Zurück zur Startseite
Bayern
Zurück zur Startseite
Bayern

Wohnungsnot: Berchtesgaden stoppt Zweitwohnungen | BR24

© BR/Herbert Ebner

Blick auf das Franziskanerkloster in Berchtesgaden.

4
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Wohnungsnot: Berchtesgaden stoppt Zweitwohnungen

Wohnungsnot ist längst kein Stadtphänomen mehr, sie trifft auch die ländlichen Gebiete. Berchtesgaden hat sich deshalb entschieden, künftig keine neuen Zweitwohnungen mehr zuzulassen. Damit soll der Wohnraum für die Einheimischen erhalten bleiben.

4
Per Mail sharen
Teilen

Besitzer von Ferienwohnungen sind oft nicht da - und das ist ein Problem vor allem für die Gemeinden, die bei Touristen beliebt sind: Der nicht genutzte Wohnraum fehlt den Einheimischen. Berchtesgaden wagt einen neuen Schritt: Die oberbayerische Gemeinde will keine neuen Zweitwohnungen mehr zulassen.

Wohnraum in Berchtesgaden immer knapper und teurer

Der Wohnraum werde immer knapper und teurer, sagte Bürgermeister Franz Rasp (CSU). In seiner Sitzung am Montagabend habe der Gemeinderat deshalb eine Satzung beschlossen, um die Zahl der Zweitwohnungen künftig zu beschränken. "Mit der Satzung wollen wir das weitere Entstehen von Zweitwohnungen eindämmen", sagte Rasp.

Die Nutzung einer Wohnung als Zweitwohnung werde genehmigungspflichtig - und diese Genehmigung werde im Regelfall versagt. "Wir wollen nicht, dass die Wohnung an 350 Tagen im Jahr leer steht." Bestehende Zweitwohnungen hätten aber Bestandsschutz.

Verdrängungswettbewerb zu Lasten der Einheimischen

"Das ist ein komplett neuer Weg, um Wohnraum für die einheimische Bevölkerung zu erhalten und ihn betuchten Zuzüglern nicht zugänglich zu machen", sagt Wilfried Schober. Der Sprecher des Bayerischen Gemeindetages befürwortet den Beschluss der Gemeinde.

"Es ist ein Problem, dass gerade in touristisch sehr begehrten und beliebten oberbayerischen Orten entlang der Alpenkette ein Verdrängungswettbewerb zu Lasten vor allem der jungen einheimischen Bevölkerung stattfindet, die sich teuren Wohnraum schlicht nicht mehr leisten kann - und gezwungen ist, wegzuziehen."

Zweitwohnsitz-Steuer bereits in vielen Tourismusgemeinden

Schon lange müssen Besitzer von Zweitwohnungen in vielen Orten eine Zweitwohnsitzsteuer bezahlen. Auch das sollte eine "lenkende Funktion" haben, sagt Schober.

Zum Beispiel sieht auch die Stadt Tegernsee das so. Sie erhofft sich mit einer Steuer von nunmehr 20 Prozent, das "Luxusgut Zweitwohnungen" zu reduzieren, um wieder Wohnraum für Einheimische zu schaffen. Selbst Zweitwohnungsbesitzer, die ihre Wohnung vermieten, nimmt die Stadt davon nicht aus. Ebenso wenig die Gemeinde Bad Wiessee.

Wohnungen nicht nur für 14 Tage Ferien im Jahr

Berchtesgaden genügte das nun nicht mehr. Rund sieben Prozent der Wohnungen in dem Kurort mit knapp 8.000 Einwohnern sind laut Rasp bereits Zweitwohnungen. Das sei zwar für eine Tourismusgemeinde nicht besonders viel. Aber: "Die Anzahl der Zweitwohnungen, die wir haben, ist ausreichend", sagte Rasp.

Der Bedarf an Wohnraum hingegen steige. Es gehe deshalb darum, den vorhandenen Wohnraum auch zum Wohnen zu nutzen. Wohnungen, die nur "für 14 Tage während der Ferien" genutzt würden - "das wollen wir künftig nicht zusätzlich haben". Die Satzung tritt laut Rasp demnächst mit der Veröffentlichung in Kraft.

Lindau: Verbot von Ferienwohnungen seit Februar

Anfang Februar hat aus denselben Gründen auch der Stadtrat in Lindau einstimmig darüber abgestimmt, keine Ferienwohnungen mehr auf der Altstadt-Insel zuzulassen. So soll die Wohnungsnot in der Altstadt bekämpft werden.

© BR

Das Berchtesgadener Land will nicht noch mehr Urlauber. "Klasse statt Masse" lautet das neue Motto, mit dem der beliebte bayerische Urlaubshotspot attraktiv und gleichzeitig lebenswert bleiben soll. Der Strategiewechsel gefällt nicht allen.

Sendung

Nachrichten

Von
  • Nadja Stempel
Schlagwörter