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Blick von der Zugspitze auf Schneeferner
© Alexander Krauß/BR

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Blick von der Zugspitze auf Schneeferner

Am Kitzsteinhorn im Salzburger Land unternehmen Markus Keuschnig und Ingo Hartmeyer eine riskante Expedition: Denn hier sind schon große Felsbrocken aus den Steilwänden herausgebrochen. Schuld daran: Der Permafrost schwindet. So nennt man Boden oder Fels, der ständig gefroren ist. Jetzt taut er langsam auf. Der Kitt der Hochgebirge schwindet.

Der Klimawandel verändert die Kräfteverhältnisse

Nur in großen Höhen tritt in den Alpen Permafrost auf. Meist sind das Nordlagen ab 2.200 Höhenmeter. Die beiden Forscher wollen zwischen Gletschereis und Felswand am Kitzsteinhorn in eine Kluft steigen und herausfinden: Welche Auswirkungen hat der schwindende Permafrost auf die Stabilität der Berge? Dazu bohren sie sogenannte Temperaturlogger in die vereiste Felswand. Ganz genau wollen sie aufzeichnen, wie die Temperaturen im Fels schwanken und so ein Frühwarnsystem aufbauen. Gibt der Gletscher die steilen Felswände in den nächsten Jahren frei, werden sich die Kräfteverhältnisse im Inneren gravierend verändern.

"Da wird ein vertikaler Fels freigelegt, der natürlich anfällig ist für Steinschläge. Aus diesem Grund müssen wir uns schon jetzt damit auseinandersetzen wie die Temperaturverhältnisse (…) in den Felswänden aussehen, um entsprechende Vorkehrungen für die Zukunft treffen zu können." Ingo Hartmeyer, Universität Salzburg

Auf Basis der Daten der beiden Forscher können Geoingenieure punktuell in die gefährdeten Wände Stützen einbauen.

Die Messwerte älterer Temperaturlogger zeigen: Die Temperaturen im Fels am Kitzsteinhorn schwanken gering und liegen knapp unter null Grad. Schon geringe Veränderungen könnten den Fels instabil machen.

So steht es um die bayerischen Alpen

Der bayerische Alpenraum ist aufgrund der geringen Höhenlage nur lokal betroffen. Permafrost ist hier kein flächendeckendes Phänomen.

Trotzdem drohen punktuell die selben Folgen wie in Österreich: Mehr Steinschläge, Felsstürze und Murenabgänge. Zum Beispiel an der Zugspitze. Hier ist das Vorkommen von Permafrost seit Baumaßnahmen in den 1960er-Jahren bekannt. In der Umweltforschungsstation Schneefernerhaus analysiert Markus Neumann den Permafrost ganz genau - in einem Stollen unterhalb des Gipfels des höchsten Bergs Deutschlands.

"Wir befinden uns hier auf einer Höhe von 2.700 Metern. Da merkt man schon: Die Luft wird dünn. Das ist schon anstrengend, wenn man das nicht gewohnt ist." Markus Neumann, Umweltforschungsstation Schneefernerhaus

Tief im Berg wird der Permafrost gemessen. Auffällig für Markus Neumann und sein Forschungsteam: Der gefrorene Bereich, die sogenannte Permafrost-Linse, verändert sich:

"Die ist im Laufe der zehn Jahre kleiner geworden. Das ist natürlich ein Schwingen – die wird immer mal wieder wachsen nach einem sehr kalten Winter und nach einem heißen Sommer wird sie wieder kleiner. Insgesamt ist es aber so: Die Größe der Permafrost-Linse nimmt ab." Markus Neumann, Umweltforschungsstation Schneefernerhaus

Kleine Veränderungen, große Wirkung

Ist der Berg an sich in Gefahr? An manchen Stellen bröckelt das Gestein schon leicht. Der Leiter der Forschungsstation gibt Entwarnung.

"Wir haben keine Angst, dass das Haus gefährdet ist oder, dass der Berg zusammenstürzt – dafür ist der Bereich zu klein – aber natürlich ist das ein Indikator dafür, dass sich der Berg erwärmt, das muss man ganz klar sagen."

Markus Neumann und sein Team werden den Permafrost an der Zugspitze weiter beobachten. Noch weiß niemand, wie sich die Erwärmung der Atmosphäre auf diesen Bereich der Berge auswirkt und wie instabil das Hochgebirge tatsächlich ist. Aber schon geringe Veränderungen im Permafrost könnten große Wirkung haben. Möglich, dass hier weitere Felsbrocken herausbrechen.

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Abendschau vom 06.12.2018 - 18:00 Uhr