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Berufungsprozess um Todesfahrt in Untereisenheim ausgesetzt | BR24

© BR/ Carolin Hasenauer

Im April 2017 fuhr ein 18-Jähriger unter Alkoholeinfluss das Opfer Theresa Stahl an und beging Fahrerflucht. Sie verstarb daraufhin im Krankenhaus. Nun liegen neue Hinweise vor, die zu einem Mordprozess führen können.

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Berufungsprozess um Todesfahrt in Untereisenheim ausgesetzt

Wende im Berufungsprozess um die tödliche Alkoholfahrt in Untereisenheim: Weil weitere Ermittlungen nötig sind, wird der Prozess vorerst ausgesetzt. Nach wie vor steht Mordverdacht im Raum, laut Gericht sind aber noch zu viele Fragen offen.

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Fahrlässige Tötung, Mord, Anstiftung zum Mord? Am zweiten Prozesstag im Berufungsverfahren um eine tödliche Alkoholfahrt bei Eisenheim hat es eine überraschende Wende gegeben: Der Prozess wird vorerst ausgesetzt, wann es weitergeht, ist noch unklar.

Laut Gericht noch weiterer Ermittlungsbedarf

In dem Verfahren, in dem es ursprünglich um den Vorwurf der fahrlässigen Tötung ging, steht mittlerweile Mordverdacht im Raum. Weil aber noch derart viele Fragen offen seien, setzte das Landgericht den Prozess vorerst aus. Es seien weitere Ermittlungen nötig, weshalb eine einfache Unterbrechung nicht ausreichen würde, um den Prozess zeitnah fortsetzen zu können.

Neue Zeugin bringt Mordverdacht auf

Diese Entwicklung ins Rollen brachte eine neue Zeugin, die sich an die Polizei gewandt hatte. Ihr sei nicht klar gewesen, was sie damit los trete, so die Aussage des Ermittlers am zweiten Prozesstag. Die Zeugin soll ein Gespräch zwischen einem der drei Mitfahrer und einer unbeteiligten Person belauscht haben. Der Mitfahrer soll dabei erzählt haben, dass der damals 18-jährige Fahrer dazu angestachelt worden sei, das Unfallopfer gezielt anzupeilen.

Verdächtigter Mitfahrer in Untersuchungshaft

Aufgrund der Aussage der Zeugin kam der Mitfahrer am 17. September 2020 wegen des Verdachts auf Anstiftung zum Mord in Untersuchungshaft. Auch der Fahrer kam zunächst in Untersuchungshaft. Er wurde aber wenig später wieder auf freien Fuß gesetzt. Das Gericht sieht bei ihm keine Verdunklungsgefahr und hat den Haftbefehl wegen Mordes gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt.

Weitere Zeugen sollen befragt werden

Nun soll also erst einmal weiter ermittelt werden, um den Tathergang idealerweise genauer rekonstruieren zu können. Neben der Zeugin, die sich bei der Polizei gemeldet hatte, müssen die Ermittler auch zwei weitere Zeugen befragen, denen der Beifahrer auf der Party das Geschehen vor dem Unfall erzählt haben soll. Außerdem sind wohl auch neue psychiatrische Gutachten des Beifahrers sowie des Hauptangeklagten nötig.

Aufhebung des ersten Urteils möglich

Sollte sich der Mordverdacht im Zuge des weiteren Berufungsprozesses bestätigen, ist es möglich, dass das erstinstanzliche Urteil des Amtsgerichts vom Oktober 2019 aufgehoben wird. Dann würde der Fall an der Jugendkammer des Schwurgerichts als Mordprozess neu aufgerollt.

💡 Um was geht es im Fall rund um die Todesfahrt von Eisenheim?

In der Nacht auf den 23. April 2017 wurde die 20-jährige Theresa Stahl auf einer Verbindungsstraße zwischen Untereisenheim und Kaltenhausen überfahren und letztlich tödlich verletzt. Im Auto saßen vier junge Männer. Der Fahrer, damals 18 Jahre alt, hatte fast 2,9 Promille Alkohol im Blut.

Im ersten Prozess fiel die Strafe für den Fahrer milde aus: Ein Gutachten hatte den jungen Mann für schuldunfähig erklärt. Er wurde im Oktober 2019 zu einer Geldstrafe von 5.000 Euro und einem Jahr Fahrverbot verurteilt, was in der Öffentlichkeit für Empörung sorgte. Am 9. September 2020 begann das Berufungsverfahren am Landgericht Würzburg, bei dem auch ein neues Gutachten hinzugezogen wurde.

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