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Ein Grundschulkind mit Headset, sitzt in einem Wohnzimmer am Tisch und macht Homeschooling.

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    Benachteiligte Schüler: Können die Defizite aufgefangen werden?

    Corona hinterlässt Spuren in Sachen Bildung. Besonders bei Kindern aus benachteiligten Verhältnissen sind die Defizite oft enorm. Teilweise haben Zweitklässler das Lesen wieder verlernt. Nun soll ein Maßnahmenplan helfen. Doch wie effizient ist er?

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    Von
    • Anna Giordano
    • BR24 Redaktion

    Fayad ist 8 Jahre alt und geht in die 2. Klasse der Grundschule in der St. Martin-Str. in München. Er ist froh, dass er jetzt Wechselunterricht hat und zumindest tageweise wieder in die Schule gehen kann. Denn zu Hause ohne Freunde, das fand er ziemlich langweilig. Immerhin: Fachlich ist Fayad ganz gut durch den Distanzunterricht gekommen, mit wenigen Ausnahmen. "Deutsch, da hatte ich manchmal Probleme, zum Beispiel hatte ich ein Blatt, das ich nicht verstanden habe."

    Gerade Kinder mit Migrationshintergrund tun sich nun oft schwer

    Fayads Eltern kommen aus Togo und können ihm bei den Deutschaufgaben nicht viel helfen. Allerdings kommt der Zweitklässler in den Genuss eines Stipendiums der Roland-Berger-Stiftung, die sich für mehr Chancengleichheit einsetzt.

    "Wir testen, wo die Kinder Unterstützung brauchen und wo sie besonders gut sind, beispielsweise wenn jemand noch nicht gut Deutsch kann. Das ist sehr, sehr häufig der Fall bei unserer Klientel. Dann kriegt das Kind eben so viel Deutschunterricht, bis es mit den anderen Schritthalten kann." Regina Pötke, Vorstand Roland-Berger-Stiftung

    Davon können andere Schülerinnen und Schüler mit ähnlichen Startbedingungen nur träumen, findet zumindest Jenny Maressa. Sie ist Lehrerin einer Deutschlernklasse an der Mittelschule an der Simmernstraße in München. In ihre Klasse gehen Schülerinnen und Schüler zwischen 12 und 15 Jahren, die oft noch gar kein Deutsch können, etwa weil sie gerade erst nach Deutschland gekommen sind.

    Probleme beginnen oftmals schon bei den Wohnbedingungen

    Eine Stunde Onlineunterricht am Tag, soviel schafft Jenny Maressa mit jedem ihrer Schülerinnen und Schüler und versucht, in der knappen Zeit zumindest ein bisschen einen Wortschatz aufzubauen- oder die besseren Kinder zu fördern, wo sie kann. Dabei kommt sie oft an ihre Grenzen. "Bei vielen sind die Wohnverhältnisse einfach unglaublich schwierig. Das heißt, die ganze Familie wohnt in einem Zimmer. Dann sitzen drei Kinder nebeneinander auf der Couch und machen gleichzeitig Onlineunterricht. Und ich kann hören, was die Lehrerin vom Bruder gerade möchte."

    Bayern investiert 40 Millionen in Bildungsprogramm

    Nun hat die bayerische Staatsregierung bekannt gegeben, dass mit einem Bildungsprogramm vor allem benachteiligten Kindern und Jugendlichen unter die Arme gegriffen werden soll. Für rund 40 Millionen Euro sollen zusätzliche Beratungslehrkräfte und Schulpsychologinnen und -psychologen eingestellt und Kinder individuell gefördert werden.

    "Deshalb werden wir auch spezielle Brückenkurse anbieten, sowohl während des Schuljahres, jetzt schon, als auch, in den Ferien, mit Pensionisten, mit aber auch, Studierenden." Michael Piazolo, Kultusminister Bayern

    Mehr Lehrkräfte und mehr finanzielle Unterstützung erforderlich

    Jenny Maressa findet: Jede Unterstützung ist gut. Allerdings: Für Kinder, die es in der Schule schwer haben, braucht es kompetente Lehrkräfte mit Erfahrung. Sie bezweifelt, ob Studierende und Rentnerinnen und Rentner einfach so einspringen können. Und auch Regina Pötke von der Roland-Berger Stiftung meint, dass die Maßnahmen besser durchdacht und angepasst sein könnten.

    "Wir haben in Bayern ca. 136.000 Kinder, die an der Armutsgrenze leben. Wenn wir uns diese herausgreifen und es 40 Millionen Euro für Bildungsangebote gibt, dann wären das 285 Euro pro Kind. Das ist nichts." Regina Pötke, Vorstand Roland-Berger-Stiftung

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