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Bernd Posselt - Der Vielleicht-Abgeordnete | BR24

© pa/dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Bernd Posselt (r.), CSU-Europapolitiker und Vorsitzender der Sudetendeutschen Landsmannschaft, sitzt im Mai 2018 neben Ministerpräsident Söder.

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    Bernd Posselt - Der Vielleicht-Abgeordnete

    Gut zwei Wochen nach der Europawahl ist eigentlich klar, welche deutschen Abgeordneten ins EU-Parlament einziehen. CSU-Europapolitiker Bernd Posselt ist erneut knapp gescheitert - hofft aber trotzdem noch auf ein Mandat.

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    Einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde der CSU-Politiker Bernd Posselt erst, als er sein Mandat nach 20 Jahren im EU-Parlament verlor, 2014 war das. Posselt entschied sich dafür, weiterzumachen. Er blieb Dauergast in Straßburg, verfolgte als Besucher Sitzungen des EU-Parlaments, war sogar weiter bei Besprechungen der konservativen EVP-Fraktion dabei. Medien auf der ganzen Welt berichteten über ihn.

    Dann kam vor einigen Monaten die Listenaufstellung der CSU für die Europawahl. Posselt landete auf Platz sieben. Damit war klar: Wenn seine Partei im Vergleich zur Wahl 2014 nicht deutlich zulegt, würde es wieder eng werden für den Sohn aus einer Vertriebenen-Familie.

    Posselt muss auf Weber hoffen

    Und es wurde eng. Nach 40,7 Prozent in Bayern (und damit 6,3 Prozent bundesweit) werden künftig sechs CSU-Abgeordnete im neuen EU-Parlament vertreten sein. Posselt ist erster Nachrücker der Christsozialen, genau wie in der vergangenen Legislatur. Der Unterschied dieses Mal: Wenn sein CSU-Kollege Manfred Weber (Listenplatz 1) in einigen Wochen tatsächlich Chef der EU-Kommission werden sollte, ist Posselt endlich auch wieder offiziell als Parlamentarier dabei. Denn dann müsste Weber sein Mandat niederlegen.

    Er sei "sehr, sehr optimistisch", sagt Posselt bei einem Gespräch in seinem Münchner Büro Anfang Juni. Und schiebt gleich hinterher: Ihm gehe es weniger um das Nachrücken, sondern vor allem um die weitere Demokratisierung Europas. Gestiegene Wahlbeteiligung, eine klare Mehrheit für die pro-europäischen Kräfte, positive Reaktionen bei Parteiversammlungen - Posselt bewertet die Europawahl positiv.

    "Nationalisten, die Europa zerlegen wollen"

    Aber der 63-Jährige hat natürlich auch erkannt, dass sich die Europäische Union zunehmend mit Gegnern von links wie rechts auseinandersetzen muss. Den Begriff Populisten hält Posselt für verharmlosend, er sagt: "links- und rechtsextreme Nationalisten, die Europa zerlegen wollen". Marine Le Pen in Frankreich? "Eine Nationalsozialistin." Der dortige Linksaußen Jean-Luc Mélenchon? "Ein Nationalist." Und die AfD in Deutschland? "Eine sehr gefährliche Partei."

    Aber auch die Satire-Gruppierung "Die Partei" des früheren Titanic-Chefredakteurs Martin Sonneborn ärgert Posselt. Wie Sonneborn in der vergangenen Legislaturperiode im EU-Parlament abwechselnd mit Ja und Nein zu stimmen, hält er, der sich selbst als glühenden Europäer bezeichnet, für eine "Verhöhnung der Demokratie".

    Posselt ist nicht bei Facebook und Twitter, hat kein Handy

    Kein Facebook, kein Twitter, nicht mal ein eigenes Smartphone – man mag diesen Politiker für aus der Zeit gefallen halten. Er habe Zeit zum Lesen und Nachdenken, entgegnet Posselt, dem trotz oder vielleicht gerade wegen seiner digitalen Abstinenz manchmal Sätze wie Schlagzeilen entfahren. "Es geht nicht mehr um den Krümmungsgrad der Gurke, es geht um die Wurscht", hat er etwa vor der Europawahl in einem BR-Interview gesagt.

    Sich selbst sieht Posselt als "Handlungsreisenden in Sachen Europas". Er hält flammende Vorträge für mehr europäische Integration, für eine Art Vereinigte Staaten von Europa ("das wollte schon Franz Josef Strauß"). Daneben ist er seit Jahren oberster Repräsentant der Sudetendeutschen. Überliefert ist auch, dass Posselt in seiner Zeit als EU-Abgeordneter von 1994 bis 2014 nicht eine Sitzung des Parlaments verpasst haben soll. Und danach auch nicht.

    Auf dem Klingelschild seines Büros ist ohnehin alles beim Alten geblieben. Neben Posselts Namen steht dort "MdEP". Mitglied des Europäischen Parlaments also – was aktuell höchstens indirekt stimmt. "Natürlich ist es ein Unterschied, ob ich Parlamentarier bin oder ein ehrenamtlicher Aktivist für Europa", sagt Posselt. Und ergänzt: "Mit mir wird in Straßburg bereits gerechnet."