BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Berufsbild "Pflegefachfrau/-mann": Das bringt der neue Abschluss | BR24

© Daniel Bockwoldt/dpa
Bildrechte: Daniel Bockwoldt/dpa

Zwei Pflegerinnen schieben Patienten mit Rollstühlen auf einem Flur in einem Krankenhaus.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Berufsbild "Pflegefachfrau/-mann": Das bringt der neue Abschluss

Aus Drei mach Eins: Mehrere bisherige Pflegeberufe werden künftig in einer generalistischen Ausbildung zusammengefasst. Das soll den Beruf der "Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner" attraktiver machen. Doch was bringt der neue Abschluss?

Per Mail sharen
Von
  • Ulrike Nikola

In der Senioren-Wohnanlage St. Johannis (NürnbergStift) zeigt Susanne Burger den neuen Azubis den Medikamentenschrank. Die beiden 17-Jährigen, Lamia und Dimitri, hören aufmerksam zu. Sie haben sich ganz bewusst für die neue generalistische Ausbildung zur Pflegefachfrau bzw. zum Pflegefachmann entschieden.

"In der Generalistik lernt man die Arbeit mit Kindern, mit Kranken im Krankenhaus und älteren Menschen in Pflegeheimen kennen", sagt Dimitri. "Das ist ein ausschlaggebender Punkt, warum ich diese Ausbildung gewählt habe." Dadurch habe er eine Vielfalt an Arbeitsbereichen und Möglichkeiten, meint der junge Mann.

Neues Berufsbild wurde über zwei Jahre konzipiert

In der neuen generalistischen Ausbildung sind die Altenpflege, die Krankenpflege und die Kinderkrankenpflege zusammengefasst und werden gleichwertig behandelt. "Ein großer Vorteil ist, dass die Auszubildenden befähigt werden, Menschen aller Altersgruppen zu pflegen", sagt Monika Rackl, die Leiterin der bfz-Schule in Erlangen. Dort hat in den vergangenen beiden Jahren ein schulübergreifender Arbeitskreis der bfz-Schulen ein Konzept für das neue Berufsbild aufgestellt. Dazu haben die Pflegeschulen neben der Theorie auch Kooperationen mit vielen Kliniken geschlossen, darunter Akut-, Langzeit-, pädiatrische und psychiatrische Einrichtungen.

Huml lobt Ausbildungsbündnis

Die Ausbildung umfasst den theoretischen Teil an einer Berufsfachschule und einen praktischen Teil, der in verschiedenen Praxisstellen absolviert wird. Bayerns Gesundheits- und Pflegeministerin Melanie Huml lobt solche Kooperationen, die den Azubis nahtlose Ausbildungseinheiten bieten.

"Wir haben daher schon im vergangenen Jahr das Ausbildungsbündnis für die generalistische Pflegeausbildung initiiert, um uns mit Trägern und Kommunen auszutauschen und Hilfestellungen zu geben," so Huml.

So lernen die Azubis die Unterschiede zwischen Kranken- und Altenpflege besser kennen, etwa, dass eines von beidem eher krankheits- und therapiebezogen ist, und das andere mehr "Beziehungsarbeit" erfordert. Dadurch soll ihnen die Entscheidung für einen Bereich leichter fallen.

Mentoren fördern die Azubis

Einen Vorteil der neuen generalistischen Ausbildung sieht Indira Schmude, die Pflegefachleiterin im NürnbergStift, in den neu geschaffenen Strukturen. Dazu gehört beispielsweise der verpflichtende Einsatz von Mentoren, die die Azubis begleiten. Gemeinsam erarbeiten sie einen Ausbildungsplan, die Mentoren beraten bei der Lernstrategie, aber auch bei persönlichen Anliegen. Das war bisher den Trägern auf freiwilliger Basis überlassen.

"Wir arbeiten bereits seit drei Jahren mit Mentoren in der Ausbildung, aber auf eigene Kosten", berichtet Schmude. "Jetzt haben wir die Möglichkeit, dass dies durch die Reform refinanziert wird." Ihre Erfahrung der vergangenen drei Jahre zeigt, dass mit Hilfe der Mentoren mehr Azubis die Ausbildung abschließen und danach in der jeweiligen Einrichtung bleiben, um dort zu arbeiten.

Pflegeausbildung soll attraktiver werden

Denn: Bayern braucht dringend mehr Pflegekräfte. Etwa in der Langzeitpflege: Hier muss sich die Zahl der Fachkräfte bis 2050 fast verdoppeln. Die generalistische Pflegeausbildung soll den Beruf attraktiver machen, und dafür seien strukturelle Veränderungen dringend nötig, sagt Schmude.

Denn nach ihrer Einschätzung ist die Pflegeausbildung bisher oft schlecht organisiert gewesen. "Die Auszubildenden hatten mitunter kaum Möglichkeiten, etwas zu lernen, weil sie überwiegend eingesetzt waren wie ganz normale Mitarbeiter in der Pflege", so Schmude. "Das war eine große Überforderung."

Experten: Viele Punkte noch unklar

Schmude fordert auch, dass das Berufsbild der Pflegefachfrau bzw. des Pflegefachmanns, deren Aufgaben und die Bezahlung nach der dreijährigen Ausbildung noch genauer definiert werden müssten. Kritiker fürchten zudem, dass die neuen Lehrpläne nicht alles beinhalten und Kenntnisse in Fachbereichen fehlen werden.

Das wird sich erst noch zeigen müssen. Denn es sind neue Erfahrungen für alle Beteiligten - ob für die Träger der Einrichtungen, die Vertreter der Schulen, die Auszubildenden oder deren Praxisanleiter. Positiv ist, dass der neue Abschluss Pflegefachfrau und Pflegefachmann in der gesamten EU anerkannt wird.

© BR
Bildrechte: BR

Der Bedarf an Pflegepersonal ist groß. In diesem Jahr gibt es deutlich mehr Bewerbungen um die Ausbildung zur Pflegekraft. Doch aufgrund der Hygienebestimmungen durch die Pandemie stehen weniger Plätze zur Verfügung.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!