniken würden sich eben auch verändern.

Die Handschrift-Studie hat auch Schwächen

Hinzu kommt: Es ist erstmal nur eine Umfrage, und die muss einen nicht sofort kulturpessimistisch stimmen. Elke Inckemann ist Professorin für Grundschulpädagogik an der Ludwig-Maximilians-Universität in München: "Das heißt ja nicht, dass die Schülerschriften objektiv schlechter sind, weil dazu müsste ich den Vergleich haben, ich müsste Schülerschriften von heute mit Schülerschriften von früher vergleichen, und ich müsste auch ganz klare Kriterien haben."

Lehrern fehlt die Zeit, mit Kindern Schreiben zu üben

Die werden in der Umfrage zumindest angedeutet, wenn die Lehrer konkrete Probleme ansprechen: Mal ist die Schrift unleserlich, mal haben die Schüler Probleme, eine gerade Linie zu schreiben, schnell genug mitzukommen oder sich zu konzentrieren. Um aber den Schülern bei solchen Problemen zu helfen, fehlt vielen Lehrern schlicht die Zeit, kritisiert Simone Fleischmann. Schon an der Grundschule müssten die Pädagogen heute viel mehr leisten als früher – die Handschrift komme dann oft zu kurz. Dabei ist die für die Entwicklung der Kinder extrem wichtig.

"Vor allen Dingen, was wir aus der Wissenschaft inzwischen wissen, ist es ganz wichtig, dass die Kinder flüssig und automatisiert schreiben." Elke Inckemann, Professorin für Grundschulpädagogik

Weil man sich erst dann auf das Wesentliche konzentrieren kann: Was schreibe ich eigentlich? Bis man aber an dem Punkt ist, braucht es viel Arbeit. Das Entwickeln einer persönliche Handschrift ist ein erklärtes Ziel im bayerischen Lehrplan.