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Beschwerliche Klimaforschung: mit dem Paddelboot auf den Berg | BR24

© BR/Viktoria Wagensommer

Beschwerliche Klimaforschung: mit dem Paddelboot auf den Berg

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Beschwerliche Klimaforschung: mit dem Paddelboot auf den Berg

Um die Erderwärmung zu untersuchen, waren Klimaforscher des Wasserwirtschaftsamts Kempten und des Bayerischem Landesamts für Umwelt im Allgäu unterwegs. Und zwar an einem abgelegenen Bergsee auf 1880 Metern Höhe.

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Biologe Piet Linde stopft ein kleines Schlauchboot in seinen Rucksack. Nicht gerade das, was man zu einer gewöhnlichen Bergtour einpackt. Er und sein Team wollen am Engeratsgrundsee bei Bad Hindelang das Wasser untersuchen. "Zum Schwimmen ist es einfach zu kalt und die Mitte des Sees ist recht weit vom Ufer entfernt. Damit wir da hinkommen, um unsere Bojenkette zu bergen, brauchen wir das Boot", sagt Linde.

Herausforderung: Messgeräte unter Wasser wiederfinden

Von der Bojen-Kette unter Wasser hängt ab, ob die Forschungsreise ein Erfolg wird. Denn auch wenn der Aufstieg anstrengend ist – noch viel mehr kommen die Forscher ins Schwitzen, wenn sie die Messgeräte unter der Wasseroberfläche nicht finden, um sie auswerten zu können. Im vergangenen Jahr wäre der Aufstieg fast umsonst gewesen. "Letztes Jahr haben wir viel Zeit mit der Suche vergeudet. Es war schon sehr spät. Aber wir haben es gerade noch rechtzeitig zum Auto zurückgeschafft, bevor es dunkel wurde", sagt der Biologe.

Dieses Mal soll es besser klappen. Nach gut einer Stunde ist das Forscherteam beim Engeratsgundsee angekommen. Idyllisch liegt er inmitten der Berge zwischen Alpflächen, auf denen das Braunvieh grast. Ein GPS-Punkt war im vergangenen Jahr zu ungenau, um das Schlauchboot genau zu der Bojenkette zu lotsen. Stattdessen soll dieses Mal eine sogenannte Kreuzpeilung mit markanten Felsen zum Einsatz kommen. Dazu hatte sich der Biologe an der Position, wo die Boje versenkt wurde, Landmarken gesucht. Er muss sich also so bewegen, dass er exakt dasselbe Bild sieht, wie im vergangenen Jahr.

An Bergseen lassen sich Klimaveränderungen gut untersuchen

Für die Bojensuche hat sich Piet Linde mit Wanderstöcken bewaffnet, um die Messgeräte mit den Daten des vergangenen Jahres aus dem See zu angeln. Für das Schlauchboot braucht es hier zwar extra eine Sondergenehmigung. Für die Klimawandel-Forschung ist das aber ein besonders interessanter Ort. "Wir haben hier zwar ein bisschen Tourismus, wir haben auch ein paar Kühe, aber ansonsten sind diese Bergseen besonders unbelastete Systeme und an unbelasteten Systemen kann man bestimmte Fragestellungen besonders gut untersuchen oder Veränderungen feststellen. Die Veränderungen sind unbeeinflusst von anderen Einflüssen", sagt Gewässer-Ökologe Jochen Schaumburg.

Krebse können Hinweise auf Klimawandel geben

Wenn zum Beispiel Ruderfußkrebse, stecknadelkopfgroße Tierchen in den Wasserproben, in einigen Jahren weg sein sollten, dann liegt es wohl am Klimawandel. Piet Linde scheint schon nach kurzer Zeit etwas entdeckt zu haben unter der Wasseroberfläche. Am Wanderstock hängt die Bojenkette. An Land lassen sich die Werte dann auslesen. Das vierte Jahr in Folge findet die Auswertung statt, Ergebnisse sind erst in zehn bis zwanzig Jahren zu erwarten. Als alles ausgewertet ist, bringt Piet Linde die Bojenkette mit den Messgeräten wieder in die Seemitte. "Auf dass sie uns für ein weiteres Jahr Daten liefert. Im nächsten Jahr sehen wir uns dann hoffentlich wieder", sagt Biologe Linde.